, 20.01.2020

Silvio Valletta, ehemaliger Polizeichef von Malta, pflegte Medienberichten zufolge eine enge Beziehung zu einem Hauptverdächtigen im Fall des Mordes an der Journalistin Daphne Caruana Galizia. Er soll 2018 gemeinsam mit dem Casino-Besitzer Yorgen Fenech zu einem Fußballspiel nach Großbritannien geflogen sein.

 

Vergnügungstrip nach London

Wie die Sunday Times of Malta [Seite auf Englisch] am Sonntag berichtete, hätten der Ex-Polizeichef und der Casino-Mogul Yorgen Fenech am 29. September 2018 in London ein Match des FC Chelsea gegen den FC Liverpool besucht.

Die Ermordung der Enthüllungsjournalistin Daphne Caruana Galizia schlägt seit über zwei Jahren hohe Wellen auf Malta. Sie war am 16. Oktober 2017 mit einer Bombe ermordet worden, als sie in ihren Wagen stieg. Die Bloggerin hatte seit Jahren Korruption und Bestechung in Maltas Glücksspiel-Szene angeprangert. Als einer der Hintermänner des Verbrechens gilt der Geschäftsmann und Casino-Besitzer Yorgen Fenech, der Ende November deshalb von der Polizei festgenommen worden war.

Gegenüber der Zeitung gab Silvio Valletta zu, mit Yorgen Fenech zu dem Spiel geflogen zu sein. Er leugnete allerdings, dass der Casino-Inhaber ihn zu dem Trip eingeladen habe. Bisher hatte der Beamte stets bestritten, engere Beziehungen zu dem umstrittenen Geschäftsmann zu unterhalten.

 

Nach Bekanntwerden des Vorwurfs gab Innenminister Byron Camilleri bekannt, dass die Vergnügungsreise des ehemaligen Top-Beamten untersucht würde. Er sagte zum Zeitungsbericht:

Ich bin über Reportagen wie diese nicht erfreut. Ich glaube, dass diese Themen untersucht werden sollten.

Stockende Aufarbeitung

Damit nimmt der Skandal um den Mord an der 53-jährigen Journalistin immer größere Ausmaße an. Sie hatte an einer Enthüllungsstory über die Verwicklungen der Firma 17 Black in die Korruption auf Malta gearbeitet. Kurz nach ihrem Tod war bekanntgeworden, dass das Unternehmen Yorgen Fenech gehört.

 

Aufgrund der stockenden Ermittlungen war Silvio Valletta im letzten August zum Rücktritt gedrängt worden. Im Zuge des Skandals war im Januar auch Premierminister Joseph Muscat zurückgetreten. Etwas später wurde Silvio Vallettas Nachfolger Lawrence Cutajar ebenfalls geschasst.

 

Es wird sich zeigen, inwieweit Maltas neuer Premierminister Robert Abela und sein neuer, noch zu benennender Polizeichef dafür sorgen können, dass das Verbrechen an der regierungs- und glücksspielkritischen Journalistin umfassend aufgeklärt werden wird.