Freitag, 20. Mai 2022

MV Werften von Glücksspiel-Konzern Genting beantragen Insolvenz

MV Werften Stralsund Kreuzfahrtschiff Chrystal Endeavor Wie es mit den MV-Werften von Glücksspiel-Betreiber Genting weitergeht, ist unklar (Quelle:commons.wikimedia.org/AmWasser, licensed under CC BY-SA 3.0)

Nach zähem Ringen um hohe staatliche Zuwendungen haben die MV Werften von Glücksspiel-Betreiber Genting gestern Insolvenz beantragt. Der Schritt könnte den Verlust von rund 2.000 Arbeitsplätzen nach sich ziehen. Unter anderem Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Die Grünen) und Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) kritisierten die Entscheidung.

MV Werften reichen Insolvenzantrag ein

Die jüngsten Befürchtungen bezüglich der Zukunft der MV Werften von Glücksspiel-Betreiber Genting haben sich bewahrheitet. Nachdem die Gespräche zwischen dem Konzern, dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern und der Bundesregierung keine Einigung erbrachten, beantragte das Unternehmen gestern wegen Zahlungsunfähigkeit Insolvenz beim zuständigen Amtsgericht Schwerin.

Das maritime Branchenmagazin Täglicher Hafenbericht (THB) zitiert aus einer internen Meldung, in der Werft-Geschäftsführer Carsten J. Haake die Beschäftigten über den Schritt informierte:

Nach intensiven Wochen und Monaten des Verhandelns mit Bund, Land, Banken, Gesellschafter [sic] haben wir daher die schwere Entscheidung treffen müssen, heute einen Insolvenzantrag einzureichen. Ein bitterer Tag für uns alle, aber wir müssen dieser Tatsache ins Auge schauen.

Gelder für Casino-Kreuzer

Am Abend äußerte sich die Landesregierung in einer Pressekonferenz zum Thema. Ministerpräsidentin Schwesig äußerte Bedauern und Unverständnis über die Entscheidung der Genting-Gruppe.

In ihrem Statement verwies die SPD-Politikerin darauf, dass Mecklenburg-Vorpommern stets bereit gewesen sei, finanzielle Hilfen zu leisten, um die Werft-Standorte zu sichern. Auch der Bund habe sich immer „klar zu den Werften bekannt“.

Vor rund fünf Jahren übernahm Genting Hong Kong, Tochtergesellschaft des malaysischen Glücksspiel-Konzerns Genting Group, die MV Werften in Wismar, Rostock und Stralsund. Seither werden dort Kreuzfahrtschiffe für die Genting-Marken Star Cruises, Crystal Cruises und Dream Cruises gebaut.

Infolge des Pandemiegeschehens waren die MV-Werften im vergangenen Jahr in wirtschaftliche Schieflage geraten.

Unter anderem liegt mit der Global Dream ein 1,5 Mrd. EUR teurer Luxusliner im Wismarer Trockendock. Konzernangaben zufolge ist das schwimmende Casino, das eigentlich rund 9.000 Passagiere über die asiatischen Meere transportieren sollte, zu 75 % fertiggestellt. Um das Projekt abzuschließen, benötige der Glücksspielbetreiber jedoch eigenen Angaben zufolge die Millionenmittel vom deutschen Staat.

Schwesig führte aus, dass Genting-Eigentümer Tan Sri Lim noch am vergangenen Freitag im gemeinsamen Gespräch mit ihr und Wirtschaftsminister Habeck ein Angebot unterbreitet worden sei.

Dieses hätte dem Konzern im Gegenzug für die Hilfen aus Steuergeldern einen „substanziellen Beitrag“ abgefordert. Diese „berechtigte Voraussetzung“ habe das Unternehmen offenbar nicht erfüllen wollen, so die Ministerpräsidentin:

Der Eigentümer hatte (…) eine Prüfung zugesagt, stattdessen hat Genting am heutigen Tag Insolvenz angemeldet. Und deshalb ist es für die Landesregierung gänzlich unverständlich, warum der Genting-Konzern, hinter dem bekanntlich auch ein finanzstarker Eigentümer steht, nicht bereit war, dieses deutliche Bekenntnis zu den eigenen Werften abzugeben.

Eigenanteil nicht annähernd erreicht

Konkret, so übereinstimmende Medienberichte, hatte die Politik dem Konzern insgesamt 600 Mio. EUR aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) in Aussicht gestellt. Im Gegenzug hätte Genting 60 Mio. EUR aus eigenen Mitteln sowie Garantien für die Gelder vom Bund beisteuern sollen.

Reinhard Meyer (SPD), Finanzminister von Mecklenburg-Vorpommern, erklärte, dass diese Summe in den von Genting vorgelegten Angeboten „nicht annähernd“ erreicht worden sei.

Auch Bundesminister Habeck sprach Journalisten gegenüber von einer „bitteren Nachricht“ für die Werftarbeiter und die Region. Vertreter der IG Metall Küste zeigten sich „entsetzt“. Offenbar sei das Vertrauen auf beiden Seiten der Verantwortlichen aufgebraucht. Die Gewerkschaft mahnte an, dass es nun um Perspektiven für die Beschäftigten gehen müsse.