, 17.12.2019

Ein 33-jähriger Australier muss sich im kommenden Jahr wegen Mordes vor dem Obersten Gericht in Melbourne verantworten. Dies entschied der Magistrates Court von Victoria gestern bei einer Vorverhandlung. Allen B. wird vorgeworfen, im April 2019 seine Freundin Natalina A. getötet zu haben. Unmittelbar nach der mutmaßlichen Tat habe sich der Mann dem Glücksspiel im Crown Casino gewidmet.

 

Mord in Chinatown

 

Kurz nach seiner Festnahme im April 2019 gab der Australier Allen B. Polizisten gegenüber zu, seine Freundin Natalina A. getötet zu haben. Vor Gericht zog der 33-Jährige, bei dem Schizophrenie diagnostiziert wurde, gestern sein Geständnis zurück.

 

Mordopfer Natalina A.

Natalina A. starb in den Morgenstunden des 24. April 2019 (Quelle:facebook.com)

Das erstinstanzliche Gericht in Melbourne entschied daraufhin, den Fall an den Supreme Court weiterzugeben. Der Hauptprozess soll im kommenden Jahr beginnen.

 

In den frühen Morgenstunden des 24. April 2019 entdeckte ein Passant den Leichnam von Natalina A. in Melbournes Chinatown. Die Frau lag auf der Fahrspur einer Straße, neben ihr ihre Handtasche und ihr zerbrochenes Smartphone.

 

Die 32-Jährige war gewaltsam ums Leben gekommen. Ein Hauptverdächtiger geriet schnell ins Visier der Ermittler.

 

Auffälliges Verhalten vor der Tat

 

Natalina A. war in den Stunden vor ihrem Tod mehrfach in Begleitung ihres Partners Allen B. gesehen worden. Unabhängigen Zeugen zufolge habe sich das Paar auffällig verhalten.

 

So berichtete ein Hotelangestellter, wie er Allen B. am Vorabend der Tat beim Versuch, eine Weinflasche zu stehlen ertappt habe. Der mutmaßlich stark betrunkene Angeklagte sei daraufhin ausfallend geworden und habe eine Prügelei beginnen wollen. Natalina A. habe sich derweil ununterbrochen für das Verhalten ihres Freundes entschuldigt.

 

Gegen 2:20 Uhr in der Nacht habe sich das Paar ein Taxi gerufen. Der Fahrer erinnerte sich vor Gericht, dass die Stimmung auf dem Rücksitz angespannt gewesen sei: Frau A. habe mehrfach das F-Wort verwendet und sich massiv über Allen B. beschwert. Dieser habe sehr verärgert gewirkt.

 

Gemeinsames Spiel am Automaten

 

Der Taxifahrer habe das Paar dann am Golden Nugget, einer beliebten Automatenspiel-Bar in Melbournes Chinatown, abgesetzt. Aufnahmen der Überwachungskameras belegen, dass Natalina A. und Allen B. sich die Zeit bis in die frühen Morgenstunden mit Alkohol und Glücksspiel vertrieben.

Als „Pokies“ bezeichnete Spielautomaten erfreuen sich in Australien großer Beliebtheit. Allein das Crown Casino Melbourne bietet 2.500 der Geräte an, im gesamten Staat Victoria gibt es rund 27.500 weitere lizensierte Automaten. Oft setzen die Anbieter auf eine Mischung von Bar und Automatenangebot.

Gegen 5 Uhr hätten die beiden das Golden Nugget verlassen. Sicherheitsaufnahmen zeigen, wie Natalina A. in Begleitung eines Mannes in eine nicht kameraüberwachte Straße einbiegt. Gegen 5:40 Uhr verlässt der Mann den Bereich allein. Rund eine Stunde später fand ein Passant den Leichnam von Natalina A.

 

Am folgenden Mittag macht die Polizei Allen B. in einem Hotel ausfindig. Vor Gericht schilderte einer der Mordermittler das Aufeinandertreffen.

 

Der Verdächtige habe Kratzspuren am Hals aufgewiesen, sich aber von der Anwesenheit der Ermittler unbeeindruckt gezeigt. Auf die Frage nach seinem Aufenthaltsort in den vergangenen Stunden habe der 33-Jährige lässig reagiert:

Besorgen Sie mir einen Drink und ich erzähle Ihnen eine Geschichte.

Nach seiner Festnahme habe Allen B. auf der Polizeiwache gestanden, seine Freundin umgebracht zu haben.

 

Runterkommen im Casino?

 

Spätere Ermittlungen ergaben, dass der Angeklagte das Hotel erst gegen 11 Uhr vormittags betreten hatte. Die Zeit zwischen dem mutmaßlichen Mord und der Rückkehr soll er sich mit weiterem Glücksspiel vertreiben haben. Dies zumindest lege eine Geldabhebung nahe, die Allen B. gegen 8:15 Uhr im Crown Casino getätigt habe.

 

In einer früheren Anhörung war bekanntgeworden, dass Natalina A. und Allen B. seit über einem Jahr eine Beziehung geführt hatten. Allen B. habe mit psychischen Problemen zu kämpfen gehabt. Erst eine Woche vor der Tat habe er eine psychiatrische Einrichtung verlassen, in der er aufgrund einer schizophrenen Erkrankung behandelt worden war.

 

In Australien befeuert der gewaltsame Tod von Natalina A. nach wie vor die Diskussion [Seite auf Englisch] um die gesellschaftliche Tragweite von Gewalt gegen Frauen. Natalina A. ist eines von mehreren weiblichen Opfern, das in den vergangenen Monaten an einem öffentlich zugänglichen Ort in Melbourne getötet wurde.