, 20.07.2019

Am Mittwochabend fand in London die offizielle Auswahl der Fahrer für die Formel 1 New Balance Esports Series statt. Insgesamt schafften 10 von ursprünglich 109.000 Qualifikanten den Sprung in die virtuellen Cockpits von legendären Teams wie Mercedes Benz, Ferrari und Red Bull Racing.

 

Die frischgebackenen eSports-Profis werden nun Verträge mit jeweils einem der 10 teilnehmenden Formel 1-Mannschaften schließen und in der neuen Saison bei 12 Rennen um die Meisterschaft in der Serie und ein Gesamtpreisgeld in Höhe von 500.000 US-Dollar (ca. 450.000 Euro) kämpfen.

 

Kein leichter Weg ins Cockpit

 

Um sich für einen der begehrten Fahrerplätze zu qualifizieren, mussten sich die Gamer gegen eine riesige Konkurrenz durchsetzen. Möglich war dies über das Codemaster-Videospiel „F1 2018“, das für Xbox, Playstation und Computer verfügbar ist und den Zugang zum Wettbewerb ermöglichte.

 

 

Um die Bedingungen so realistisch wie möglich zu gestalten, mussten die digitalen Formel 1-Piloten 3 Qualifikationsrunden überstehen, die dem realen Formel 1-Kalender nachempfunden wurden. So mussten die Spieler innerhalb von zwei Wochen sowohl in Shanghai, Baku als auch in Katalonien um die besten Positionen streiten. Um die Qualifikanten besonders herauszufordern, wurden die Strecken unter wechselnden Wetterbedingungen gefahren.

 

Bewertet wurden die Fahrer dabei nicht nur nach Rundenzeiten, sondern auch nach sauberem Fahrstil. Die besten sechs Fahrer pro Event (und Spieleplattform) wurden schließlich zu den Playoffs nach London eingeladen, wo sie sich noch ein letztes Mal miteinander messen mussten, um in den Top-30-Draft zu gelangen.

 

So wählten die Teams

 

Das erste Team, das bei der Fahrerauswahl wählen durfte, war der Formel 1 New Balance Esports Series-Neuling Ferrari. Der Rennstall ist zum ersten Mal im Wettbewerb um die Meisterschaft dabei und wählte den zweimaligen Formel-Motorsport-Drivers-Champion David Tonizza in seine Reihen.

 

Eine gute Wahl traf auch das Renault Sport Team Vitality. Es sicherte sich für die nächste Saison Simon Weigang am Lenkrad, der in den Online-Qualifikationen hervorragende Zeiten fuhr. Für Haas F1 Team Esports sitzt ab sofort Floris Wijers im Cockpit, der Weltklassespieler Martin Stefanko in der Mannschaft ergänzen wird.

 

Eine starke Ergänzung wird es auch im Team von Mercedes Benz geben, das dem britischen eSports-Formel 1 Champion Brendon Leigh den Australier Daniel Shields zur Seite stellt. Er muss in der neuen Saison mit Kimmy Larsson aus Schweden konkurrieren, der von Alfa Romeo Racing F1 Esports in die Mannschaft gewählt wurde.

Die neuen Formel 1-ePiloten der anderen Teams

Manuel Biancolilla: Scuderia Toro Rosso Esports

Nicolas Longuet: Red Bull Racing Esports

Isaac Price: Williams Esport

Lucas Blakely: SportPesa Racing Point F1 Esports Team

Allert Van der Wal: McLaren Shadow

Wieso investiert die Formel 1 überhaupt in eSports?

 

eSports sind besonders für junge Menschen in den letzten Jahren immer häufiger zur Alternative zu realen Sportarten geworden. Bereits jetzt gehen Schätzungen davon aus, dass die Branche bis 2020 mehr als 1 Milliarde US-Dollar umsetzen könnte.

 

Allein die Streamingzeiten für Großereignisse wie das League of Legends Finale 2018 beliefen sich auf mehr als 190 Millionen Stunden, oder 21.700 Jahre. Das Werbe- und Marketingpotential der Channels scheint also gigantisch.

 

Das große Automarken in den elektronischen Sport einsteigen, erscheint daher nur folgerichtig. Vor allem wenn man bedenkt, dass die jugendlichen Streaming-Zuschauer von heute die Autokäufer von morgen sind.

 

Julian Tan, Chef von Entwicklung & esports bei der Formel 1, sagte im Zuge der Veröffentlichung des neuen Fahrerlagers für die nächste Saison:

„Die F1 Esports Series Pro Draft ist ein unglaublich wichtiger Teil unserer Bemühungen, Grenzen zu überwinden und unseren Sport für eine neue Generation von F1-Fans zu öffnen. Als erster Pionier im Motorsport konnten wir mit dem Pro-Draft-Konzept einen direkten Einstieg in unseren Fansport schaffen und der nächsten Generation von Rennstars die Möglichkeit geben, mit der Unterschrift eines Offiziellen vom Wohnzimmer auf das Podium und sogar zum F1-Weltmeister-Team zu wechseln (…).“

Das überwinden der Generationengrenze könnte für die Formel 1 zukunftsentscheidend sein. Seit dem Jahre 2002 fielen die TV-Zuschauerzahlen bei den Rennen nämlich um mehr als 50 %. Wenigstens einen Teil der Wende könnten die jungen Zuschauer bringen.