, 04.07.2018

Bildungslotterie

Die neue Lotterie spendet 30% vom Umsatz für Bildungsprojekte (Bild: bildungslotterie.de)

 

Am 03.07. wurde in Deutschland ein neues Glücksspiel-Angebot gestartet. Bei der neuen Soziallotterie mit Namen Bildungs-Chancen-Lotterie wird ein Teil der Erlöse an soziale Bildungsprojekte verteilt. So werden mit dem Geld beispielsweise Kitas und Schulen auf der ganzen Welt gefördert.

 

Bis zu 2 Millionen Euro sollen Spieler locken

Die neue Bildungslotterie wartet mit durchaus lukrativen Gewinnen auf. Allein der Hauptgewinn liegt bei bis zu zwei Millionen Euro. Ihre Einnahmen aus der Lotterie wollen die Macher in die Förderung von Bildungseinrichtungen für Jung und Alt investieren.

 

Dabei sollen von Kitas über Schulen und Initiativen zum lebenslangen Lernen Projekte der gesamten Bildungskette bedacht werden. Der Fokus liegt nicht nur auf Deutschland, sondern weltweit; beispielsweise in Form von Zuwendungen für die SOS-Kinderdörfer.

 

Heike Kahl, Geschäftsführerin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung, zu der hinter dem Projekt der Bildungslotterie stehenden Idee:

 

“Nicht nur der Staat, nicht die Eltern, nicht die private Wirtschaft, sondern wir alle müssen einen Beitrag dazu leisten, dass dieser Widerspruch, dass soziale Herkunft für den Bildungserfolg der Kinder zuständig ist, endgültig aufgehoben wird.”

 

Initiatoren der neuen Lotterie sind der Stifterverband, die SOS-Kinderdörfer und die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung.

 

Der Fokus liegt auf dem Onlineverkauf der Lose

Als Vertriebsweg haben die Organisatoren das Internet gewählt. Da in physischen Geschäften wie Lottoannahmestellen bereits Wettbewerber wie die Aktion Mensch mit ihrem Angebot sehr präsent seien, konzentriert sich die Bildungslotterie auf den Onlineverkauf.

 

Das Internet verspricht durch die direkten, papier- und bargeldlosen Vorgänge beim Kauf der Lose und der Auszahlung von Gewinnen zudem einfachere und kostengünstigere Prozesse. Eine Ausnahme bildet die Drogeriekette Rossmann, welche die Lose ab Oktober in ihren Filialen verkaufen wird. Die Einlösung der Gewinne wird jedoch auch hier über das Internet abgewickelt.

 

Die finanziellen Vorgaben der Soziallotterien sind im Glücksspielstaatsvertrag geregelt. Demzufolge müssen 30 Prozent der Einnahmen für soziale Zwecke aufgewendet und mindestens weitere 30 Prozent als Gewinne ausgezahlt werden. Der restliche Betrag wird für die Organisationskosten sowie die staatliche Lotteriesteuer aufgewendet.

 

Neues Angebot im Wettbewerb zu bestehenden Soziallotterien

Die neue Lotterie betritt einen Markt, auf dem sich bereits weitere Anbieter tummeln. Der Platzhirsch ist dabei die Aktion Mensch, die 1994 aus der bereits 1964 gegründeten Aktion Sorgenkind hervorging. Eigenen Angaben zufolge machte die Aktion Mensch im vergangenen Jahr rund 450 Millionen Euro Umsatz und ist damit die mit Abstand größte Soziallotterie in Deutschland.

 

Besondere Popularität erlangte die Lotterie in den siebziger und achtziger Jahren, als mit der Aktion gekoppelte Fernsehshows wie „Der große Preis“ die Zuschauer zu Millionen vor die Fernseher lockten. Es ist nicht zuletzt die Präsenz der Aktion Mensch bei diesen ZDF-Shows, die für die hohe Bekanntheit der Lotterie sorgt.

 

ARD und ZDF promoten Soziallotterien

Kati Witt

Auch Kati Witt macht Werbung für die Soziallotterie (Bild: fundraiser-magazin.de)

Die ARD verfügt mit der Deutschen Fernsehlotterie über ein ähnliches Pendant, welches ebenfalls in zahlreichen Samstagabend-Live-Shows promotet wird.

 

Ihr Umsatz betrug 2017 etwa 185 Millionen Euro. Damalige TV-Stars wie Wim Thoelke oder heutzutage Jörg Pilawa geben dem Anliegen auf den beiden Sendern seit über vierzig Jahren ein prominentes Gesicht und verschaffen den Angeboten damit eine sehr hohe Reichweite.

 

Neben der Aktion Mensch gibt es zudem eine Reihe weiterer Lotterien, die mit ihren Einnahmen karitative Einrichtungen unterstützen. So gibt es seit Mitte 2017 hauptsächlich im Raum Nordrhein-Westfalen die Deutsche Postcode Lotterie. Dabei handelt es sich um das Tochterunternehmen einer Sozialmarketing-Agentur aus den Niederlanden, die angibt, in im Laufe der letzten 30 Jahre über 8,5 Milliarden Euro in die Förderung guter Zwecke gesteckt zu haben.

 

Auch hierzulande sei das Vorhaben bereits ein Erfolg. Demnach erzielte die Lotterie im vergangenen Jahr Angaben der Agentur zufolge einen Umsatz von 11,5 Millionen Euro. Davon sollen knapp 3,5 Millionen Euro in regionale Projekte in NRW geflossen sein.

 

Die im Dezember veranstaltete Weihnachtslotterie hat sich ebenfalls die Unterstützung sozialer Belange auf die Fahnen geschrieben. Im letzten Winter verkaufte sie bei ihrer Ausspielung Lotterielose für etwa 3,7 Millionen Euro, wovon unter anderem die Stiftung Lesen und die Stiftung des prominenten Fußballprofis Lukas Podolski profitiert haben.

 

Hohe Anlaufkosten der neuen Lotterie

Um das neue Angebot bekannt zu machen, sind hohe finanzielle Aufwendungen in die technische Infrastruktur, Personal sowie Werbe- und Vertriebsmaßnahmen nötig. Mit 20 Millionen Euro beziffert der Stifterverbands-Generalsekretär Andreas Schlüter den Betrag, der nötig sei, um ein derartiges Projekt erfolgreich an den Start zu bringen.

 

Nach Schlüters Angaben haben die Organisatoren dafür bei renommierten Persönlichkeiten aus der deutschen Wirtschaft wie beispielsweise Bettina Würth oder Christian Boehringer einen Millionenbetrag als Risikokapital an die Hand gegeben bekommen.