, 21.05.2020

Das norwegische Parlament hat eine Gesetzesänderung verabschiedet, mit der ausländische Glücksspielanbieter daran gehindert werden können, ihre Angebote in Norwegen zu bewerben. Dies hat die Online-Zeitung ABC Nyheter am Mittwoch berichtet.

 

Mehr Macht für die Medienaufsicht

 

Die Änderung ergänze bestehende Regelungen, welche Werbung durch nicht lizenzierte Anbieter im Land verbieten. Zuvor hätten ausländische Anbieter diese umgehen können, indem sie Werbung auf in Norwegen zugänglichen Satelliten-Sendern schalteten.

 

Das Gesetz erhöhe den Handlungsspielraum der norwegischen Medienaufsicht (Medietilsynet), so der Minister für Kultur und Geschlechtergleichberechtigung, Abid Q. Raja:

[Bisher] hatten wir nicht die erforderlichen Instrumente, um das Werbeverbot für ausländische Betreiber durchzusetzen. Mit dieser Regelung ist die Medienaufsicht jedoch befugt, Internetbetreibern und -providern die Pflicht aufzuerlegen, den Zugang zu Werbung für illegales Glücksspiel zu verhindern.

Eine ähnliche Änderung des norwegischen Rundfunkgesetzes war bereits in diesem Monat verabschiedet worden, um Glücksspiel-Werbung im Fernsehen zu unterbinden.

 

Kritik von Branchenvertretern

 

Die Norwegische Branchenvereinigung für Online-Glücksspiel, Norsk Bransjeforening for Onlinespill/NBO [Seite auf Norwegisch], sieht die Gesetzesänderung hingegen kritisch.

 

Statt eines Verbotes habe diese sich bereits im März für ein liberales Regulierungsmodell ausgesprochen, statt das Monopol des norwegischen Anbieters Norsk Tipping zu verstärken. Das Unternehmen sei das einzige, das Glücksspiel im Land anbieten und bewerben darf.

 

Durch die Lizenzierung weiterer Anbieter für den norwegischen Markt erhoffe sich die NBO, Spieler an der Nutzung illegaler Angebote zu hindern und sie auf legale Webseiten zu lenken, auf denen Spielerschutz gewährleistet werden könne.

Einer aktuellen Studie der Universität Bergen ist die Zahl der Problemspieler von 34.000 im Jahr 2015 auf 55.000 gestiegen. 122.000 Norweger sind zudem gefährdet, Spielprobleme zu entwickeln.

Der Generalsekretär der Vereinigung, Carl Frederik Stenstrøm, hält das Monopol-Modell für veraltet. Die Hälfte aller Spieler in Norwegen nutze die Angebote ausländischer Betreiber. Die Behörden bräuchten daher Instrumente, um auch diese zu regulieren.

 

Als vorbildlich sehe Stenstrøm das schwedische Modell. Der seit Januar 2019 regulierte schwedische Markt fordert von allen lizenzierten Anbietern die Einhaltung strenger Auflagen zum Spielerschutz. Dazu zählen Funktionen, mit denen sich Problemspieler selbst vom Glücksspiel ausschließen können. Mehr als 50.000 Schweden hätten diese Möglichkeit bereits genutzt, so Stenstrøm.

 

Die norwegische Glücksspiel-Aufsicht Lotteritilsynet habe sich unterdessen dafür ausgesprochen, das aktuell in Norwegen bestehende Modell überprüfen zu wollen. Dafür seien weitere Studien notwendig.

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