, September 10, 2019

Gestern fanden in Norwegen Kommunalwahlen statt. Der staatliche Glücksspielanbieter des Landes, Norsk Tipping, warnte im Vorfeld der Wahlen davor, auf deren Ausgang zu wetten. Wetten auf die Wahlergebnisse hätten, so Norsk Tipping, eine Manipulation der Wahlstimmen verursachen können.

Die Norweger nahmen am 9. September landesweit an den Kommunalwahlen teil, um Vertreter in die Stadt- und Bezirksräte zu wählen. Diese sind unter anderem für die Bildung, öffentliche Verkehrsmittel, die Gesundheitsfürsorge und bestimmte Steuern zuständig.

 

Da die Kommunalwahlen in der Mitte der Amtszeit des Parlaments stattfinden, werden sie, wie die Zeitschrift Forbes [Seite auf Englisch] betont, häufig als Barometer für die Zufriedenheit der Bevölkerung mit der amtierenden Regierung angesehen und von den Parteien mit Spannung erwartet.

Norsk Tipping erklärte, dass aufgrund der geringen Bevölkerungsdichte bestimmter Gemeinden und Landkreise die Chance, Geld mit der Wette auf bestimmte Kandidaten zu gewinnen, zu taktischen Abstimmungen oder zu Korruption führen könnte. Daher kündigte der Glücksspielanbieter an, keine Wetten auf die Kommunalwahlen anzubieten.

 

Die Kommunikationsleiterin von Norsk Tipping, Tonje Sagstuen, erklärte:

„Es wäre möglich [Quoten auf die Wahlen anzubieten; Anm. d. Verf.], aber es gibt viele gute Gründe, dies nicht zu tun. Das Wichtigste ist, dass Geld, wenn es um das Ergebnis von Lokalwahlen geht, sowohl die Wahl als auch ihr Ergebnis in vielfältiger Weise beeinflussen kann. Es kann beeinflussen, wie Sie selbst wählen und es ermöglicht Manipulationen.“

Sagstuen ergänzte, dass diese Entscheidung Norsk Tipping nicht davon abhalten werde, Wetten auf größere Ereignisse wie die US-Präsidentschaftswahlen oder die Parlamentswahlen in Norwegen anzubieten.

 

Der Erklärung von Norsk Tipping war eine Warnung der Glücksspielregulierungsbehörde Lotteri-og stiftelsestilsynet (Lottstift) vorausgegangen, die sich an die Presse gerichtet hatte.

 

Regulierungsbehörde spricht Warnung an Presse aus

 

In der vergangenen Woche wies die Glücksspielbehörde Lottstift die nationalen Zeitungen darauf hin, dass sie mit der Veröffentlichung der Quoten nicht lizensierter Buchmacher illegale Glücksspielwerbung betrieben.

 

Insgesamt 49 nationale Zeitungen hatten über Gewinnchancen berichtet, die es bei Wetten darauf gebe, ob die Wähler bei der Bürgermeisterwahl für weibliche Kandidatinnen stimmen würden.

 

Auch der staatliche Glücksspielanbieter Norsk Tipping kritisierte die Berichterstattung in den Medien. (Bild: Wikipedia/by Peulle

Lottostift wies darauf hin, dass es sich bei den von den Medien benannten Buchmachern um in Norwegen nicht lizensierte Unternehmen handele. Dementsprechend sei es auch nicht erlaubt, in den nationalen Medien Werbung für diese zu machen.

 

Dem Lottstift-Abteilungsleiter Henrik Nordal zufolge sei es eine gängige Marketing-Methode illegaler Glücksspielanbieter, in norwegischen Medien erwähnt zu werden.

 

Man werde keinen Einfluss auf redaktionelle Entscheidungen nehmen. Man fordere jedoch die norwegischen Redakteure auf, sich dessen bewusst zu sein, wenn sie Artikel über illegale Glücksspielunternehmen schreiben.

 

Anfang des Jahres habe Lottstift bereits zwei norwegische Pressedienste analysiert und festgestellt, dass nicht lizensierte Glücksspielanbieter diese Dienste nutzten, um ihre Marke in Norwegen zu bewerben. Die Regulierungsbehörde entschied, dass eine umfassende Veröffentlichung dieser Art von Pressemitteilung gegen die gesetzlichen Bestimmungen verstoße.

 

Laut Lottstift sei es für norwegische Verbraucher immer schwieriger, zwischen lizensierten und nicht lizensierten Betreibern zu unterscheiden, wenn Zeitungen weiterhin Werbung für letztere veröffentlichten:

„Wenn die Medien über diese Geschichten berichten, helfen sie illegalen Unternehmen und ihren illegalen Taktiken, Norweger ins Visier zu nehmen. Das Unternehmen wird erwähnt, ohne dass der Leser darüber informiert wird, dass es sich in Norwegen um einen illegalen Anbieter handelt und es ist bereits so, dass sechs von zehn Norwegern nicht wissen oder unsicher darüber sind, wer in Norwegen Echtgeldspiele anbieten kann.”

Mikael Mellqvist, Senior Brand Manager bei Coolbet und Sportjounalist, reagierte in der Onlinezeitung M24 auf die Vorwürfe gegen die norwegische Presse „geschockt“. Er wies darauf hin, dass Glücksspielunternehmen wie Coolbet keineswegs illegal seien, sondern über Lizenzen außerhalb von Norwegen verfügten. Man halte sich an die Gesetze und Vorschriften in den Märkten, in denen man tätig sei und er spreche sich für eine freie und unabhängige Presse aus.

 

Da Lottostift schon in der Vergangenheit darauf hingewiesen hat, an der Neugestaltung der norwegischen Werbekodizes mitwirken zu wollen, bleibt abzuwarten, ob in Zukunft weitere Maßnahmen gegen die Berichterstattung in nationalen Medien zu erwarten sind.