, 04.11.2017

IOC Präsident Thomas Bach schließt Ego-Shooter als Disziplin aus, kann sich Sportsimulationen jedoch gut vorstellen. (Bildquelle)

Am 28. Oktober 2017 hat der 6. Olympische Gipfel im schweizerischen Lausanne stattgefunden. Dort hat das IOC, das Internationale Olympische Komitee, auf dessen Einladung hin die Versammlung erfolgt war, seinen Sitz. Eines der vier großen Themen des Gipfels war eSports. Die geladenen Vertreter aller olympischen Organisationen erklärten in ihrem Abschlussschreiben, dass eSports mit einer klassischen Sportart zu vergleichen sei und eAthleten ein ähnlich intensives Training wie andere Sportler absolvieren würden. Damit das IOC eSports als offizielle olympische Disziplin anerkennt, muss gewährleistet sein, dass die Branche die olympischen Werte respektiert und einhält. Außerdem gilt das Erfordernis einer zentralen Kontrollstelle, die stellvertretend für alle eSports Ligen und Verbände dafür sorgt, dass olympische Regeln wie das Verbot von Doping, anderer Manipulationstechniken oder Wettabsprachen eingehalten werden. Erwähnenswert ist außerdem, dass gewaltverherrlichende Titel sehr wahrscheinlich ausgeschlossen werden.

 

eAthleten trainieren vergleichbar mit traditionellen Sportlern

Die Vertreter der weltweiten olympischen Bewegung treffen sich regelmäßig zur Beratung über wichtige Themen. Auf dem 6. Olympischen Gipfel in Lausanne wurden diesmal vier Haupttagespunkte besprochen: Die nächsten Winterspiele in Südkorea, Dopingkontrollen und Prävention, eSports und die Dachverbände der einzelnen Athleten. Zum Thema eSports stellten die Teilnehmer vier zentrale Punkte fest, darunter auch die Anerkennung der Athleten als „richtige“ Sportler:

  1. eSports weist ein enormes Wachstum in zahlreichen Ländern auf, vor allem bei der jüngeren Generation. Es bietet eine Plattform, die mit der olympischen Bewegung gekoppelt werden kann.
  2. Wettbewerbsorientiertes eSports kann als Sport angesehen werden. eSports Spieler bereiten sich ähnlich vor und trainieren mit einer Intensität, die vergleichbar mit Athleten aus traditionellen Sportarten ist.
  3. Um vom IOC anerkannt zu werden, müssen die eSports Inhalte in Einklang mit den olympischen Werten stehen.
  4. Eine weitere Voraussetzung für eine Anerkennung durch das IOC ist die Einrichtung einer Organisation, die die Einhaltung aller Regeln und Richtlinien der olympischen Bewegung gewährleistet (Dopingverbote, Wettkontrollen, Manipulation etc.)

Abschließend empfahl der Gipfel, dass IOC und die GAISF, der internationale Dachverband aller Sportverbände, im Dialog mit Vertretern der eSports-Industrie und Spielern ein Konzept entwickeln und in absehbarer Zeit zur Wiedervorlage einreichen mögen.

 

eSports vielleicht schon 2024 in Paris dabei

Tony Estanguet bei einer Pressekonferenz

Ex-Kanute Tony Estanguet (Bildquelle)

Die Olympischen Sommerspiele finden das nächste Mal 2020 in Tokio statt. Die Vergabe an Paris für 2024 sowie Los Angeles für 2028 steht ebenfalls bereits fest. Was die etwas weniger populären Winterspiele angeht, so hat sich für 2018 das südkoreanische Pyeongchang durchgesetzt, bevor es 2022 nach Peking geht. Denkbar wäre bereits eine Aufnahme von eSports als offizielle Disziplin für die Sommerspiele 2024 in Paris. Die Verantwortlichen, darunter besonders Ex-Kanute und jetziges IOC-Mitglied Tony Estanguet, hatten bereits ihr Interesse signalisiert und erklärt, dass der Veranstaltung von eSports Turnieren nichts im Wege stünde, solange das IOC zustimme. Für die Asian Games 2022 in China, einer olympiaähnlichen Veranstaltung in Asien, ist eSports bereits fester Programmpunkt und als offizielle Disziplin anerkannt worden, in der sogar Medaillen vergeben werden.

 

Ist Gewalt in Computerspielen mit den olympischen Werten vereinbar?

Ein potenzielles Problem bei der Entscheidung für oder gegen bestimmte Spiele ist die Gewalt bzw. die kriegerischen Themen von einigen der beliebtesten eSports Titeln. Der oben genannte Punkt, dass Spiele „im Einklang mit den olympischen Werten“ stehen müssten, könnte für Erfolge wie Overwatch, Dota 2 und League of Legends zum Ausschlusskriterium werden, von CS: GO ganz zu schweigen. Ego-Shooter und die olympischen Werte seien nur schwer miteinander zu vereinbaren, so Thomas Bach, Präsident des IOC. Der gebürtige Würzburger erklärte dazu in einem Interview:

„Wir stehen für Diversität, Pazifismus und Frieden. Dazu passen keine Computerspiele, die Gewalt, Explosionen und Tötungen zeigen. Hier müssen wir eine klare Grenze ziehen.“

Dieses Kriterium einhalten würden hingegen virtuelle Versionen von bekannten und etablierten Sportarten wie Basketball, Fußball oder Volleyball. So hätten Spieler von Sportsimulationen wie FIFA gute Chancen, zugelassen zu werden. Und auch deutsche Bundesligavereine, die jüngst zunehmend eAthelten für ihre eSports Abteilungen verpflichtet haben, würden mit einer Olympia-Teilnahme die Aufmerksamkeit bekommen, die sich mit dieser Investition erhofft haben. Zuletzt rüstete der FC Nürnberg auf und nahm die beiden FIFA-Profis Daniel „Bubu“ Butenko und Kai „Hensoo“ Hense unter Vertrag.