eSports für Olympiade 2024 in Paris im Gespräch

, August 11, 2017

Präsident Emmanuel Macron und IOC-Präsident Thomas Bach

Emmanuel Macron und IOC-Präsident Thomas Bach könnten 2024 vielleicht eSports Turniere verfolgen. (Bildquelle)

Die Chancen stehen gut, dass eSports eine der Disziplinen bei den Olympischen Spielen 2024 wird. Die Verantwortlichen für die Sommerspiele 2024, die aller Voraussicht nach in Paris stattfinden werden, signalisierten in einem Interview ihre grundsätzliche Gesprächsbereitschaft. Der ehemalige französische Kanute und jetziges Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) Tony Estanguet zeigte sich in seiner Rolle als stellvertretender Vorsitzender des Pariser Bewerbungsteams für das Vergabeverfahren gegenüber internationalen Medien als der Idee einer Aufnahme von eSports als Medaillendisziplin aufgeschlossen. Man strebe für 2024 das Gespräch mit dem IOC und den Vertretern der eSports Branche an. Der Ausgang der Verhandlungen ist jedoch noch völlig offen. Dennoch spiegelt die Annäherung von Paris an eSports das langsam einsetzende Umdenken in der Welt des Sports wieder. So werden eSports Turniere 2022 bei den Asian Games, einem mit der Olympiade vergleichbaren Wettkampf der asiatischen Staaten, ausgetragen.

 

Modernisierung der Spiele für Fans der Zukunft nötig

Der ehemalige Profisportler Tony Estanguet, der für Frankreich sowohl die Olympiade als auch die Weltmeisterschaft im Kanuslalom gewann, vertritt als Mitglied des Bewerbungskomitees die Ansicht, dass eSports nicht weiter zu ignorieren sei und man das Gespräch mit den Verantwortlichen beider Seiten suchen müsse. Vor allem in Anbetracht der Beliebtheit unter Jugendlichen und dem enormen Zukunftspotenzial von eSports müsse man dieser Disziplin mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen, wenn man die Bedeutsamkeit der Olympischen Spiele auch in Zukunft erhalten wolle:

„Wir müssen uns mit dem Thema beschäftigen, denn wir können nicht einfach behaupten, dass es uns nichts angeht. […] Die junge Generation ist voller Begeisterung für eSports, also schauen wir es uns doch an. Treffen wir die Verantwortlichen und Fans und sehen wir, ob wir übereinkommen. Ich möchte nicht von Anfang an „Nein“ sagen, denn ich halte es für eine spannende Option, mit dem IOC und den eSports Vertretern zu sprechen. So können wir besser verstehen, wie das Spiel funktioniert und was es so erfolgreich macht.“

Zweifel an eSports seitens des IOC

Der deutsche IOC Präsident Thomas Bach äußerte jedoch bereits Zweifel daran, dass eSports den Anforderungen an eine olympische Sportart gerecht werden könne. eSports Turniere entsprächen schwerlich den „olympischen Regeln und Werten des Sports“. Außerdem gäbe es keine anerkannte Aufsichts- und Organisationsbehörde, die eSports international vertritt. Auf der Generalversammlung der Pan American Sports Organization erklärte Bach auf Nachfrage hin:

„Wir sind uns noch nicht zu 100 % sicher, ob es sich unter dem Aspekt der körperlichen Betätigung und den Kriterien für eine offizielle Sportart bei eSports tatsächlich um Sport handeln kann. Wir können keine Organisation oder Institution erkennen, die uns versichern oder garantieren kann, dass bei eSports die olympischen Regeln und Werte respektiert, eingehalten und überwacht werden. Es gibt keinen internationalen Zusammenschluss, der über die notwendige Vertretungsmacht verfügt, uns diese Garantie zu geben und die Ausübung von eSports unter den Regeln des Sports zu gewährleisten.“

Dennoch, so Bach, sei die Popularität von eSports vor allem bei der jüngeren Generation nicht zu leugnen. Aus diesem Grund könne auch die Ausrichtung von eSports Wettkämpfen bei den Asian Games als guter Test angesehen werden.

 

Paris als einziger Bewerber im Rennen

Paris wird Austragungsort 2024 (Bildquelle)

Ursprünglich hatten sich Budapest, Hamburg, Los Angeles, Paris und Rom um die Olympischen Sommerspiele 2024 beworben. Nachdem Los Angeles als letzter Interessent seine Bewerbung am 31. Juli 2017 zurückgezogen hat, verbleibt nun nur noch Paris als potenzieller Austragungsort. Die offizielle Vergabe findet am 13. September in Lima statt. Das IOC wird eine Doppelvergabe vornehmen und L.A. die Spiele 2028 zusprechen. Aus L.A. heißt es, die finanziellen Anreize seitens des IOCs seien für 2028 wesentlich größer gewesen, weshalb man Paris den Vortritt für 2024 gelassen habe. Damit würde Frankreich zum dreimaligen Gastgeber. Bereits 1900 und 1924 fand die Olympiade in Paris statt. Die nächsten Spiele finden jedoch in Form der Winterspiele zunächst 2018 im südkoreanischen Pyeongchang statt, gefolgt von Tokio für 2020 und Peking für 2022. Grund für das Ausscheiden der anderen Bewerber sind die hohen Kosten und ein Unwille seitens der Bevölkerung diese zu tragen.