Dienstag, 06. Dezember 2022

Peter Sidlo fordert 2,3 Millionen Euro von Casinos Austria

Wien aus der Luft

Der ehemalige Casinos Austria-Finanzvorstand Peter Sidlo hat am Donnerstag im Verfahren gegen seinen Ex-Arbeitgeber vor dem Handelsgericht in Wien ausgesagt. Sidlo fordert in dem Prozess eine Entschädigung in Höhe von 2,3 Millionen Euro von der Casinos Austria AG (Casag). Vor Gericht habe der 47-Jährige erklärt, dass seine Berufung zum Finanzvorstand des Glücksspielkonzerns keine politische Postenbesetzung gewesen sei.

Auf die Auszahlung seines Vorstandsvertrages klage der Ex-Manager, da ihm keine Verfehlungen vorzuwerfen seien, die eine vorzeitige Abberufung gerechtfertigt hätten.

Sidlos Vertrag mit der Casag begann im Mai 2019 und hätte eigentlich bis zum April 2022 laufen sollen. Im Dezember 2019 war der Jurist jedoch aus „wichtigem Grund“ von seinem Posten abberufen worden. Hintergrund sei eine anonyme Anzeige gewesen, der zufolge die Bestellung Sidlos Teil einer politischen Absprache gewesen sei, berichtete der Standard.

In der Causa Casinos, die seit Monaten einen parlamentarischen U-Ausschuss in Wien beschäftigt, ist Sidlo eine wichtige Figur. Thema ist unter anderem die Frage, ob der FPÖ-Politiker über einen mutmaßlichen Deal zwischen dem Glücksspielkonzern Novomatic (damals Mehrheitsanteilseigner der Casag) und FPÖ-Spitzenpolitikern in sein Amt gekommen sein könnte. Spekuliert wird, dass sich Novomatic durch die Berufung Sidlos günstige politische Voraussetzungen für den Erhalt von Glücksspiellizenzen versprochen haben könnte. Personalberater hätten Sidlo für den Job eigentlich als ungeeignet eingestuft.

Sidlo bestreitet Absprachen

Gegenstand des gestrigen Verhandlungstages war unter anderem die Frage, welche Rolle der ehemalige Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache bei der Besetzung Sidlos gespielt haben könnte. Strache war im Mai 2019 zurückgetreten, nachdem er im sogenannten „Ibiza“-Video behauptet hatte: „Novomatic zahlt alle“. Sidlo sagte gestern über Strache, dass dieser ein Freund und Förderer gewesen sei. Zu einer Bewerbung für den Casag-Posten sei er aber nicht gezwungen worden:

„Er wird sich sicherlich gefreut haben, dass jemand aus den eigenen Reihen in eine Funktion kommt (…). Deswegen hat er das natürlich gerne unterstützt, aber das war keine conditio sine qua non oder irgendein Zwang, dass das jetzt jemand sein muss aus der FPÖ.“

Auch in Chat-Nachrichten mit seinem Parteifreund Johann Gudenus sei es im Zusammenhang mit Gesprächen über einen „Deal“ nicht um die Casag gegangen.

Ob im Laufe des Verfahrens noch mehr über Verbindungen zwischen FPÖ, Casag und Novomatic zum Vorschein kommen könnte, ist unklar. Klar sei bislang nur, dass eine Einigung der Streitparteien über einen finanziellen Vergleich unwahrscheinlich sei. Laut der Austria Presse Agentur (APA) biete die Casag Sidlo drei Monatsbezüge als Entschädigung an und damit weitaus weniger als die geforderten 2,3 Millionen Euro.