, July 9, 2018

Pokerspielerin Vanessa Selbst am Pokertisch

Pokerspielerin Vanessa Selbst (Bild: bloomberg.com)

Die seit Beginn 2018 inaktive Pokerspielerin Vanessa Selbst, die heute ihren 34. Geburtstag feiert, befindet sich derzeit in Las Vegas und nimmt an der WSOP 2018 (29.5.-17.7.) teil. Ein Comeback zum Vollzeitpoker hat sie zwar nicht geplant, als Influenzerin sorgt sie in der Szene jedoch weiterhin regelmäßig für Schlagzeilen.

Die ehemalige professionelle Pokerspielerin Vanessa Selbst ist mit einem Profit [Webseite auf Englisch] von über sieben Millionen USD die erfolgreichste Frau in der Szene. Silvester 2017 kündigte sie, einhergehend mit Beendigung ihres Geschäftsverhältnisses mit Pokerstars, offiziell ihren Rücktritt aus dem professionellen Pokerspiel an.

Die dreifache WSOP-Braceletgewinnerin nutzt ihre Reichweite schon seit längerer Zeit, um sowohl ihre politische Agenda, als auch ihre Meinung zur Pokerszene zu verbreiten. Sie kritisiert die politischen Situation in den USA und besonders das geringe politische Interesse ihrer Spielkollegen.

Mein einziger Kritikpunkt ist, dass Poker so verdammt nitty geworden ist, seit ich aufgehört habe.. #Zufall?

Desweiteren bemängelt sie das gegenwärtig dominierende Spielverhalten als zu „nitty“, also zu mechanisch, vorhersagbar und nicht risikobereit.

 

Drei Gründe für die Abkehr vom Vollzeitpoker

 

– Ihre bisherige Tätigkeit im Live-Poker sei mit häufigem Reisen verbunden. Bis dato hätte ihr das Reisen zwar gefallen, nun möge sie jedoch lieber sesshaft werden.

 

– Es sei seit dem „Black Friday“ des Onlinepokers in den USA zudem relativ kompliziert und unsicher, überhaupt im Netz zu spielen.

 

– Die aktuelle Generation von Pokerspielern spiele auf relativ hohem Niveau. Dies sei vor allem der steigenden Verfügbarkeit von Trainingsresourcen verschuldet. Es werde immer „tighter“, also knausriger, gespielt. Aufgrund der damit verbundenen geringeren Profitaussichten werde das Spiel für Profis demnach immer unattraktiver.

 

 

Selbst und Galfond gegen den Rest

 

Vanessa kritisiert regelmäßig allgemein akzeptierte Pokerstrategien. Während sie hierfür von vielen nur Spott zu ernten scheint, stellt sich eine weitere Weltgröße im Poker, Phil Galfond, als Reaktion auf einen von Vanessa´s Tweets auf ihre Seite. Er deutet darauf hin, es als einer der wenigen „feel player“, also intuitiveren und nicht zu sehr auf Strategien fixierten Spieler, im Spiel schwer zu haben.

 

Die Diskussion spaltet sich daraufhin in zwei Lager auf – diejenigen, die eine Anpassung an geläufige Spielverhalten für notwendig halten, um profitabel spielen zu können und diejenigen, die diese Taktiken der Gegner lieber durchschauen und ausnutzen wollen, um sich dadurch den entscheidenden Vorteil zu verschaffen.

 

Der Showdown zwischen den verschiedenen Spielansätzen findet alljährlich im Rahmen der WSOP statt. Im Main Event wird sich zwischen dem 2.7. und 14.7. zeigen, wer sich mit welch einer Spielweise aktuell erfolgreich gegen seine Gegner durchsetzen kann, wobei man aufgrund der hohen Varianz bei derart großen Pokerturnieren seine Meinung nicht vorschnell bilden sollte!

Hier geht´s zu aktuellen Daten über die World Series of Poker.

 

Aktueller Stand ihrer Karriere

Vanessa widme Ihre Aufmerksamkeit nun dem Handel mit Hedgefonds, wobei sie ihrer Leidenschaft nach Wahrscheinlichkeitsrechnungen und Strategie mit ganzer Seele nachgehen könne. Ihre aktuelle Arbeit sei wie das Pokern, nur müsse sie bei Wahrscheinlichkeitsrechnungen nun nicht mehr nur eine limitierte Anzahl an möglichen Ausgängen einkalkulieren, sondern dabei beispielsweise auch die Wirtschaftslage aller Länder berücksichtigen. Neben einem relativ normalen Job hätte Vanessa nun nach eigenen Aussagen auch die Familienplanung im Fokus.

 

Äußerungen zu Comeback-Gerüchten

Vanessa Selbst schiebt Pokerchips

Vanessa Selbst beim Pokern (Bild: forbes.com)

Dass sie nun, wie aufgrund ihrer Teilnahme an der WSOP bereits heiß spekuliert wurde, zum professionellen Poker zurückkehren wolle, verneint Vanessa. Sie sei mit viel Interesse und Begeisterung im Geschäft mit Hedgefonds tätig. Auch liebe sie die Dynamik und Abwechslung ihrer neuen Branche und möge Poker nur noch ab und an mal als gedanklichen Ausgleich zu ihrem Beruf spielen. Als Vollzeitbeschäftigung wolle sie das Spiel also nicht wieder aufnehmen.

 

Politik und Poker

Neben der Auseindandersetzung mit der Spannung zwischen Strategie und Improvisation im Spiel macht Vanessa Selbst jedoch auch mit der Fusion von Poker und Politik Schlagzeilen. Ihre durch das Pokern erlangte Prominenz nutzt sie, um die US-Regierung unter Trump und vor allem seine Einwanderungspolitik zu kritisieren. Zudem weist Vanessa auf Twitter auch auf das Desinteresse ihrer US-amerikanischen Mitbürger, vorallem aber das in der Pokerindustrie, hin.

 

Ihre Bestrebungen in humanitärer Absicht zeigen sich deutlich, als sie am 20. Juni auf Twitter ankündigte, 50 % der Gewinne aus ihrer diesjährigen Teilnahme an der WSOP dafür aufzuwenden, um Immigrantengemeinschaften zu unterstützen und damit gleichzeitig ihre Fans zu mehr Empathie und politischem Engagement zu inspirieren.

 

Vanessa erntet mit ihrem Engagement nicht nur Lob, sondern auch viel Kritik. Zahlreiche Pokerspieler sind der Meinung, eine gewisse Grenze zwischen dem Spiel und der Politik solle nicht überschritten werden. Vanessa kann jedoch mit einer Fanbase von etwa Hunderttausend Twitter-Followern möglicherweise einen gewissen Einfluss auf die Szene nehmen.

 

Die nun 34-Jährige lässt sich von Kritikern scheinbar nicht aus der Bahn bringen. So wird sie sich auch im Laufe ihres 35. Lebensjahres weiterhin standhaft zu ihren Ansichten äußern, engagiert bleiben und für Furore sorgen.