, 17.09.2021

In Bielefeld hat am Donnerstag vor der Großen Strafkammer des Landgerichts der Prozess gegen einen Mann wegen versuchten Mordes und schwerer räuberischer Erpressung begonnen. Der Angeklagte Tengiz M. steht unter Verdacht, sein Opfer mit einem Auto gerammt zu haben. Er habe so an die 5.000 Euro gelangen wollen, die der Mann zuvor in einer Spielhalle gewonnen hatte.

 

Zugetragen haben soll sich die Attacke am 15. August 2020. Damals habe sich das 48-jährige Opfer über mehrere Stunden in einer Spielhalle im nordrhein-westfälischen Städtchen Rietberg-Neuenkirchen aufgehalten.

 

Lukrative Glückssträhne am Automaten

Im Verlaufe des Abends habe der Mann an einem Automaten mit einem Einsatz in zweistelliger Höhe rund 5.000 Euro gewonnen. Die Glückssträhne sei nach Ansicht der Staatsanwaltschaft jedoch auch von anderen Anwesenden bemerkt worden. Dies bestätigte der Gewinner nun im Prozess:

Ich hatte 40 Euro eingesetzt und dann diesen hohen Gewinn gemacht. Das Spiel am Automaten dauerte mehrere Stunden. In der Zeit saß der Angeklagte in der Spielhalle und beobachtete alles.

Gegen 1 Uhr früh habe er sich mit seinem Gewinn auf den Heimweg nach Gütersloh gemacht. Der Mann sei auf sein Motorrad gestiegen und habe den Weg auf die wenig befahrene Landstraße eingeschlagen.

 

Dort habe er einen Wagen bemerkt, der ihm in geringem Abstand gefolgt sei. Bei diesem soll es sich um einen von M. gesteuerten Mercedes gehandelt haben. Mit ihm im Auto hätten zwei noch nicht identifizierte Mittäter gesessen.

 

Ramm-Aktion bei Tempo 70

Auf der Landstraße habe der Wagen dann mit hoher Geschwindigkeit das mit etwa Tempo 70 vorausfahrende Motorrad gerammt. Dessen Fahrer habe die Kontrolle über das Gefährt verloren, sei gestürzt und mit seinem Bike auf den Grünstreifen gerutscht.

 

Daraufhin habe der Mercedes mit einigem Abstand gehalten, um die beiden mit Sturmhauben maskierten Mittäter aussteigen zu lassen. Sie seien dann zum nur leicht verletzten Opfer gegangen. Der Motorradfahrer habe sich inzwischen benommen aufgerappelt und den Helm abgenommen. Einer der Männer habe ihn dann mit einem Messer bedroht und die Herausgabe des Geldes gefordert.

 

Der Spieler schilderte vor Gericht, wie er durchsucht worden und um Handy, Zigaretten und Feuerzeug erleichtert worden sei. Das Geld hätten sie jedoch nicht gefunden. Aus gutem Grund, wie der Mann erklärte:

Sie hielten mir ein Messer an den Hals und verlangten das Geld. Aber ich hatte meine Geldbörse in ein Gebüsch geworfen, als ich bemerkte, was geschehen würde.

Als sich ein weiteres Auto dem Tatort genähert habe, seien die Männer zum Mercedes geeilt und hätten den Tatort ohne die erhoffte Beute verlassen.

 

Kurz nach der Tat sei M. nach Frankreich ausgereist. Dort wurde er im März 2021 verhaftet und nach Deutschland ausgeliefert. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft und bestreitet die Tat.

 

Sein Verteidiger erklärte, dass sein Mandant während des Prozesses keine Aussage machen werde. Im Falle einer Verurteilung droht dem georgischen Staatsbürger eine langjährige Haftstrafe.

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