, 16.10.2018

Seit Monaten warteten Klatschpresse und Adelsexperten auf diese Nachricht; am Montagmorgen wurden sie endlich erlöst. Um 9.39 Uhr Ortszeit verkündete der Kensington Palast via Twitter [Seite auf Englisch] die Neuigkeit, die das Herz der Royalisten höherschlagen lässt: Herzogin Meghan ist schwanger.

 

Das erste Royal Baby von Prinz Harry und seiner US-amerikanischen Ehefrau soll im Frühling 2019 zur Welt kommen. Und auch für die Buchmacher im wettbegeisterten Königreich bricht eine spannende Zeit an.

 

Klatschpresse und Wettanbieter in Hochstimmung

 

Nicht nur die Regenbogenpresse schlägt weltweit Purzelbäume vor Begeisterung. Während die Boulevardzeitung Daily Mail ihre Homepage zeitweise mit rund 20 Nachrichten zum Thema „Royal Baby“ versah, waren es vor allem die britischen Buchmacher, die ihre Maschinerie in Gang warfen.

 

Kaum ein Thema bewegt und reizt die wettfreudigen Inselbewohner so sehr, wie Veränderungen im Königshaus. Ob Hochzeiten oder Thronfolge, die Mitglieder der Windsors bieten sich immer für ein kleines Spiel an. Ein Royal Baby bildet aber die absolute (Vorsicht Wortspiel) „Königsklasse“ der Wetten.

In keinem anderen Land ist das Wetten so populär, wie in Großbritannien. Die heutige Wettkultur entstand im England des 18. Jahrhunderts. Nachdem Pferderennen unaufhörlich an Popularität gewannen, entstand der Berufsstand des Buchmachers und die ersten Buchmacher-Unternehmen wurden gegründet.

 

Mit wachsender Begeisterung für den Fußballsport wurden Fußballwetten eingeführt, Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte die offizielle Legalisierung des Wettens. Das Wetten verbreitete sich schnell und wurde zur Belustigung für Angehörige aller Gesellschaftsschichten. Nichts war vor der Wettlust der Briten sicher.

 

Der Legende zufolge verlor ein Adliger Ende des 19. Jahrhunderts sein gesamtes Vermögen bei der „Regentropfen-Wette“: Er hatte gegen einen Kontrahenten im Gentleman`s Club darauf gewettet, welcher von zwei Regentropfen als erstes den unteren Rand der Fensterscheibe erreichen würde und sich verschätzt.

Royal Baby: Wetten auf Alles und Nichts

 

Das Schöne an so einer Schwangerschaft: Sie ist eine Art Countdown und man benötigt keinerlei Sachverstand, um auf ihren Ausgang zu wetten.

 

Das Geschlecht des Babys wird vom Palast traditionell erst nach der Geburt verkündet. Zur Freude der Wettanbieter: Bis zur Auflösung kann auf beide Geschlechter gesetzt werden und alle Namen bleiben im Spiel.

 

Während derzeit vor allem der mögliche Name des neuen Mitglieds der königlichen Familie im Fokus der Aufmerksamkeit steht, werden die Wetten zu Geburtstermin und -uhrzeit, Größe und Gewicht des royalen Sprosses erfahrungsgemäß in den nächsten Wochen und Monaten anziehen.

 

Royal Baby: Geburt im Frühjahr 2019

 

Momentan favorisieren die Buchmacher den April oder Mai 2019 als Geburtsmonat, dicht gefolgt von März. Nachvollziehbar, wenn man davon ausgeht, dass sich Meghan momentan am Beginn des vierten Monats ihrer Schwangerschaft befindet. Sollte das Royal Baby im Februar oder Juni das Licht der Welt erblicken, können Bieter derzeit mit der Auszahlung des Neunfachen Einsatzes rechnen.

 

Bei der Frage, an welchem Wochentag das neue Mitglied der königlichen Familie auf die Welt kommen könnte, sind bisher keine Präferenzen auszumachen: Die Quoten liegen von Montag bis Sonntag bei 5/1.

 

Bei Wetten zur Uhrzeit teilt Buchmacher Ladbrokes den Tag in drei Teile. Wer meint, das Kind käme zwischen Mitternacht und Mittag zur Welt, kann sich den Tipp derzeit sparen: Die Quote liegt auf „Even“. Der Nachmittag bietet mit 5/2 die besten Quoten, Wetten auf 18 Uhr bis Mitternacht liegen momentan bei 2/1.

 

Königin der Herzen oder Kaiserin von Indien?

 

Lady Di

Wunschnamensgeberin vieler Briten: Die verstorbene Lady Di (Quelle:John MacIntyre, licensed under cc-by-2.0)

Mit Quoten von 8/1 (Betfair) bzw. 7/1 (Paddy Power) führt „Diana“ die Liste der möglichen Namen für ein weibliches Royal Baby an. Buchmacher William Hill sieht “Diana” und “Alice” mit 12/1 gleichauf an der Spitze.

 

Wie bereits zuvor bei den Schwangerschaften von Herzogin Katherine, Ehefrau von Harrys älterem Bruder William und zweitem in der Thronfolge, wird klar, dass die Mutter der Brüder, Lady Diana Spencer, nach wie vor als „Königin der Herzen“ einen festen Platz im kollektiven Gedächtnis der Briten hat.

 

Beim Buchmacher Ladbrokes hingegen sieht man „Victoria“ als wahrscheinlichsten Vornamen für ein Mädchen. Queen Victoria war die Ururgroßmutter der amtierenden Königin Elisabeth II. und regierte das Königreich von 1837 bis 1901. Wer auf die Begründerin des viktorianischen Zeitalters und erste Kaiserin von Indien als Namensgeberin setzt und richtig liegt, bekäme derzeit das Achtfache seines Einsatzes ausgezahlt.

 

Auf den ersten Rängen der Namen für einen männlichen Stammhalter finden sich bei Ladbrokes „Albert“, „Arthur“ und „Philipp“, jeweils mit Quoten von 10/1. „Arthur“, „Charles“ und „James“ finden sich bei William Hill gemeinsam mit einer Quote von 14/1 auf Platz Eins.

 

Die Ladbrokes-Buchmacherin Jessica Brücke geht davon aus, dass Meghan und Harry sich für einen Namen entscheiden, der in der Tradition von Harrys berühmter Ahnenreihe steht. Gleichzeitig gibt sie zu bedenken:

Mit Blick auf Meghans amerikanische Herkunft wäre es jedoch nachlässig von den Buchmachern, einen amerikanischen Vornamen auszuschließen.

Reich werden mit „Donald“ und „Brexit“

 

Wer von der bereits mehrmals unter Beweis gestellten Unkonventionalität der werdenden Eltern überzeugt ist, kann sein Glück mit Namen wie „Samantha“ (in die Öffentlichkeit drängende Schwester von Meghan), „Theresa“ (wie Theresa May), „Donald“ (Trump) versuchen oder gleich auf „Brexit“ als ersten Vornamen setzen. Hier winken Quoten von 500/1, schon ein eingesetztes Pfund brächte dem Spieler 500 ausgezahlte Pfund ein.

 

Meghan und Harry: 22 Flugstunden entfernt

 

Herzogin Meghan und Prinz Harry landeten übrigens beinahe zeitgleich mit der Verkündung der fröhlichen Kunde in Sydney, von wo aus sie zu einer zweiwöchigen Pazifikreise aufbrechen. Das Timing dürfte absichtlich gewählt sein, denn so entgehen sie der nahezu hysterischen Freude und dem überbordenden Interesse mancher Medien in der Heimat.

 

Nach ihrer Rückkehr können sich die beiden auch Rat bei Schwägerin Lady Catherine holen, die die Wettbegeisterung der Briten als Mutter von Nummer Drei, Vier und Fünf der britischen Thronfolge bereits dreimal in voller Pracht erleben durfte. Auch hier waren “Arthur” und “Alice” jeweils als heiße Favoriten bei der Namenswahl gehandelt worden.

Die Kinder heißen George, Charlotte und Louis.