, May 14, 2017

Das Bild zeigt eine Frau im Casino.

Weibliche Angestellte in Casinos seien sexistisch, urteilte jetzt eine britische Behörde. (Bildquelle)

Die britische Advertising Standards Authority (ASA) hat den Werbespot der Bear Group Ltd. aus dem TV-Programm verbannt. Das auf den britischen Kanalinseln ansässige Unternehmen hatte mit dem Film sein Online Casino StarWins.com beworben, das ein Ableger der britischen Boulevardzeitung Daily Star ist. Der Spot wurde stark dafür kritisiert, dass er Frauen auf ihr Äußeres reduziere und sexistische Tendenzen aufweise. Das Casino verteidigte sich gegen die Vorwürfe mit dem Hinweis, dass in der Sequenz weder Stereotype noch Diskriminierungen enthalten seien. Dennoch ließ sich die ASA nicht von ihrer Ansicht abbringen und untersagte eine erneute Ausstrahlung. Neben der Darstellung von Frauen als Objekten nannte sie auch die Andeutung, dass Glücksspiel Männer attraktiver mache, als Grund für das Verbot.

 

Ein 30-sekündiger Stein des Anstoßes

Auf das Feedback verärgerter Zuschauer hin, habe man sich bei der ASA mit dem Werbespot beschäftigt, heißt es. Das Video begleitet zwei junge Männer mit einem schnellen Szenenwechsel von einer Bar in ein Casino. In der Bar sind sie allein, während sie im Casino von einer attraktiven Dame im Glitzerkostüm empfangen werden, anerkennende Blicke ernten und an den Tischen auf zwei weibliche Croupiers in engen roten Kleidern treffen. Am Ende des 30-sekündigen Films feiern die beiden Männer ihre Zeit im Casino inmitten mehrerer Frauen bis sie schließlich wieder in die Bar zurücktransportiert werden und beschließen, ins Casino zu gehen. Während der gesamten Zeit stellt eine Stimme aus dem Off zudem das Angebot von Star Win vor.

 

Sexismus und Objektivierung unterstellt

Die oben beschriebene Geschichte war einigen Zuschauern offenbar zu sexistisch. Frauen würden als Objekte und hübsch anzusehende Hüllen dargestellt, während sie Männer anhimmelten, die ihre Attraktivität durch Glücksspiel erhöhten. Die Advertising Standards Authority sah das Problem dahingegen vor allem in der Verbindung von Glücksspiel und Verführung, Attraktivität und sexuellem Erfolg beim anderen Geschlecht. Im offiziellen Urteil der Behörde liest sich das Ganze wie folgt:

„Als die Männer zu Beginn in der Bar gezeigt wurden, ist die einzige Person, die sie beachtet, der Barkeeper, der ihre Bestellungen entgegennimmt. Im Gegensatz dazu haben wir festgestellt, dass sie im Casino intensive Blicke mit den weiblichen Angestellten austauschen und sich eine Gruppe von (hauptsächlich weiblichen) Menschen um sie versammelt […]. Die Gruppe wird immer größer, je mehr sie gewinnen. In der Gesamtschau erkennen wir darin, dass das Interesse und der Erfolg der Männer beim Glücksspiel ihnen Anerkennung und Bewunderung beschert und sie für Frauen attraktiver macht.“

Star Wins verteidigt sich

Bei Star Wins versteht man die Kritik der ASA nicht. Das Casino argumentierte, dass Frauen nicht als Objekte, sondern als Croupiers in einer den Männern überlegenen Rolle dargestellt werden. Schließlich sei der Beruf des Croupiers seit jeher männerdominiert. Indem man bei Star Wins auf weibliche Croupiers setze, verleihe man den Frauen eine gewisse Autorität. Außerdem wolle man die Tatsache herausstellen, dass gerade nicht, wie sonst üblich, Männer hinter den Tischen stehen. Auch ihre Kleidung entspreche der in Casinos üblichen Abendgarderobe und sei in keiner Weise vorurteilsbelastet oder diskriminierend. Auch das völlige Fehlen jeglicher Interaktionen zwischen den beiden Männern und den Frauen im Casino entkräfte den Vorwurf sexueller Andeutungen.

 

Keine Gnade bei den Behörden trotz vorheriger Zusage

Die Advertising Standards Authority blieb jedoch bei ihrem Urteil und verbannte den Spot aus dem TV. Gründe seien die hohe Frauendichte im Casino und die offensichtliche Anziehungskraft der Männer. Diese bewunderten die Frauen lediglich aufgrund ihres Äußeren. In der Gesamtschau erklärte die ASA, dass der Film eine „ernstzunehmende und weitreichende Beleidigung“ des weiblichen Geschlechts darstelle. Frauen würden zudem als Zugpferde für das Angebot von Star Wins benutzt, obwohl das Casino lediglich Onlinespiele anbiete. Dieses Urteil ist besonders enttäuschend für das Casino, da zuvor die Organisation Clearcast, eine Kontrollstelle für Werbeinhalte im Vereinigten Königreich, dem Spot noch grünes Licht gegeben hatte.