UK Supreme Court verhandelt Phil Ivey Fall

, Juli 16, 2017

Phil Ivey beim Spielen

Der UK Supreme Court muss entscheiden, ob Phil Ivey betrogen hat. (Bildquelle)

Der Betrugsfall um Pokerstar Phil Ivey geht in die nächste Runde. Dieser Tage haben die Verhandlungen um den Vorwurf des sogenannten Edge Sortings vor dem UK Supreme Court in London begonnen. Ivey ist angeklagt, seinen Baccarat-Gewinn im Londoner Crockfords Casino 2012 in Höhe von 7,7 Millionen Pfund durch Edge Sorting erzielt zu haben. Diese Technik des Kartenzählens ist höchst umstritten, wird jedoch oft toleriert, da es sich um eine rechtliche Grauzone handelt. Ob der 10-fache Weltmeister einen Anspruch auf die umgerechnet rund 9 Millionen Euro Preisgeld hat, entscheidet in den nächsten Wochen Großbritanniens höchstes Gericht. Prozessgegner ist die Genting-Gruppe, Südostasiens größter Casinobetreiber.

 

Ivey bereits zweimal gescheitert

Bevor den neuerlichen Verhandlungen vor dem UK Supreme Court hatten seit 2014 bereits zwei untergeordnete Instanzen gegen Phil Ivey entschieden. Allerdings sprach man ihm das Recht zur Revision vor dem höchsten Gericht des Landes zu. Der 40-jährige Pokerprofi aus Kalifornien hat mit seinem Prozess einen Präzedenzfall ins Rollen gebracht. Denn die Frage, ob es sich bei Edge Sorting um Betrug handelt, ist bisher noch nicht verbindlich beantwortet worden. Ivey gibt offen zu, dass er die Karten anhand von produktionsbedingten Unregelmäßigkeiten zu einem gewissen Grad voneinander unterscheiden konnte. Er und seine Anwälte argumentieren, dass die Anwendung von Edge Sorting keinen Betrug darstelle, sondern das Casino immer noch seinen Hausvorteil behalte.

 

Vorteil durch Edge Sorting ist springender Punkt

Die große Frage des Prozesses lautet, ob es sich bei Edge Sorting um eine Form des Betrugs handelt, dank derer Phil Ivey einen unrechtmäßigen Vorteil gegenüber dem Casino erlangt hat. Wenn ja, muss zudem geprüft werden, ob Ivey alle Voraussetzungen für einen solchen Tatbestand erfüllt hat. Sein Anwalt Richard Spearman erklärte zum Thema des potenziellen Betruges am Donnerstag vor Gericht:

„Mein Mandat hat mit Sicherheit einen Vorteil erlangt. Die entscheidende Frage muss jedoch lauten, ob dieser Vorteil nicht vielleicht sogar legitim war.“

Laut einer gerichtlichen Zusammenfassung des Falls soll Iveys Partnerin Cheung Yin Sun den Croupier im Crockfords gebeten haben, die Karten mit dem höchsten Wert um 180 Grad zu drehen. So konnten die beiden sich kleine Produktionsfehler auf ihren Rückseiten einprägen. Diese Bitte begründeten sie mit ihrem Aberglauben. Selbst hielt Ivey die Karten nicht in den Händen, sondern bediente sich dazu des Croupiers. Der Jurist Christopher Pymont, der für die Genting-Gruppe vor Gericht auftrat, stellte klar, dass es für die von Ivey gespielte Punto Banco Variante von Baccarat keinen Vorteil geben kann:

„Anders als bei anderen Baccarat-Varianten handelt es sich bei Punto Banco um ein Spiel, das von reinem Glück bestimmt wird. Es ist kein Spiel, bei dem man einen Vorteil durch Schläue oder Gerissenheit erlangen kann.“

Frage nach Ehrlichkeit von Ivey

Mit dem angewandten Betrug und dem dadurch erlangten Vorteil durch Edge Sorting habe Ivey das Spiel seines grundlegenden Charakters beraubt, prangert die Genting-Gruppe an. Hinsichtlich der Frage, ob der 40-jährige Amerikaner unehrlich vorging, führte sein Anwalt an:

„Ein Betrug erfordert Unehrlichkeit. Die Definition von Betrug enthält das Handeln auf betrügerische Art und Weise sowie das Moment der Hinterlist und Täuschung und und und. Es gibt in den vorangegangenen Urteilen keinerlei Hinweise darauf, dass mein Mandant in irgendeiner Weise unehrlich gehandelt hat. Er wurde als ehrlicher Zeuge eingestuft, der nicht in dem Bewusstsein handelte, dass das, was er tat, als unehrlich gelten würde.“

Die Gegenseite argumentiert, dass allein der Glaube daran, dass etwas keinen Betrug darstelle, keine Legitimation darstellen könne. Sollte Ivey den Prozess gewinnen und tatsächlich seinen Gewinn ausgezahlt bekommen, so könnte er damit einen weiteren Edge Sorting Fall beilegen. Sein Rechtsstreit mit dem Borgata Casino in Atlantic City dreht sich ebenfalls um dieses Thema. Das Casino fordert sämtliche Gewinne plus Schadensersatz und Gerichtskosten von Ivey zurück. Eine finale Entscheidung steht auch hier noch aus.

 

Pokerspieler von Weltrang

Phil Ivey gehört zu den bekanntesten und erfolgreichsten Pokerspielern der Welt. Er hat in seiner Karriere über 23 Millionen US-Dollar an Live-Gewinnen erzielt und belegt damit mittlerweile den 5. Platz der „All Time Money List“ der Pokerdatenbank Hendon Mob. Bevor er von der aktuellen kanadischen Nummer 1 Daniel Negreanu mit über 34 Millionen in Preisgeldern getoppt wurde, rangierte er sogar schon auf Rang 1. Der 10-fache Bracelet-Gewinner der World Series of Poker wurde zudem gerade erst von selbiger als Anwärter für die Poker Hall of Fame nominiert. Die Entscheidung, ob er eins der zwei glücklichen Neumitglieder wird, ist gestern gefallen und wird am 21. Juli offiziell verkündet.