, 03.03.2017

Das Bild zeigt Phil Ivey.

Der Betrugsfall um Phil Ivey und seine Spielpartnerin Cheung Yin Sun wird jetzt vor dem Obersten Gerichtshof verhandelt. (Bildquelle)

Der Oberste Gerichtshof des Vereinigten Königreiches hat zugestimmt, den Fall rund um Pokerprofi Phil Ivey neu zu verhandeln. Der US-Amerikaner hatte 2012 umgerechnet rund 9 Millionen Euro am Baccarattisch im Crockfords Casino in London gewonnen. Die Auszahlung wurde ihm mit Verweis auf Betrugsverdacht allerdings verwehrt. Seitdem befindet sich der „Tiger Woods of Poker“ in einem andauernden Rechtsstreit mit dem Mutterkonzern des Crockfords, in dessen Verlauf die Gerichte bereits mehrmals gegen ihn entschieden. Sein Revisionsantrag hat ihn nun erfolgreich vor die letzte und höchste Instanz der Gerichtsbarkeit im Vereinigten Königreich gebracht.

 

Verdacht auf Edge Sorting

Ivey, der auf eine beachtliche Karriere zurückblicken kann und zu den bekanntesten und erfolgreichsten Pokerspielern der Welt gehört, steht im Verdacht, beim Baccarat durch sogenanntes Edge Sorting betrogen zu haben. Dabei können Karten anhand von produktionsbedingten Unregelmäßigkeiten auf ihrer Rückseite erkannt und ihrem Wert entsprechend eingeordnet werden. Am Punto Banco Tisch, einer Baccaratvariante, des im eleganten Londoner Stadtteil Mayfair gelegenen Crockholds Casino soll der 10-fache Weltmeister diese Technik angewandt haben. Gemeinsam mit seiner Partnerin Cheung Yin Sun, die unter dem Decknamen „Kelly“ auftritt und einer wohlhabenden Handelsfamilie aus Hong Kong entstammt, soll er das Casino im August auf diese Weise um rund 9 Millionen Euro erleichtert haben.

 

Verhandlungshistorie lässt Spielraum für Revision

In erster Instanz wurde die Klage von Ivey und Sun im Oktober 2014 vor dem Zivilgericht abgewiesen und der Richter entschied auf Edge Sorting als eine Form des Betrugs. Der Revisionsantrag vom Januar 2016 wurde im April vor dem Berufungsgericht verhandelt und schließlich im November erneut gegen Ivey und seine Partnerin entschieden. Die drei Richter befanden mit einer 1:2 Mehrheit, dass es sich bei der Technik der beiden Spieler um Betrug handele. Das Verfahren vor dem Obersten Gerichtshof stellt nun die finale Instanz in Zivilsachen dar, gibt aber dennoch Grund zur Hoffnung für den Starspieler, der fest davon überzeugt ist, mit Edge Sorting nicht betrogen zu haben:

„Die Entscheidung des Gerichts letzten November ergibt keinen Sinn für mich. Der Richter in erster Instanz hat entschieden, dass ich nicht unehrlich gehandelt habe und keiner der drei Berufungsrichter hat ihm widersprochen. Und trotzdem wurde mit einer 2:1-Mehrheit gegen mich geurteilt. Ich bin unglaublich froh, dass der Supreme Court mir erlaubt, dafür zu kämpfen, was ich in meiner Situation von ganzem Herzen für richtig halte und auch die gesamte Glücksspielszene dabei zu vertreten. Ich hoffe sehr, dass das Gericht das Urteil gegen mich aufheben wird.“

Phil Ivey wird vor dem Obersten Gericht in London von den erfahrenen Londoner Anwälten Richard Spearman, Max Mallin und Matthew Dowd vertreten.

 

Phil Ivey ist kein Unbekannter vor Gericht

Das Verfahren gegen den Mutterkonzern des Crockholds, die Genting Casinos Gruppe, ist nicht der erste Rechtsstreit um den Mann aus Las Vegas. Phil Ivey musste sich bereits mehrfach wegen Betrugsverdacht vor Gericht verantworten, so etwa in den USA. Das Borgata Hotel Casino & Spa in Atlantic City reichte im April 2014 Klage gegen den Pokerprofi und seine Partnerin ein. Der Vorwurf lautet auch in diesem Fall auf Betrug durch Edge Sorting. 2016 wurde das Verfahren zugunsten des Borgata entschieden und Ivey zur Rückzahlung der durch Edge Sorting gewonnenen rund 10 Millionen Euro verurteilt. Trotz der Revisionsankündigung durch seinen Anwalt gibt es bisher noch keine neuen Entwicklungen in diesem Fall.

 

Edge Sorting hochgradig umstritten

Das „Problem“ bei Fällen von Edge Sorting ist, dass die Technik nicht per se verboten ist. Zwar ist Edge Sorting eine äußert kontroverse Praxis, doch illegal ist sie nicht. Es handelt sich vielmehr um eine juristische Grauzone, die derartigen Fällen eine besondere Brisanz verleiht. Gerichtsentscheidungen in dieser Sache können so zu Präzedenzfällen führen, die in Zukunft entscheidende Bedeutung für neuerliche Verfahren haben können. Das zeigt auch die nun zugesagte Verhandlung vor dem UK Supreme Court, denn das Gericht verhandelt ausschließlich Fälle von großem öffentlichem Interesse und allgemeiner Bedeutung. Ivey und viele andere Spieler vertreten die Ansicht, dass es sich bei Edge Sorting nicht um Betrug handele, sondern man sich lediglich eine Nachlässigkeit des Casinos und das eigene Können zu Nutze mache. Casinobetreiber hingegen sind der Meinung, bei Edge Sorting handele es sich eindeutig um Betrug, bei dem dem unwissenden Croupier Anweisungen gegeben werden, die zur erfolgreichen Anwendung der Technik nötig sind.

 

Dass es sich bei Edge Sorting um keinen Betrug, sondern vielmehr um einen die Hausregeln des Casinos verletzenden Trick handele, befand auch der Richter im Fall rund um das Borgata Casino. Zurückzahlen muss Phil Ivey das gewonnene Preisgeld dennoch.