, 10.04.2019

Schwedens staatlicher Glücksspiel-Anbieter Svenska Spel hat seine Online-Casino-Werbung vollständig eingestellt. Der Werbestopp soll künftig für alle Medienkanäle gelten und bis Ende 2019 anhalten. Der Entscheidung seien interne Diskussionen darüber, wie sich die Kunden am besten schützen lassen, vorausgegangen.

 

Auf der Webseite des Unternehmens argumentiert Vorstandsvorsitzender Patrik Hofbauer, dass Casinos ein weitaus größeres Risiko für den Konsumenten darstellten als jede andere Form des Glücksspiels. Weiterhin fordert er andere Glücksspiel-Betreiber dazu auf, seinem Beispiel zu folgen:

„Wenn Sie es ernst damit meinen, Verantwortung zu übernehmen, sollten Sie die Probleme dort angehen, wo sie bestehen, auch wenn dies kurzfristig die Einnahmen beeinträchtigt. Langfristig ist dies das einzige Nachhaltige.“

Steigendes problematisches Spielverhalten als Grund für den Werbestopp

 

In der Begründung für den Werbestopp weist Patrik Hofbauer darauf hin, dass sich die Svenska Spel hinsichtlich des riskanteren Glücksspiels immer für strengere Regeln ausgesprochen habe, nun mit dem Werbestopp aber einen Schritt weiter gehen wolle.

 

Aktueller Anlass der Entscheidung seien dabei die Ergebnisse der Studie, die die schwedische Gesundheitsbehörde Folkhälsomyndigheten Anfang April veröffentlich hat, gewesen. Diese zeige, dass der Anteil der Spieler mit problematischem Spielverhalten bei den Casino-Spielen wesentlich höher sei als beispielsweise beim Lotto.

 

Svenska Spel weist in ihrer Mitteilung darauf hin, dass es keinen generellen Zusammenhang zwischen Glücksspielwerbung und Spielproblemen gäbe und es nicht nur die Werbung sei, die eine Glücksspielsucht verursache. Allerdings würden bereits gefährdete Spieler negativ von der Werbung beeinflusst werden. Um diese Spieler gehe es dem Unternehmen mit seinem Werbestopp.

 

Einem generellen Werbeverbot kommt die Entscheidung des staatlichen Glücksspielbetreibers jedoch nicht gleich. Den privaten Anbietern, die ihre Produkte unter den neuen gesetzlichen Bestimmungen des Landes anbieten, bleibt die Entscheidung, ob sie wie bisher Werbung hierfür machen, frei überlassen. Dies könnte sich künftig jedoch ändern, denn der Entscheidung von Svenska Spel ist in den vergangenen Wochen eine Debatte um ein Glücksspielwerbeverbot vorausgegangen.

 

Glücksspielwerbeverbot steht in Schweden zur Diskussion

Ardalan Shekarabi

Der schwedische Zivilminister Ardalan Shekarabi erwägt strengere Regeln zur Glücksspielwerbung. (Bild: Wikipedia)

 

Im Februar hatte der schwedische Zivilministers Ardalan Shekarabi die Glücksspielunternehmen aufgefordert, die Glücksspielwerbung bis Ende März stark einzuschränken. Dabei hatte er kritisiert, dass sie zu aggressiv und zu umfangreich sei.

 

Die Branchenvertreter SPER und BOS haben dem Minister in einem auf sein Ultimatum folgenden Schreiben eine Reihe von Maßnahmen vorgelegt. Darin sprachen sie sich für eine moderate Werbung aus, die gemeinsam entwickelten Richtlinien entspreche und unter absoluter Beachtung der Sorgfaltspflicht erfolge. So solle beispielsweise sichergestellt werden, dass ausgeschlossene Spieler keine Werbemailings erhalten.

 

Der Minister zeigte sich in einem Interview jedoch mit den vorgeschlagenen Maßnahmen unzufrieden:

„Meine erste Einschätzung heute ist, wenn ich die Richtlinien der Glücksspielbranche betrachte, dass sie nicht ausreichend sind. Sie berühren weitgehend das bereits Vorhandene.“

Er führte weiter aus, dass diese Richtlinien seiner Ansicht nach zu keiner spürbaren Veränderung führen werden und er eine strengere Gesetzgebung plane. Die Geschäftsführer der Glücksspielunternehmen Kindred (Henrik Tjärnström), Betsson (Pontus Lindwall) und LeoVegas (Gustaf Hagman) reagierten auf die Androhungen der Regierung mit einem Artikel in der schwedischen Wirtschaftszeitung Dagens Industri [Seite auf Schwedisch].

 

Sie warfen der Regierung darin vor, zwar mit einem Werbeverbot zu drohen, dabei sei es jedoch das staatliche Glücksspielunternehmen selbst, das am meisten in die Werbung stecke. Einerseits kritisierten sie, dass kein Glücksspielunternehmen die Werbeinvestitionen so stark erhöhe wie die staatseigene Svenska Spel, andererseits wiesen sie auf werbewirksame Sendungen im Fernsehsender TV4 hin. Schon auf dem Morgensofa würden dabei Rubbellose gekratzt werden und es würden Verlosungen zu den sendestärksten Zeiten gezeigt werden.

 

Sie gaben zu bedenken:

„Wir verstehen, dass selbst der Staat, solange er auf einem wettbewerbsintensiven Glücksspielmarkt tätig ist, seine Produkte auf diesem Markt fördern muss. Was aber ist der Zweck der Werbung für Produkte, bei denen man selbst das Monopol hat?“

Patrik Hofbauer von Svenska Spel kritisiert in seiner Unternehmenserklärung die Stellungnahme der privaten Anbieter damit, dass sie über Online-Casino-Werbung nichts zu sagen gehabt hätten. Ob dem Werbestopp durch den staatlichen Glücksspielanbieter ein Werbeverbot durch die Regierung folgt, bleibt abzuwarten.