, 31.08.2021

Spielsperren für Personen mit Problematischem Spielverhalten könnten in der Schweiz bald auch auf die Glücksspiel-Terminals der Lotterien ausgeweitet werden. Die internationale Geldspielaufsicht (GESPA) diskutiere diese Maßnahme derzeit, berichtete am Sonntag das französischsprachige TV-Magazin Mise au Point [Originalbeitrag auf Französisch]

 

Bislang können sich Spieler auf eigenen Wunsch oder nach Intervention des Glücksspiel-Betreibers lediglich von Casino-Glücksspielen ausschließen lassen. Das Verzeichnis gesperrter Spieler umfasst dabei die 21 konzessionierten Spielbanken und deren neun aktive Online-Casinos.

 

Vom Glücksspiel ausgeschlossene Spieler haben jedoch außerhalb der Spielbanken weiterhin unbegrenzten Zugang zu Spielautomaten und sogenannten Video-Lottery-Terminals (VLTs). Dies könnte sich in Zukunft jedoch ändern, erläutert Pascal Philipona, Leiter der GESPA-Abteilung für die Region Romandie, gegenüber dem TV-Journal.

In der Schweiz gibt es zwei offizielle Lotteriegesellschaften: Swisslos und die Loterie Romande, die sich auf die sechs französischsprachigen Kantone der Romandie beschränkt. Obwohl beide Gesellschaften voneinander unabhängig arbeiten, sind bis zum 31. Dezember 2020 alle 26 Kantone der Schweiz, inklusive der Romandie, dem Gesamtschweizerischen Geldspielkonkordat (GSK) beigetreten. Seit Anfang des Jahres ist es die Aufgabe der GESPA (vorher Comlot), alle Lotterieaktivitäten zu überwachen.

Allerdings liege die Entscheidung nicht allein bei der interkantonalen Behörde. Die GESPA mache die Gesetze schließlich nicht, sondern setze sie lediglich um, so Philipona. Gegen Jahresende sei mit einer politischen Entscheidung in Bezug auf die Ausweitung der Sperrliste zu rechnen, vorher wolle sich die Behörde nicht festlegen.

 

Loterie Romande teilt Spielsucht-Bedenken nicht

Spielerschützer und Suchtexperten in der Schweiz befürworteten eine derartige Spielerschutz-Maßnahme. Im Beitrag zu Wort kommt diesbezüglich auch Dr. Olivier Simon vom Zentrum für exzessives Glücksspiel (CHUV) in Lausanne. Rund ein Drittel der in die VLTs eingezahlten Geldbeträge stamme von Spielsüchtigen.

 

Die „unscheinbaren Geldspielgeräte“, in der Romandie auch Tactilos genannt, seien in der Realität eine „Suchtbombe“, so die Worte des Experten. Dies liege vor allem in der schnellen Spielabfolge und den hohen Einsatzmöglichkeiten begründet. Spieler könnten innerhalb von Minuten mehrere Hundert Franken verspielen. Zahlreiche Studien hätten die Gefahren der Geräte zudem belegt.

Die Tactilos der Loterie Romande sind an rund 350 Verkaufsstätten in der Romanie zu finden. Die Geräte bieten eine Auswahl aus 10 Spielen mit unterschiedlicher Thematik an, die auf dem Rubbellos-Prinzip beruhen. Die Einsätze liegen je nach Spiel bei zwischen zwei bis sechs Franken und sind nicht variabel. Das „Freirubbeln“ erfolgt jedoch deutlich schneller als bei Papierlosen und das nächste Spiel kann sofort begonnen werden. Laut Suchtexperten fallen die Geräte damit in eine ähnliche Risiko-Kategorie wie klassische Spielautomaten oder auch die in Großbritannien viel kritisierten Fixed-Odds-Betting-Terminals (FOBTs).

Die Loterie Romande, die alleinige Aufstellerin der VLTs in den französischsprachigen Kantonen, teilt diese Ansicht nicht. Im Interview mit Mise au Point kommentiert Geschäftsführer Jean-Luc Moner-Banet die Vorwürfe:

Die Zahlen basieren auf internationalen Studien, die auf die Schweiz nicht anwendbar sind. Unser Regulierungssystem, unsere Spiele und unser Kontext sind nicht dieselben. Eine Studie, die in einem System X durchgeführt wird, lässt sich nicht automatisch auf ein System Y anwenden.

Insgesamt machten die VLTs lediglich 18 % der Gesamteinnahmen der Loterie Romande aus, erklärt Moner-Banet weiter. Gleichzeitig seien sie ein wichtiges Werkzeug, um das illegale Glücksspiel im Gastgewerbe zu bekämpfen. Zudem würden strikte Kontrollen der Geräte durchgeführt, wodurch die konzessionierten Geräte insgesamt zu einer Erhöhung des Spielerschutzes beitrügen.

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