, May 12, 2019

Die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen drei Mitarbeiter der Spielbank Bad Homburg. Einer der Verdächtigen sitzt bereits seit Ende April in Untersuchungshaft. Gemeinsam mit seinen Komplizen soll er für die Unterschlagung von 1,1 Millionen Euro aus der Spielbank verantwortlich sein.

 

Vom Geld keine Spur

 

Wie die Frankfurter Oberstaatsanwältin Nadja Niesen in einem Statement bekanntgab, ermittelt ihre Behörde gegen drei Angestellte der Spielbank im hessischen Bad Homburg.

 

Die Männer im Alter zwischen 20 und 31 Jahren werden verdächtigt, ihren Arbeitgeber um eine sechsstellige Summe betrogen zu haben. Was mit dem Geld geschehen ist, ist bislang nicht bekannt.

Die Spielbank Bad Homburg wurde 1841 von dem französischen Banker und Mathematiker François Blanc und seinem eineiigen Zwillingsbruder Louis gegründet.

 

Durch den Verzicht auf die bis dato beim Roulette übliche Doppelzéro bot die Spielbank Bad Homburg ihren Gästen größere Gewinnchancen und verschaffte dem Kurort über die Landesgrenzen hinweg.

 

Gemälde Kartenspiel

Die Spielbank Bad Homburg blickt auf eine lange Geschichte zurück (Quelle:Joanneum, licensed under CC BY-SA 3.0)

 

Prominentester Besucher des Casinos dürfte der russische Schriftsteller Fjodor Dostojewski gewesen sein, der Homburg auch in seinem Roman Der Spieler explizit benannte.

 

Als die Regierung des Deutschen Reiches 1872 ein umfassendes Spielverbot verhängte, musste der Spielbetrieb in Bad Homburg eingestellt werden. Daraufhin konzentrierte sich François Blanc auf die Spielbank in Monaco, für die er neun Jahre zuvor eine Konzession erhalten hatte und die heute als eines der ersten Häuser am Platz gilt.

 

Als vorangegangenes Projekt Blancs bezeichnet sich die Spielbank Bad Homburg seit ihrer Wiedereröffnung im Jahr 1949 auch als “Mutter von Monte Carlo”.

Laut Staatsanwaltschaft laufen die Ermittlungen in diesem Fall bereits seit Beginn des Jahres. Im April dann der Zugriff: Nachdem der Hauptbeschuldigte dabei gefilmt wurde, wie er auf die Gelder der Spielbank zugriff, erfolgte die Festnahme.

 

Beträge nicht aufs Konto eingezahlt

 

Tresor

Details zum Griff in den Tresor sind nicht bekannt (Quelle:pixabay.com/O12)

Bei dem nun in Untersuchungshaft befindlichen Mann soll es sich um einen kaufmännischen Mitarbeiter der Spielbank handeln.

 

Dieser habe im Rahmen seiner Tätigkeiten die Aufgabe gehabt, Barbeträge aus dem Tresor zu entnehmen und auf das Bankkonto der Spielbank einzuzahlen.

 

Während ihm der erste Teil des Ablaufs keine Schwierigkeiten zu bereiten schien, haperte es wohl beim zweiten: Die dem Tresor entnommenen Summen gingen nie auf dem Konto seines Arbeitgebers ein.

 

Details zum Griff in die Kasse sind ebenso wenig bekannt wie der Anteil der beiden mutmaßlichen Komplizen an den Taten. Auch warum der Mann in einem von Kameras überwachten Bereich große Summen entwendete, ist noch Teil der Ermittlungen.

 

Spielbank schweigt

 

Der Betreiber der Spielbank Bad Homburg, die François-Blanc Spielbank GmbH (FBS), äußerste sich zunächst nicht zu den Vorkommnissen. Allerdings soll am Vorabend der Veröffentlichung des Sachverhalts durch die Staatsanwaltschaft eine Sondersitzung des Verwaltungsrates einberufen worden sein.

 

In einem kurzen Statement erklärte die Stadt Bad Homburg, über die Vorkommnisse unterrichtet zu sein, hielt sich aber mit Hinweis auf die noch andauernden Ermittlungen im Weiteren bedeckt:

Wir können bestätigen, dass der Verdacht besteht, dass es zu Unterschlagungshandlungen zulasten der François-Blanc Spielbank GmbH (FBS) durch einen Mitarbeiter gekommen ist. Der im Verdacht stehende Mitarbeiter ist nicht mehr für die FBS tätig.

Die Betreiberfirma FBS ist eine Tochtergesellschaft der städtischen Kur- und Kongress GmbH. Entsprechend dem Hessischen Spielbankengesetz werden 89 Prozent der Einnahmen der Spielbank an das Land Hessen und die Stadt Bad Homburg abgeführt.

 

Im Jahr 2017 lag der Bruttospielerlös des Casinos vor den Abgaben bei rund 27 Millionen Euro. Mit dem Griff in die Kasse der Spielbank haben die mutmaßlichen Täter somit fast Beträge in Höhe des jährlichen Überschusses der FBS von 1,13 Millionen Euro unterschlagen.

 

Noch ist nicht klar, wann die Ermittlungen im Fall  Bad Homburg abgeschlossen sein werden. Auf die Erklärung, warum gerade eine hochgesicherte Spielbank zum Ziel der kriminellen Aktivitäten auserkoren wurde, darf man aber sicher gespannt sein.