Dienstag, 27. September 2022

Österreichs Spielerhilfe warnt vor Nutzung von win2day-Angebot

Österreich

Die österreichische Spielerschutz-Organisation Spielerhilfe hat den ungenügenden Verbraucherschutz auf der Online-Glücksspiel-Plattform win2day kritisiert. In einer am Samstag veröffentlichten Erklärung bewerten Vertreter der Organisation den Spielerschutz auf der einzigen in Österreich lizenzierten Online-Glücksspiel-Plattform als „äußerst mangelhaft“.

Die Spielerschützer werfen dem von den Österreichischen Lotterien betriebenen Angebot vor, die Spielerschutz-Maßnahmen an die Spieler auszulagern. Anstatt sich um den erforderlichen Schutz vor problematischem Glücksspiel zu kümmern, werde diese Aufgabe an die Kunden weitergegeben, so die Spielerhilfe.

Ineffizienter Spielerschutz?

So sei eine der wichtigsten Maßnahmen zum Online-Spielerschutz von win2day standardmäßig inaktiv und müsse von Spielern in den Grundeinstellungen ihres Kundenkontos zuerst manuell aktiviert werden, um ihre Wirkung entfalten zu können.

Bei dem System handele es sich um die „Mentor“ getaufte Schutzsoftware des österreichischen Entwicklers Neccton. Der Algorithmus des Programms erkenne automatisch problematisches Spielverhalten und sende dem Betroffen in dem Fall eine Warnmeldung zu – aber erst, nachdem dieser die Funktion aktiviert habe.

Ein weiterer Auslöser für die nun geäußerte Kritik liegt in der wachsenden Nutzung von Online-Glücksspiel in Österreich. In den letzten Jahren haben die Umsätze in diesem Bereich beträchtlich zugenommen. Allein von 2018 bis 2019 sind die Einnahmen um 1,9 Milliarden Euro gestiegen. Zudem verzeichnete das Online-Poker-Angebot von win2day Medienberichten zufolge seit Beginn der Corona-Krise einen Zuwachs von mehr als 200 %.

Des Weiteren kritisiert die Spielerhilfe die Einstellung von Limits bei Spieldauer und -einsätzen sowie Spielersperren. Zwar verfüge auch win2day über diese Funktionen zur Selbstbeschränkung, sie seien jedoch in den meisten Fällen nicht verpflichtend und würden somit kaum zum Spielerschutz beitragen.

In ihrem Statement erklärt die Spielerhilfe:

Aus diesem Grund spricht der Verein eine Warnung vor der Nutzung des Angebots von win2day aus.

Auch wenn win2day in seiner Werbung suggeriere, viel für den Spielerschutz zu unternehmen, würden Angebote wie Freispiele eher das Gegenteil bewirken, da Experten Aktionen dieser Art schon lange als bedenklich einstuften.

Für eine wirksamen Spielerschutz müsse die Verantwortung für die Glücksspielregulierung nach Ansicht der Organisation künftig in andere Hände gelegt werden. Die Spielerhilfe fordert in diesem Zusammenhang, eine eigenständige Abteilung für Spielerschutz zu schaffen und die Verantwortung aus dem Finanzministerium auszugliedern.