, 20.02.2020

Gestern verurteilte das Landgericht Schwerin einen 31-jährigen Lagerarbeiter wegen Computerbetrugs in 175 Fällen zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten. Der Angeklagte hatte eine Bank mit einem einfachen Trick binnen weniger Wochen um über 60.000 Euro betrogen. Als Motiv für die Taten nannte der gebürtige Rügener die Finanzierung seiner krankhaften Spielsucht.

 

Beute in Spielhalle verspielt

 

Zum Auftakt des Prozesses hatte der 31-jährige Angeklagte vor dem Landgericht ein umfassendes Geständnis abgelegt. Er bekannte sich schuldig, 2015 insgesamt knapp 63.500 Euro erbeutet zu haben.

 

Der einschlägig vorbestrafte und bereits aufgrund anderer Straftaten inhaftierte Mann gab an, wegen einer massiven Spielsucht zum Betrüger geworden zu sein. Das Geld habe er jeweils umgehend in einer nahegelegenen Spielhalle verspielt.

 

Bei den Taten habe sich der Lagerarbeiter den Mechanismus eines Geldautomaten einer Schweriner Bank zunutze gemacht. In nur wenigen Wochen habe er das Gerät jedes Mal auf dieselbe Weise überlistet, wie ein Sprecher des Schweriner Landgerichts Medienvertretern gegenüber erklärte:

Der Angeklagte soll seine eigene EC-Karte bzw. Kreditkarte oder die Karten Dritter genutzt haben, zur Barabhebung am Automaten. (…) In dem Moment, wo das Bargeld dann im Entnahmefach ist, soll er eine Karteikarte eingeschoben haben, sodass der Automat das nicht erkannt hat, dass das Geld entnommen wurde, und anstelle des Geldes die Karteikarte wieder eingezogen hat.

Die genutzten Konten wurden mit den Beträgen der scheinbar nicht erfolgten Abhebung nicht belastet.

 

Ein Einzelfall?

 

Die Möglichkeit, den Automaten durch den Einsatz von Karteikarten überlisten zu können, scheint jedoch ein Einzelfall gewesen zu sein. Eigenen Angaben zufolge versuchte der Mann sein Glück auch an verschiedenen weiteren Geräten im Schweriner Stadtgebiet, scheiterte aber.

 

Geldausgabe, Geldautomat

Der Automat erkannte nicht, ob er Geldscheine oder anderes Papier einzog (Quelle:pixabay.com/Butze)

Dass der 31-Jährige seine Betrügereien über Wochen aufrechterhalten konnte, soll daran gelegen haben, dass die Leerung dieses Automaten immer erst dann erfolgte, wenn er neu befüllt werden musste. Bei der ersten Abrechnung sei das System dann aufgeflogen.

 

Im Anschluss, so gab die zuständige Bank an, seien alle Geräte gleicher Bauart neu programmiert worden. Nun würden Konten zunächst auch dann belastet, wenn das System davon ausgehe, dass das Geld nicht entnommen worden sei.

 

Wie genau er auf den Karteikarten-Trick gekommen war, vermochte der Mann nicht zu sagen. Ein Bankangestellter gab vor Gericht an, in 26 Berufsjahren keinen ähnlich gelagerten Fall erlebt zu haben.