, November 5, 2019

Im Ringen um den Markt für Sportwetten in Kenia haben die Behörden nun den Buchmacher Betika ins Visier genommen. Insgesamt soll das Unternehmen Steuernachzahlungen und Strafen in Höhe von 1,75 Milliarden Kenia-Schilling, umgerechnet rund 15 Millionen Euro, leisten. Infolge ähnlicher Forderungen hatten in jüngster Vergangenheit bereits die Marktführer SportPesa und Betin ihr Geschäft in Kenia aufgegeben.

 

Buchmacher Betika legt Widerspruch ein

 

Der kenianische Sportwettenanbieter Betika wehrt sich gegen Steuernachforderungen in Milliardenhöhe. Dies berichten kenianische Medien (Seite auf Englisch).

 

Logo Betika Buchmacher Kenia

Buchmacher Betika soll rund 15 Millionen Euro nachzahlen (Quelle:betika.com)

So soll Betikas Mutterkonzern Shop & Deliver vor dem Steuergerichtshof in Nairobi Widerspruch gegen eine Milliardenforderung der kenianischen Steuerbehörde KRA eingelegt haben.

 

Zuvor habe die KRA die Finanzinstitute KCB Bank Kenya Limited und Guaranty Trust Bank schriftlich aufgefordert, die ausstehenden Beträge von den Konten des Buchmachers zur Steuerbehörde zu transferieren. Vor Gericht erhofft sich Betika nun eine Gnadenfrist:

 

Der mögliche Einzug der Gelder solle aufgeschoben werden, bis in einem anderen Verfahren endgültig über die Rechtmäßigkeit der Forderungen entschieden worden sei.

 

15 Millionen Euro in sechs Monaten

 

Konkret fordert die KRA von Betika 832,4 Millionen Kenia-Schilling für die Einkünfte aus dem letzten Tertial 2018. Für die Monate Januar und Februar 2019 sei der Buchmacher dem Staat 587.63 Millionen Kenia-Shilling schuldig geblieben.

 

Zusammen mit den 328,1 Millionen Kenia-Schilling, die die Steuerbehörde für Zinsen und Strafen für mangelnde Kooperation veranschlagt, summieren sich die geforderten Ausstände auf umgerechnet rund 15 Millionen Euro.

Seit mehreren Monaten geht die kenianische Regierung offensiv gegen das Sportwettengeschäft  in dem ostafrikanischen Land vor. Im Sommer 2019 wurden allen bis dato 27 lizensierten Buchmachern die Konzessionen entzogen.

 

Es folgten eine Reihe von Rechtsstreitigkeiten und die Vergabe neuer Lizenzen gegen hohe Zahlungen seitens der Glücksspielanbieter.

 

Offiziellen Stellen zufolge waren die rigorosen Schritte der Regierung notwendig geworden, weil die Buchmacher sich nicht an ihre Lizenzbedingungen gehalten hätten. Insbesondere bei den Themen Spielerschutz und Steuerzahlungen sei es zu nicht hinnehmbaren Verstößen gekommen.

Musterschüler Betika

 

In den vergangenen Monaten hatte sich Betika stets kooperativ gegenüber der Regierung gezeigt und so auch seine zeitweise entzogene Lizenz zurückerhalten. Auch eine Direktive aus dem vergangenen August, nach der das Bruttoeinkommen der Buchmacher künftig mit 20 Prozent zu versteuern sei, wurde von dem Anbieter von Sportwetten widerstandslos umgesetzt.

 

Erst in der vergangenen Woche hatte Betika zudem eine großangelegte Kampagne zum verantwortungsvollen Spiel lanciert. Unter dem Motto „Betika na Community“ (dt. „Beschäftige dich mit der Gemeinschaft“) wirbt der Buchmacher für die Chancen, die der Sport insbesondere Jugendlichen und der kenianischen Gesellschaft im Allgemeinen bietet.

 

Die Initiative, so Betika-Marketingleiter John Mbatia, diene dazu, lokale Sportprojekte ebenso wie den kenianischen Breitensport durch Sponsorentätigkeiten und Sachspenden zu unterstützen. Dies erklärte Mbatia am vergangenen Sonntag bei einem von dem Buchmacher organisierten Fußballturnier im Kenyatta-Stadion in der kenianischen Provinz Machakos:

Als Betika glauben wir, dass wir den positiven Wandel unter Jugendlichen beeinflussen können, indem wir eine Atmosphäre der Entwicklung von Talenten und sportlichen Fähigkeiten  schaffen […].

Anbieter von Sportwetten ziehen sich aus Kenia zurück

 

Inwieweit das gesellschaftliche Engagement des Buchmachers Betika Einfluss auf den Verlauf der aktuelle Steuerdiskussion haben könnte, bleibt indes dahingestellt. Bereits zuvor hatte der bisherige Marktführer im kenianischen Sportwettensektor, SportPesa, trotz breiter finanzieller Unterstützung des Sports in Kenia in ähnlicher Situation eine herbe Niederlage hinnehmen müssen.

 

Steuerbehörde KRA Kenia

Diverse kenianische Buchmacher befanden sich im Fokus der KRA (Quelle:twitter.com/KRAcustomerCare)

Nachdem die Regierung den neuen Steuersatz in Höhe von 20 Prozent für Kenias Buchmacher verabschiedet hatte, erklärte SportPesa seinen Rückzug aus dem ostafrikanischen Land. Zuvor waren die Zahlungsrückstände des Glücksspielriesen von der KRA auf umgerechnet rund 200 Millionen Euro beziffert worden.

 

Im selben Monat beendete auch die Nummer 2 auf dem kenianischen Markt für Sportwetten, Betin, ihr Geschäft im Land. Insgesamt sollen mehr als 2.500 Kenianer durch den Rückzug der beiden Glücksspielanbieter ihre Jobs verloren haben. Ähnliche Konsequenzen fürchtet nun auch Buchmacher Betika:

 

Sollte das Gericht den Angaben der KRA folgen und dem Einzug der geforderten Gelder stattgeben, so das Unternehmen in seinem Widerspruch, sei davon auszugehen, dass seine Finanzgeschäfte unter erheblichen Druck gerieten, was den Verlust von Arbeitsplätzen nach sich ziehen könne.

 

Es bleibt abzuwarten, welche Folgen der aktuelle Vorstoß der Steuerbehörde für den kenianischen Wettmarkt im Allgemeinen und Buchmacher Betika im Speziellen haben wird. Eine zeitnahe Beruhigung der angespannten Lage zwischen Regierung und Glücksspielanbietern scheint derzeit jedoch eher unwahrscheinlich.

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