, 10.08.2019

In Spanien verdichten sich die Anzeichen, dass es zu einem Verbot der Glücksspielwerbung kommen könnte. Der für das Glücksspiel zuständige Ombudsmann verkündete am Donnerstag eine entsprechende Zusage von Seiten der Regierung.

 

Generelles Werbeverbot?

Der für das Glücksspiel bestellte Ombudsmann Francisco Fernandez Marugan gab den Erhalt eines Schreibens der Finanzbehörde bekannt, in dem diese seine Vorschläge zur Reduzierung der Glücksspielwerbung “umfassend akzeptiert” habe.

 

Die Vorschläge hatte er bereits vor einigen Monaten vorgelegt. In ihnen wird ein für ganz Spanien geltendes generelles Werbeverbot für die Glücksspielanbieter gefordert. Von der Regelung sollen lediglich zwei Lotterien ausgenommen werden, die mit ihren Einnahmen soziale Einrichtungen unterstützen.

 

Marugan begründet seine Forderung mit den negativen Auswirkungen des Glücksspiels:

Glücksspiel betrifft die öffentliche Gesundheit und benötigt deshalb einen rechtlichen Rahmen mit zwingenden gesetzlichen Normen.

Von Seiten der Regierungspartei PSOE unter Ministerpräsident Pedro Sanchez erfuhr der Vorschlag in dieser Woche erneut breite Zustimmung. Vertreter der Partei wollen nun zeitnah eine entsprechende Gesetzesinitiative ins Parlament einbringen, um den gewünschten Werbe-Stopp herbeizuführen.

 

Das für Glücksspielbelange zuständige Finanzministerium widersprach jedoch der Darstellung von Marugan. Nach Ansicht der Behörde stehe derzeit noch nicht endgültig fest, wann und wie ein Verbot der Werbung von Glücksspielanbietern gesetzlich festgelegt werden könne.

 

Werbe-Stopp schon länger im Gespräch

Die spanischen Bemühungen zur Einschränkung der Glücksspielwerbung sind nicht neu, denn bereits im vergangenen Oktober prüfte die Regierung ein Maßnahmenpaket zur Beschränkung der Werbung von Casinos und Buchmachern.

 

Dabei waren es insbesondere Politiker der mitregierenden Podemos-Partei, die sich vehement für eine Verschärfung der Werberichtlinien eingesetzt hatten. Auch wenn diese Bemühungen damals noch nicht von Erfolg gekrönt waren, bilden sie nun die Basis der erneut aufgeflammten Diskussion um eine schärfere Regulierung der Werbung.

Im Vergleich zu anderen europäischen Staaten werden in Spanien relativ moderate Umsätze mit dem Online-Glücksspiel erzielt. 2018 lagen die Gesamteinnahmen bei 699 Millionen Euro, wobei Sportwetten mit rund 364 Millionen Euro für 52 % der Umsätze stehen. Es folgen Online Casinos mit 234 Millionen Euro (34 %) sowie Betreiber von Pokerangeboten (72 Millionen Euro, 11 %).

 

Damit liegt das Online-Glücksspiel weit abgeschlagen hinter den in Spanien sehr beliebten Lotterieangeboten: Im vergangenen Jahr verzeichnete die Branche Einnahmen in Höhe von knapp 9 Milliarden Euro.

Die spanischen Glücksspielanbieter übten scharfen Kritik an den Regulierungsbemühungen. Sie sehen sich als “Schwarzmarkthändler” verunglimpft, obwohl sie über offizielle Lizenzen verfügten. Zudem monieren sie, dass die Vorschläge des Ombudsmanns auf Basis einer “falsch informierten Agenda” erstellt worden seien und kündigten juristische Gegenwehr gegen das Vorhaben an.

 

Vorbilder Großbritannien und Italien?

Der spanische Vorstoß kommt zu einer Zeit, in der in vielen europäischen Staaten über eine Einschränkung der Werbung für das Glücksspiel diskutiert wird. Staaten wie Italien und Großbritannien sind mit ihren Reglungen allerdings bereits einen Schritt weiter.

 

Wettbüro Paddy Power

Auch in Großbritannien wurde die Werbung eingeschränkt (Bild: Flickr)

Während in Italien den Glücksspielfirmen seit letztem Spätsommer jegliche TV- und Radiowerbung per Gesetz verboten ist, sind Großbritanniens Betreiber einem solch drastischen Schritt vorerst zuvorgekommen, indem sie vor wenigen Tagen einen freiwilligen Verzicht auf TV-Werbung bei vor 21.00 Uhr ausgestrahlten Live-Spielen beschlossen.

 

Auch in den skandinavischen Ländern Norwegen, Dänemark und Schweden wird derzeit überlegt, die Werbung für Online Casinos und Wettbüros künftig mit einem Bann zu belegen. Neben Spielschutz-Organisationen wird dies ebenfalls vermehrt von Politikern unterschiedlichster Regierungs- und Oppositionsparteien gefordert.

 

In all diesen Ländern steht der Schutz von Minderjährigen oder Menschen mit einem problematischem Spielverhalten im Zentrum der Bemühungen um eine Eingrenzung der Werbeaktivitäten.

 

Allerdings ist es bis auf Großbritannien und Italien noch in keinem Staat zu dem angestrebten Werbe-Stopp gekommen. Das Dementi des spanischen Finanzministeriums deutet darauf hin, dass es auch in dem südeuropäischen Land noch etwas länger dauern könnte, bis es zu einer gesetzlichen Reglung kommt.

 

Am Beispiel Großbritannien zeigt sich allerdings, dass eine entsprechende Einschränkung manchmal schneller umgesetzt wird, wenn die beteiligten Unternehmen von sich aus freiwillig auf die Werbeclips verzichten.