, 04.02.2020

Der frühere stellvertretende Parteivorsitzende der britischen Labour Party Tom Watson zeichnete bei seiner gestrigen Rede auf der ICE London 2020 ein positives Bild von der britischen Glücksspielbranche. Der als Glücksspielkritiker bekannte Politiker erklärte, dass reguliertes Glücksspiel Unterhaltung und ein akzeptabler Zeitvertreib sei.

 

Einvernehmliche Regulierung statt Totalverbot

 

Watson sagte dem Publikum, dass er erkannt habe, dass Wetten und Glücksspiele ein Teil der nationalen Kultur Großbritanniens seien, die Branche Tausende von Menschen beschäftige und Millionen für die Staatskassen generiere.

Während seiner Zeit als stellvertretender Parteivorsitzender galt Tom Watson als einer der schärfsten Glücksspielkritiker Großbritanniens. Er forderte einschneidende Änderungen der Glücksspielgesetze [Seite auf Englisch] und eine strenge Reglementierung des Online-Glücksspiels, das er als gesellschaftlichen Gesundheitsnotstand bezeichnete.

Da die Forderungen nach neuen Regulierungen und einer Überarbeitung des Glücksspielgesetzes aus dem Jahr 2005 stärker würden, sei es wichtig, dass sich die Glücksspielbranche mit ihren Kritikern und mit Politikern auseinandersetze.

 

Bei Maßnahmen wie der Senkung der Einsatzlimits an Fixed Odds Betting Terminals (FOBTs) ginge es darum, ein Gleichgewicht zwischen all jenen zu finden, die sich für ein vollständiges Verbot der Industrie aussprächen und jenen, die eine komplette Liberalisierung befürworteten. Beide Extreme hätten seiner Ansicht nach katastrophale Folgen.

 

Banken und Technologiekonzerne in die Pflicht nehmen

 

Watson zeigte sich erfreut, dass die Branche das Werbeverbot bei Live-Übertragungen von Sportveranstaltungen unterstütze. Er sehe allerdings auch die Banken und Technologie-Unternehmen in der Pflicht:

„Die Banken, die Kreditgeber und die Kreditkartenanbieter spielen ebenfalls eine Rolle. Es lastet nicht alles auf den Schultern der Glücksspielindustrie. Die Technologie-Giganten und Kommunen können ebenfalls mitwirken.“

Der Forderung, dass Banken und Technologie-Konzerne mehr tun müssten, um Spielsucht zu verhindern, schließt sich auch der Fachverband der britischen Glücksspielbranche, der Betting and Gaming Council (BGC), an. Dessen Vorsitzende, Brigid Simmonds, erklärte der Financial Times am Montag, dass nicht nur die Glücksspielunternehmen eingreifen müssten, um Spieler vor der Glücksspielsucht zu schützen, sondern auch die Banken und Technologiekonzerne.

 

Der BGC hätte so zum Beispiel im Januar Kontakt zu Google aufgenommen und den Konzern aufgefordert, die Werbung illegaler Glücksspielseiten zu verhindern. Sie sei aber nicht sicher, ob der Konzern in dieser Hinsicht etwas unternommen habe.

 

Google selbst erklärte, das Unternehmen habe hinsichtlich der Glücksspielwerbung strikte Richtlinien und überprüfe diese regelmäßig.