, 07.06.2018

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Der Fall David Baazov wurde bis auf Weiteres ad acta gelegt. (Bild: financialpost.com)

Im kanadischen Montreal wurde gestern das Verfahren wegen Insider Trading gegen David Baazov eingestellt. Bei dem 38-Jährigen handelt es sich um den ehemaligen Geschäftsführer von Amaya, dem Mutterkonzern von PokerStars, der heute unter dem Namen Stars Group bekannt ist.

 

Die kanadische Autorité des marches financiers (AMF), die zuständige Aufsichtsbehörde für das Gebiet Québec, hatte im März 2016 nach verdächtigen Börsengeschäften 23 Anklagepunkte gegen die ehemalige Amaya-Führungsriege bei dem zuständigen Gericht für die Provinz Québec vorgebracht.

 

Dabei stand die Übernahme von PokerStars durch Amaya im Jahr 2014 im Fokus der Ermittlungen. Die AMF reichte zwei Jahre später eine Anklage wegen Insider Trading gegen David Baazov ein. Er soll mit Hilfe vertraulicher Informationen die Übernahme vereinfacht und den Kurs an der Börse beeinflusst haben.

 

Zu den Angeklagten gehörten neben David Baazov auch der ehemalige Amaya-Manager Benjamin Ahdoot sowie der Finanzberater und Freund von David Baazov, Yoel Altman. Alle Anklagepunkte gegen die drei Geschäftsleute wurden nun fallengelassen.

 

Grobe Schnitzer seitens Aufsichtsbehörde AMF

Gerichtsgebäude in Montreal

Gerichtsgebäude in Montreal (Bild: globalnews.ca)

Die kanadische Finanzaufsichtsbehörde AMF habe den Fall damals nicht hinreichend untersucht, so die Begründung des Gerichts in Montreal. Laut Richter Salvatore Mascia habe die AMF wiederholt Fehler in der Untersuchung der Vorgänge rund um David Baazov gemacht und sei sehr ungenau vorgegangen.

 

So seien den drei Angeklagte etwa wichtige Beweismittel nicht zugestellt worden, sodass die Verteidigung in diesem Fall keine Möglichkeit hatte, die zahlreichen Dokumente und Belege der AMF einzusehen. Salvatore Mascia äußerte sich dahingehend so:

„Wenn die Umstände es verlangen, muss das Gericht das Verfahren einstellen. Fordern die wiederholen Fehler in diesem Fall die Einstellung des Verfahrens? Ja.“

Das Gericht gab mit dieser Entscheidung dem 3. Antrag der Verteidigung statt. Diese hatte seit Verfahrensbeginn vor zwei Jahren bereits zwei ähnliche Anträge eingereicht. Das Zünglein an der Waage war dabei die versehentliche Weitergabe von rund 320.000 vertraulichen Dokumenten der AMF an die Verteidigung vor wenigen Wochen. Diese wolle man nun zurückhaben, so die Behörde.

 

Angeklagte äußern Freude über Urteil

In einer Pressemitteilung der Daisy Group, einem von David Baazov beauftragten Medienvermittler, wurde im Namen der drei Angeklagten ein erstes Statement zur Entscheidung aus Québec abgegeben:

„Wir schließen uns der Einschätzung des Richters an und sind sehr glücklich mit der Entscheidung.“

Weitere Kommentare zum Fall wolle man zum gegenwärtigen Zeitpunkt jedoch nicht abgeben. David Baazov hatte während des gesamten Verfahrens auf unschuldig plädiert. Die AMF äußerte hingegen Enttäuschung und kündigte an, eine Revision prüfen zu wollen.

 

Der Fall David Baazov wird bereits seit März 2016 bearbeitet. Diesen April begann schließlich die Verhandlung vor dem Court of Québec. Seit Beginn der Verhandlungen war der Prozess jedoch von Fehlern gekennzeichnet.

 

So kam es in den ersten Wochen neben den bereits erwähnten nicht zugestellten Beweisdokumenten außerdem zu widersprüchlichen Aussagen seitens der AMF sowie zu Forderungen nach Rückgaben anderer Schriftstücke, die der Verteidigung bereits Monate zuvor zur Verfügung gestellt worden waren.

 

Cherry-CEO ebenfalls wegen Insider Trading verhaftet

Ende Mai wurde Anders Holmgren, der Geschäftsführer von Cherry AB, in Stockholm verhaftet. Auch ihm wird Insider Trading vorgeworfen. Nach seiner Festnahme befindet er sich mittlerweile in Untersuchungshaft. Eine Freilassung auf Bewährung wurde abgelehnt. Anders Holmgren ist zudem mit sofortiger Wirkung von sämtlichen Ämtern zurückgetreten.

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