, 21.12.2020

Das Bieterverfahren für die staatlichen WestSpiel-Casinos in Aachen, Bad Oeynhausen, Dortmund und Duisburg ist eingeleitet. Dies machte das Finanzministerium von NRW am Freitag in einem EU-Amtsblatt bekannt.

 

Der erfolgreiche Bieter werde eine Konzession mit 15 Jahren Laufzeit erhalten. Potenzielle Käufer müssten bis zum 1. Februar 2021 ihr Interesse bekunden. Die Vergabe der Lizenz erfolge voraussichtlich Anfang 2022.

 

Der künftige Lizenznehmer erhalte die Erlaubnis für den Betrieb von Casinos an insgesamt sechs Standorten. Demnach könnten künftig zwei weitere Spielbanken in Nordrhein-Westfahlen betrieben werden.

Die WestSpiel-Casinos empfingen im Jahre 2019 etwa 900.000 Gäste und generierten einen Gesamtumsatz von rund 117,2 Mio. Euro. Davon flossen 59 Mio. Euro in die Staatskasse. Im Vergleich zum Umsatz von 2018 in Höhe von 92,3 Mio. Euro ist dies ein Anstieg von 27 %.

 

Insgesamt betreibt die WestSpiel-Gruppe rund 80 Spieltische und 900 Spielautomaten. Etwa 900 Angestellte sind in den Spielbanken beschäftigt. Der Gesamtwert der zum Verkauf stehenden Spielstätten soll sich auf 2,7 Mrd. Euro belaufen.

Gauselmann und Novomatic potenzielle Interessenten

Zu den Voraussetzungen zur Teilnahme am Bieterverfahren gehört unter anderem, dass die Interessenten mindestens drei Jahre eine Spielbank betrieben haben müssen. Weiterhin müsse ein Eigenkapital von mindestens 20 Mio. Euro nachgewiesen werden.

 

Zu den potenziellen Käufern gehören das in NRW ansässige Glücksspielunternehmen Gauselmann, das bereits am Freitag sein „grundsätzliches Interesse“ bekundet haben soll. Auch der österreichische Konzern Novomatic, der in Kooperation mit Gauselmann die Berliner Spielbanken betreibt, wird als potenzieller Käufer gehandelt.

 

Weitere Kandidaten könnten die Casinos Austria AG und der in Malta ansässige Sportwetten- und Casino-Anbieter Tipico sein. Allerdings sei es laut dem Westfalen Blatt fraglich, ob Tipico die Anforderungen erfüllen könne.

 

Die Bereitstellung von Glücksspiel ist keine Aufgabe des Staates

Den Verkaufsplänen war ein heftiger Parteienstreit vorausgegangen. Die Regierungskoalition aus CDU und FDP konnte sich trotz heftiger Kritik seitens der Opposition durchsetzen und beschloss am 8. Mai 2018 die Privatisierung von WestSpiel.

 

Die CDU argumentierte, dass die Bereitstellung von Glücksspielangeboten nicht als staatliche Aufgabe angesehen werde.

 

Finanzminister Lutz Lienenkämper (CDU) sagte am Freitag:

Es ist gut, wenn der Staat nicht am Roulettetisch sitzt.

Die SPD hegte Zweifel an der Gewährleistung des Spielerschutzes nach einer Übernahme von WestSpiel durch ein Privatunternehmen. Skeptisch sind auch die Mitarbeiter, die um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze besorgt sind. Besonders im Bereich der Verwaltung könnten Arbeitsstellen abgebaut oder ins Ausland verlegt werden.