, 24.01.2020

Laut einem Bericht der Zeitung Church Times vom heutigen Freitag, hat der Bischof der englischen Stadt St Albans, Dr. Alan Smith, dem House of Lords einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der erstmals dafür sorgen soll, dass Spielsucht als konkreter und offizieller Beweggrund für einen Suizid dokumentiert werden darf.

 

Mit der sogenannten „Private Member‘s Bill“ könne langfristig ein besserer Überblick darüber gewonnen werden, wie viele Suizide in Großbritannien tatsächlich mit Spielsucht in Verbindung gebracht werden müssten.

 

Spielsucht auf dem Totenschein

Großbritanniens Glücksspielgesetzgebung ist in den vergangenen paar Jahren merklich verschärft worden.

 

Einige der maßgeblichsten Veränderungen, wie die Reduzierung der FOBT Einsätze auf zwei Pfund oder das im April folgende Kreditkartenverbot in Online Casinos, sind unter anderem der Verdienst von Dr. Alan Smith.

 

Der bekannte Glücksspielgegner möchte nun eine weitere tiefgreifende Änderung erwirken. Suizide von Personen, die unter Spielsucht gelitten haben, sollen in einem gesondertem Register erfasst werden.

 

Die Daten sollen dann einmal im Jahr ausgewertet werden und insgesamt einen besseren Überblick über das Ausmaß von Spielsucht und Suizid [Seite auf Englisch] geben.

Aktuell gibt es nur vage Schätzungen darüber, wie viele Selbstmorde mit Spielsucht zusammenhängen. Anti-Glücksspiel-Aktivisten gehen davon aus, dass gut zwei Suizide pro Tag auf pathologisches Glücksspiel zurückgeführt werden können. Insgesamt nehmen sich in Großbritannien laut aktuellen Statistiken zwischen 15 und 20 Personen täglich das Leben.

Bisher ist es jedoch nicht vorgesehen, dass Gerichtsmediziner eine Spielsucht beim Ausfüllen des offiziellen Totenscheines berücksichtigen müssen. Der Gesetzesentwurf könnte genau dies ändern.

 

Schockierende Zahlen zu erwarten

Der Bischof geht davon aus, dass sowohl die Regierung als auch die Glücksspielindustrie des Landes seinen Vorschlag gutheißen werden.

 

Es sei schließlich für alle Involvierten sinnvoll, möglichst genaue Daten über durch Spielsucht bedingte Suizide zur Verfügung zu haben.

 

Dr. Smith ist indes sicher, dass ebenjene Daten viele Politiker schockieren könnten, womit das Thema Spielsucht noch mehr in den politischen Fokus rücken könnte. Der Bischof dazu:

Ich erwarte, dass der erste Datensatz politische Entscheidungsträger aus ihrer Untätigkeit schocken und damit dazu beitragen wird, dass unsere Gesellschaft aufhört, durch diese Krise zu schlafwandeln.

Er hoffe des Weiteren, dass die Regierung als Reaktion auf die mutmaßlich schockierend hohen Zahlen dem nationalen Gesundheitssystem (NHS) mehr Gelder für die Spielsuchtprävention und -therapie zur Verfügung stellen werde.