, 14.10.2019

Das irische Glücksspiel- und Sportwetten Unternehmen Flutter Entertainment und die kanadische Stars Group, Betreiberin von PokerStars, haben am Anfang des Monats ihre Fusionspläne bekanntgegeben. Allerdings könnte die Elefantenhochzeit zwischen den beiden Konzernen Flutter Entertainment dazu zwingen, einige seiner Flaggschiffe zu verkaufen, unter anderem Paddy Power.

 

Der Verkauf einiger seiner Marken könnte für das irische Unternehmen notwendig werden, um von der Competition & Markets Authority (CMA), der Wettbewerbsbehörde des Vereinigten Königreichs, die Zustimmung für den milliardenschweren Zusammenschluss der beiden Konzerne zu erhalten, erklärten Analysten der Investmentbank Canaccord Genuity der Sunday Times [Seite auf Englisch]. Damit sollen Wettbewerbsverzerrungen verhindert werden.

Was sind die Aufgaben der CMA?

 

Die Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde CMA ist eine unabhängige und nicht-ministerielle Behörde. Zu deren Aufgaben gehört:

 

  • Schutz der Verbraucher beim Kauf von Waren und bei der Nutzung von Dienstleistungen
  • Gewährleistung gesetzeskonformen Verhaltens der Unternehmen
  • Untersuchung der Märkte im Falle von Wettbewerbs- oder Verbraucherproblemen
  • Vorgehen gegen Unternehmen, die an wettbewerbswidrigem Verhalten beteiligt sein könnten
  • Überwachung der Fusionen zwischen Unternehmen, um einer Wettbewerbseinschränkung entgegenzuwirken

Verkauf von Paddy Power: eine schwierige Entscheidung

In Großbritannien wird das kombinierte Unternehmen Flutter/The Stars Group drei der sieben größten Sportwetten- und Online-Glücksspielmarken des Marktes besitzen. Aufgrund des enormen Marktanteils des neu gegründeten Unternehmens dürften Wettbewerbswächter nach Abhilfemaßnahmen suchen.

 

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Der Verkauf von Paddy Power ist eine schwierige Entscheidung. (Bild: flickr.com, Alan Stanton)

Der Analyst von Canaccord Genuity betonte, dass der Verkauf der digitalen und landbasierten Geschäfte von Paddy Power in diesem Falle eine vernünftige Entscheidung darstelle, da Flutter Entertainment sich mit Sky Betting der Stars Group auf den US-amerikanischen Markt konzentrieren wolle.

 

Laut Canaccord Genuity sei die Trennung von Paddy Power sicherlich eine „emotional schwierige Entscheidung“, da der Plan der kombinierten Gruppe beinhalte, ihren Hauptsitz in Dublin zu haben, wo Paddy Power seit seiner Gründung Ende der 1990er Jahre ansässig ist.

 

Peter Jackson, Chief Executive von Flutter, der als CEO des kombinierten Unternehmens fungieren wird, äußerte sich besorgt über die Reaktion der CMA auf den geplanten Zusammenschluss und sagte, dass man „großen Respekt vor den Wettbewerbsbehörden“ habe und dass man sich darüber im Klaren sei, dass diese ihre Marktanalysen durchführen müssten.

Fusionen zugunsten von steuerlichen Vorteilen

 

Der Markt scheint die Fusion der beiden Glücksspiel-Giganten mit Wohlwollen zu betrachten. Seit der Bekanntgabe des Zusammenschlusses konnten die Aktien beider Unternehmen einen Anstieg verzeichnen.

 

Seit Inkrafttreten der neuen britischen Steuergesetze im Jahr 2014 sind Zusammenschlüsse weit verbreitet. Seitdem haben Flutter Entertainment und The Stars Group bereits bedeutende Akquisitionen getätigt.

 

Anfang 2016 schlossen sich Paddy Power und Betfair zusammen. Weiterhin konnte das Unternehmen den US-amerikanischen Fantasiesportanbieter FanDuel für sich gewinnen. Die Stars Group hat das britische Unternehmen Sky Betting & Gaming im vergangenen Jahr für 4,7 Milliarden US-Dollar übernommen.

 

Auch andere Sportwetten- und Glücksspielbetreiber sind um eine Skalierung bemüht, um die höhere Steuerlast zu bewältigen. So erwarb GVC Holdings bwin.party Digital Entertainment und Ladbrokes, Kindred schloss sich mit 32Red zusammen und William Hill kaufte Mr. Green.

Mögliche Hürden der Elefantenhochzeit

Es gibt einige mögliche Stolpersteine. Die Hälfte der Flutter-Aktionäre muss dem Deal zustimmen, was angesichts der anfänglichen Marktreaktion jedoch wahrscheinlich erscheint.

 

Zwei Drittel der Stars-Aktionäre müssen ebenfalls dafür stimmen – was allerdings aufgrund der im vergangenen Jahr bei über 35 US-Dollar gehandelten Aktie etwas schwieriger sein könnte. Die fast 50-prozentige Beteiligung an dem kombinierten Unternehmen könnte jedoch bedeuten, dass die Aktionäre ihre Zustimmung geben

 

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Die Fusion von The Stars Group und Flutter Entertainment könnte problematisch sein. (Bild: pixabay.com)

Die größere Herausforderung könnte das Kartellrecht sein, insbesondere in Australien. Laut Bloomberg verstoße der Zusammenschluss der Unternehmen gegen die Kartellvorgaben, da der Marktanteil nach der Fusion zu groß sei.

 

Flutters Sportwetten hat einen Anteil von 18,1 % am australischen Sportwettenmarkt von 4,3 Mrd. US-Dollar und ist nach Tabcorp der zweitgrößte Anbieter Down Under, während BetEasy von The Stars Group 8,1 % ausmacht. In einem Worst-Case-Szenario müsste Flutter möglicherweise einen Teil seiner australischen Aktiva veräußern.

 

Aktuell sieht es so aus, als kämen die Verhandlungen um die Fusion zu ihrem geplanten Abschluss, nicht zuletzt, weil das Scheitern des Deals zu einem Fall der Aktien führen könnte.