, 18.11.2019

Auf Zypern stehen die Casino-Aktivitäten des Melco-Konzerns unter kritischer Beobachtung. So will die Glücksspielbehörde mögliche Organisatoren von VIP-Paketen (Junket Operators) in Melcos im Bau befindlichen City of Dreams Mediterranean-Casino überprüfen lassen, ehe sie eine Genehmigung für diese Angebote erteilt.

 

Nach einem Bericht der zypriotischen Nachrichtenseite in-cyprus hätten die Kontrolleure der Cyprus Gaming and Casino Supervision Authority zu diesem Zweck drei unabhängige Wirtschaftsprüfer mit der Durchführung beauftragt. Die namentlich nicht genannten Unternehmen kämen dem Bericht zufolge aus den Vereinigten Staaten, Großbritannien und Zypern.

Die Anbieter der Junkets wenden sich an vermögende Spieler, für die sie VIP-Reisen zu Casinos organisieren. Neben zumeist kostenlosen Flügen und Übernachtungen in Luxus-Suiten erhalten die Kunden Zutritt zu den VIP-Lounges der Casinos, wo sie um hohe Summen zocken können. Über Provisionen profitieren die Anbieter von den Casino-Ausgaben der Spieler.

Hauptaufgabe der Wirtschaftsprüfer sei es, durch Due-Diligence-Überprüfungen sicherzustellen, dass die Anbieter nicht in Verbindung zu illegalen Aktivitäten wie Geldwäsche und Terrorismus-Finanzierung stünden oder eine Nähe zu kriminellen Organisationen aufwiesen.

 

in-cyprus zitierte eine Quelle aus der Behörde wie folgt:

Wir möchten, dass Zyperns Casino auf Basis internationaler Standards und mit vollständiger Transparenz operiert; insbesondere in einer Zeit, in der der internationale Druck auf Zypern aufgrund der Vergabe von Ausweisen an Personen mit krimineller Vergangenheit zunimmt.

Das zu 75 % dem Melco-Konzern gehörende City of Dreams Mediterranean-Casino befindet sich derzeit im Bau und soll voraussichtlich bis Ende 2021 seine Pforten öffnen. Für die Fertigstellung des ersten integrierten Casino-Resorts der Insel wurden 500 Millionen US-Dollar veranschlagt.

 

Junket-Veranstalter in der Kritik

Logo Suncity

Suncity wird überprüft (Bild: Suncity)

Die Vorsicht der staatlichen Regulierer kommt nicht von ungefähr, denn in der Vergangenheit sind die Veranstalter der Vergnügungsreisen insbesondere in Asien durch kriminelle Aktivitäten aufgefallen. So mehrten sich in diesem Jahr Berichte, nach denen Suncity, Asiens größter Anbieter in diesem Bereich, mehrfach zu unlauteren Methoden gegriffen habe, um die Ausgaben seiner VIP-Gäste zu steigern.

 

Dabei ging es zumeist um die Vergabe hoher Kredite an die vornehmlich chinesischen Spieler, die VIP-Pakete für Reisen auf die Philippinen oder nach Kambodscha gebucht hätten. Nachdem diese Kunden ihre Kredite verspielt hätten, wären sie von den Organisatoren massiv unter Druck gesetzt worden, um ihre Schulden samt horrender Zinsen zu begleichen.

 

Vereinzelt sei es dabei auch zu Fällen von Gewalteinwirkung und Freiheitsberaubung gekommen, so die ermittelnden Behörden. Die Vergehen fanden jedoch nicht nur in Chinas Nachbarstaaten, sondern Erkenntnissen der chinesischen Polizei zufolge auch in Macau statt. Einer der Schauplätze: Die Melco-Casinos.

 

Als Reaktion auf die Vorwürfe entschloss sich Suncity daraufhin im August, seine VIP-Aktivitäten zumindest in Australien einzustellen [Seite auf Englisch].

 

Melcos umstrittene Vorgeschichte in Australien

Der Melco-Konzern ist kein unbeschriebenes Blatt, wenn es um den Verdacht auf Verbindungen zur organisierten Kriminalität geht. So ermittelten bereits im Sommer australische Behörden gegen das Unternehmen. Ursache dafür war die geplante Übernahme von 20 Prozent der Anteile des australischen Glücksspielkonzerns Crown.

 

Im Mittelpunkt stand Lawrence Ho, der schillernde Milliardär und Melco-Besitzer aus Macau. Die australischen Kontrolleure untersuchten damals angebliche Verbindungen des Casino-Tycoons zur den berüchtigten chinesischen Triaden.

 

Eine Studie der Technischen Universität von Queensland hatte dem Verdacht damals weitere Nahrung gegeben. Die Forscher hatten ermittelt, dass die VIP-Lounges in den Melco-Casinos in Macau vielfach von Kriminellen frequentiert worden waren, was ihnen einen erleichterten Zugang zu der chinesischen Sonderverwaltungszone verschafft habe.

 

Die damalige Folge: Der verstärkte Auftritt von Kreditwucherern und kriminellen Geldeintreibern im Casino-Umfeld sowie eine Verbreitung illegaler Geschäfte wie Drogenhandel und Prostitution in ganz Macau.

 

Die Ermittlungen der australischen Behörden sind noch nicht abgeschlossen, weshalb der Deal zwischen Melco und Crown weiterhin auf Eis liegt. Angesichts der Vorgeschichte des asiatischen Glücksspielkonzerns ist es gut möglich, dass Zyperns Behörden auch künftig einen besonders kritischen Blick auf die Aktivitäten des Casino-Betreibers werfen werden.

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