, 30.08.2019

Wie die Regierung Gibraltars gestern mitteilte, wird das Sportwetten-Unternehmen Bet365 seine Präsenz in Gibraltar aufrechterhalten. Dennoch will der Anbieter 80 % der Stellen im britischen Überseegebiet streichen und mehrere Geschäftsbereiche nach Malta verlegen. Nur etwa 100 der rund 500 Mitarbeiter werden in den Büros in Gibraltar verbleiben.

 

Bet365 soll mehreren Mitarbeitern den Vorschlag unterbreitet haben, den Standort zu wechseln. Es ist allerdings nicht bekannt, wie viele Mitarbeiter das Angebot tatsächlich angenommen haben. Aufgrund der großen Entfernung zwischen Gibraltar und Malta dürfte sich ein Großteil der Belegschaft gegen einen Umzug entschieden haben.

 

Bet365 setzt auf doppelte Lizenzierungsstrategie

Das Glücksspielunternehmen erklärte, dass es seine Strategie hinsichtlich der zweifachen Lizenzierung in Gibraltar und Malta auch künftig fortsetzen werde.

 

Bet365 Logo

Bet365 wird Lizenzen in Gibraltar und in Malta haben. (Bild: wikimedia.org)

Dies bestätigte ein Sprecher von Bet365, der sagte, das Unternehmen habe schon immer die Absicht gehabt, in Gibraltar präsent zu bleiben, um die Geschäfte in Großbritannien zu regeln.

 

Der maltesische Standort sei für die Koordinierung der Geschäftsaktivitäten in den anderen Ländern der EU zuständig.

 

Zwar ist die Nachricht, dass Bet365 weiterhin in Gibraltar bleiben werde, keine Überraschung, dennoch zeigte sich die Regierung des Landes [Seite auf Englisch] erfreut darüber, dass der Sportwetten-Anbieter auch weiterhin seine „bedeutende operative Präsenz“ aufrechterhalten werde.

 

In seinem Statement sagte Chief Minister Fabian Picardo:

“Ich freue mich sehr, dass bet365 Gibraltar NICHT verlässt. Dies sind sehr gute Nachrichten. Albert Isola [Anm. d. Red.: Albert Isola ist Politiker in Gibraltar und Mitglied der Gibraltar Socialist Labour Party] und ich haben viel Zeit und Mühe investiert, um sie zu bewegen, in Gibraltar zu bleiben. Ich bin sofort zu ihrem Hauptsitz in Stoke in Großbritannien gereist, um das Management des Unternehmens zu treffen, nachdem wir über die Entscheidung informiert worden waren, dass ein Teil des Geschäfts in Gibraltar verbleiben wird.“

Picardo fügte hinzu, dass er fest daran glaube, dass das Geschäft in Gibraltar in Zukunft wieder aufblühen und wachsen werde. Die Entscheidung von Bet365 sei ein weiterer Beweis für die Arbeit, die die Regierung leiste, um negative wirtschaftliche Folgen abzuwenden.

 

Was könnte ein No-Deal Brexit für Gibraltar bedeuten?

Ein No-Deal Brexit könnte für Gibraltar spürbare Folgen haben und besonders für Online Glücksspiel-Unternehmen mit Sitz in Gibraltar.

Gibraltar ist seit 1973 eine britische Enklave in Südspanien und nimmt nur eine relativ kleine Fläche ein, ist aber wirtschaftlich von großer Bedeutung. Nach Angaben der Financial Times beläuft sich das Bruttoinlandprodukt auf rund 1,5 Milliarden Pfund Sterling.

 

Durch die enge Verbindung zu Großbritannien, Spanien und der EU wurde aus Gibraltar ein wohlhabender Standort. Insbesondere für die Online Glücksspielindustrie ist Gibraltar wichtig . Rund 10.000 Menschen sind in der Casino- und Sportwetten-Branche tätig.

 

Würfel, Chips

Gibraltar ist ein wichtiger Standort der Glücksspiel-Branche. (Bild: pixabay.com)

 

In Bezug auf den bevorstehenden Brexit befürchten viele Unternehmen das Ende der florierenden Wirtschaft, denn zu etwa 90 % ist das britische Überseegebiet auf den Zugang zum Binnenmarkt angewiesen.

 

Ein No-Deal Brexit könnte große wirtschaftliche Schäden verursachen und für zahlreiche Mitarbeiter in der Glücksspielbranche könnte dies den Verlust ihres Arbeitsplatzes bedeuten.

Im Mai 2017 gab Paddy Power-Betfair als erstes Unternehmen bekannt, dass das Geschäft in Gibraltar geschlossen werde. Im Mai 2019 begann auch Bet365, Teile seines Unternehmens nach Malta zu verlagern. Der bevorstehende Brexit soll für diese Entscheidung der entscheidende Faktor gewesen sein.

 

Befürchtet wird auch die Einführung von Grenzkontrollen, die enorme Auswirkungen auf die Menschen in Gibraltar haben könnten. Derzeit pendeln täglich mehr als 10.000 Menschen zwischen Spanien und Gibraltar. Die Implementierung von Grenzkontrollen könnte sich als problematisch erweisen.

 

Philip Bowcock, CEO von William Hill, kommentierte:

“Die Grenzüberschreitung könnte eine Menge Zeit in Anspruch nehmen, wenn die Spanier beschließen, detaillierte Passkontrollen und andere Kontrollen durchzuführen. […]“

William Hill ist ein weiteres Unternehmen, das sich dazu entschied, einige Geschäftsaktivitäten aus Gibraltar auszulagern. Die verbliebenen Unternehmen müssen sich nun überlegen, wie man im Falle des Brexit den Pendelverkehr von und nach Gibraltar für die Mitarbeiter vereinfachen könnte.

 

Wie sich die in Gibraltar verbliebenen Unternehmen entscheiden werden, bleibt abzuwarten.