, August 6, 2019

Die in der vergangenen Woche veröffentlichten Zahlen der lettischen Aufsichtsbehörde für Lotterien und Glücksspiel (IAUI) zeigen, dass die staatlich lizenzierten Glücksspielanbieter im ersten Halbjahr 2019 einen Umsatz von insgesamt 154,5 Millionen Euro erzielten. Dies bedeutet im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg von 14,7 %.

 

Spielautomaten in landbasierten Spielhallen und Casinos dominieren immer noch den Markt in Lettland. Der Umsatz im ersten Halbjahr lag mit 111,5 Millionen Euro deutlich über den Einnahmen, die die Anbieter mit den klassischen Tischspielen erwirtschafteten. Dort lag der Umsatz bei rund 8 Millionen Euro.

 

Anstieg auch auf dem Online Glücksspielmarkt

Das Online Glücksspiel in Lettland wird seit 2003 reguliert. Derzeit verfügen neun Online Anbieter über eine Lizenz der IAUI [Seite auf Englisch]. Die Unternehmen erzielten im zweiten Quartal 2019 einen Umsatz von 13 Millionen Euro, was einen geringen Anstieg im Vergleich zum ersten Quartal darstellt.

Glücksspielregulierung in Lettland

 

Anfang der 90er Jahre nach der Erlangung der Unabhängigkeit wurden die ersten Glücksspiele von kleinen privaten Unternehmen in Lettland angeboten, die sich schnell einer großen Beliebtheit erfreuten.

 

1991 wurde das erste landbasierte lizenzierte Casino eröffnet. Die Anzahl der Unternehmen, die Lotterien anboten, wuchs ebenso schnell an. Allerdings gab es damals noch keine Überwachung des Marktes durch eine entsprechende Behörde.

 

1998 nahm die Aufsichtsbehörde für Lotterien und Glücksspiel ihre Tätigkeit auf, die die Einhaltung der Gesetze und Vorgaben für Lotterien und Glücksspiele in der Republik Lettland gewährleisten soll.

Im ersten Quartal 2019 legte der Markt um knapp 39 % zu und verzeichnete einen Umsatz von 25,4 Millionen Euro. Die Einnahmen der Online Casinos stiegen im Q1 um 40 % auf 18 Millionen Euro.

 

Die Umsätze bei Sportwetten stiegen um 35,3 % auf 7,1 Millionen Euro und Online Poker legte um knapp zwei Drittel zu und erreichte Einnahmen in Höhe von 193.000 Euro.

 

Regulierungsbehörde kämpft gegen illegales Glücksspiel

Die IAUI setzt ihre Bemühungen fort, die Spieler Lettlands von den international lizenzierten Glücksspiel-Betreibern fernzuhalten. Im Zuge dieser Maßnahmen wurden jüngst 51 neue Domains und 87 IP Adressen auf die Schwarze Liste gesetzt. Seit dem Einzug des regulierten Online Glücksspielmarktes registrierte die IAUI bereits 1.166 Glücksspiel-Webseiten.

Im April 2019 verabschiedete das lettische Parlament Änderungen der Glücksspielgesetze. Den Spielern soll so der Zugang zu im Ausland lizenzierten Online Glücksspiel-Webseiten erschwert werden.

 

Zu den Maßnahmen der Regierung gehört unter anderem, dass es den Banken verboten ist, Zahlungen an nicht lizenzierte Anbieter durchzuführen. Weiterhin sind Finanzinstitute und Internetdienstanbieter (ISPs) angehalten, die Namen der lettischen Staatsbürger weiterzuleiten, die versuchen, Transaktionen mit nicht autorisierten Glücksspielseiten zu veranlassen.

 

Personen, die dennoch den Versuch der Durchführung einer Transaktion unternehmen, werden mit einer Geldstrafe von bis zu 350 Euro belegt. Spieler könnten zusätzliche Strafen erhalten, wenn sie ihre Gewinne nicht versteuern (derzeit 23 % bei Beträgen über 3.000 Euro).

Indes schlug die lettische Regierung Änderungen der Glücksspielbestimmungen vor. Diese sollen die Verfügungsgewalt der Lizenzierungsbehörde IAUI stärken und den Zugang zu internen Daten der interaktiven Lizenznehmer ermöglichen, sowohl vor Ort als auch durch Ferninspektionen.

 

Die Interessenvertreter haben nun die Möglichkeit, bis zum 9. August zu den vorgeschlagenen Änderungen Stellung zu beziehen. Bis zum 26. September 2019 sollen die Empfehlungen dem Ministerkabinett vorgelegt werden.

 

Maßnahmen zur Verbesserung des Spielerschutzes

Im Zuge der Optimierung des Spielerschutzes in Lettland werden verschiedene Maßnahmen getroffen. Dazu gehört unter anderem, dass die Anzahl der Spielstätten eingeschränkt werden soll.

 

Im Jahr 2017 begann die lettische Hauptstadt Riga die Umsetzung ihres Plans zur Reduzierung der landbasierten Spielhallen im historischen Zentrum der Stadt. Davon ausgenommen sind die Glücksspielstätten in Vier- und Fünf-Sterne-Hotels. Weitere Städte wollen dem Beispiel Rigas folgen.

 

Riga, Altstadt, Häuser, Gebäude

Anzahl der Spielhallen in Riga soll stark reduziert werden. (Bild: pixabay.com)

Eine Studie ergab, dass sich 77 % der Befragten eine Reduzierung der Anzahl landbasierter Spielhallen wünschten. 59 % hätten sich sogar für ein totales Verbot aller Glücksspielprodukte ausgesprochen.

 

Das Gesundheitsministerium fordert Rauchverbot in den landbasierten Spielhallen und Casinos. Weiterhin will das Ministerium das Verbot des Alkoholausschanks erreichen.

 

Eine Umfrage bestätigte, dass auch Handlungsbedarf hinsichtlich der Spielsucht-Problematik besteht. Demnach wurden 6,4 % der Befragten als problematische Spieler eingestuft.

 

Seit Anfang Juli haben Menschen mit problematischem Spielverhalten und deren Angehörige Zugang zu staatlich geförderter psychologischer Beratung, die einzeln und in Gruppen sowie telefonisch und über Skype angeboten wird.

 

In Lettland werden, genau wie auch in zahlreichen weiteren europäischen Ländern, Überlegungen angestellt, wie das Glücksspiel sinnvoll und effizient reguliert werden kann.