Montag, 16. Mai 2022

Fortnite-Profi Tfue klagt gegen FaZe Clan

Tfue Portrait||

Die Anwälte des Fortnite-Streamers Turner „Tfue“ Tenney (21) haben am Montag vor einem Zivilgericht in Los Angeles eine Klage gegen die eSports-Organisation FaZe Clan eingereicht. Laut Gerichtsdokumenten (Link auf Englisch) ließ FaZe Clan den damals 20-Jährigen im Frühjahr 2018 ein sogenanntes „Gamer- Agreement“ unterzeichnen, welches Tenney widerrechtlich benachteiligte.

Tfue Löschungen

„Tfue“ war schon in eine Reihe von Skandalen verwickelt. (Quelle: YouTube)

Der Vertrag sollte eine vorläufige Zusammenarbeit der Parteien über 6 Monate regeln. Gleichzeitig legte er fest, welche Anteile an Turnierpreisgeldern, Streaming-Auftritten und Sponsoring-Einnahmen „Tfue“ in besagtem Zeitraum erhalten sollte.

Der Gamer und Content-Macher, dessen YouTube-Kanal von mehr als 10 Millionen Nutzern abonniert wird, wirft FaZe Clan nun vor, sich sowohl an seinen Inhalten bereichert als auch die Möglichkeit für andersweitige Projekte beschränkt zu haben. Die Vereinbarung enthielte gar eine Klausel über einen „Finderlohn“, die den FaZe Clan dazu ermächtigt habe, bis zu 80 % seiner Sponsoringgelder einzubehalten.

Verstößt der Vertrag gegen kalifornisches Recht?

Um Aussicht auf Erfolg zu haben, muss Tenneys Klage belegen, dass der Vertrag mit der eSports-Firma gegen kalifornisches Recht verstößt.

Die Anwälte der Klägerseite bejahen einen solchen Rechtsbruch. Das „Gamer-Agreement“, welches bis zu 80 % der von Drittparteien gezahlten Einnahmen dem FaZe Clan zuspricht, verstoße gegen Kaliforniens Unternehmensgesetz. Danach sei jeder privatrechtliche Vertrag ungültig, der Personen daran hindere, eine gesetzeskonforme Tätigkeit auszuüben.

Genau dies sei der Fall, wenn unrechtmäßig hohe Abgaben an Vertragspartner dazu führten, dass eine Person nicht länger ihren individuellen, unternehmerischen Interessen nachgehen könne. Die überhöhten Zahlungen an FaZe Clan hätten „Tfue“ quasi die Hände gebunden.

Wer sind die Streitparteien?

FaZe Clan ist ein US-amerikanisches eSports-Unternehmen, welches 2010 gegründet wurde. Seinen ersten großen Auftritt hatte das Counter-Strike-Team von FaZe Clan bei der DreamHack Leipzig 2016. Seit Bestehen erspielte die Vereinigung bei eSports-Turnieren mehr als 3 Millionen US-Dollar (ca. 2,7 Millionen Euro) an Preisgeldern.

Turner „Tfue“ Tenney ist ein bekannter YouTuber und Twitch-Streamer, der bereits im Alter von 12 Jahren mit dem Spielen begann. Auf Twitch belegte der US-Amerikaner zeitweise Platz 8 der meistgesehenen Kanäle. „Tfue“ geriet in der Vergangenheit immer wieder in Skandale. So stand der Vorwurf im Raum, der Gamer habe mit Fortnite-Accounts gehandelt. Wegen eines Rassismusvorwurfs wurde auch sein Twitch-Nutzerkonto im Jahre 2018 vorübergehend gesperrt.

Überdies sei der Vertrag aus einem weiteren Grund illegal gewesen: einem Verstoß gegen den „California Talent Agency Act“. Das Gesetz, welches Rechte und Pflichten von Talentagenturen in Kalifornien regelt, verbietet das Betreiben einer Talentagentur ohne dafür vorgesehene Lizenz.

Indem FaZe Clan Provisionen von Tenneys Einnahmen verlangt haben soll und den Gamer an Dritte vermittelte, sei die eSport-Organisation aber als ebensolche aufgetreten. Weiterhin habe es FaZe Clan unterlassen, Vertragserlöse rechtzeitig an „Tfue“ weiterzuleiten.

FaZe Clan wehrt sich

Die eSports-Gruppierung setzte sich am Dienstag auf Twitter gegen die Anschuldigungen zur Wehr. In einem Statement heißt es:

„Wir sind geschockt und enttäuscht von den Nachrichten über „Tfues“ Presseartikel und Klage. Über die Dauer der gemeinsamen Partnerschaft, die im April 2018 begann, sammelte FaZe Clan:  $0 – an Turniergewinnen, $0 – an Twitch-Einnahmen, $0 – an YouTube-Einnahmen, $0 – von Sozialen Plattformen. Tatsächlich haben wir durch die Partnerschaft insgesamt nur 60.000 US-Dollar eingenommen, während „Tfue“ als Mitglied von FaZe Clan Millionen verdiente.“

FaZe Clan bestritt des Weiteren die in der Klage vorgebrachte, einseitige Verteilung von Einnahmen zwischen Spielern und Organisation. Man behielte nur 20 % der Turnierpreisgelder und der Content-Einnahmen. 80 % der Gelder gingen an die Teammitglieder. Im Fall von Tenney seien selbst diese Verdienste nicht eingesammelt worden.

Wie wird sich das Machtgefüge verändern?

eSports und Streaming sind mittlerweile zu Wirtschaftsbereichen geworden, in denen es um Millionengeschäfte geht. Folglich dürfte dies nicht die letzte Klage zwischen Profi-Gamern und einer eSports-Organisation sein, die vor ein Gericht geht. Dieser Meinung ist auch Turner Tenneys Anwalt Bryan J. Freedman:

„Durch diese Klage versucht Tenney, die Machtverhältnisse zugunsten der Gamer und Content-Macher zu verändern. Denjenigen, die Werte schaffen und die Industrie antreiben. Hoffentlich werden andere im Zuge dieser Klage darauf aufmerksam und helfen dabei, eSports zu säubern.“

Ein Beitrag zur Änderung der Machtverhältnisse könnte auch die im Rechtsverkehr gebotene Achtsamkeit sein. Wer einen Vertrag unterschreibt, sollte stets verstehen, wozu er sich verpflichtet. Anwälte, die sich auf das eSports-Geschäft spezialisieren, könnten in Zukunft ein profitables Beratungsgeschäft aus diesem Grundsatz entwickeln.