, October 24, 2019

Die Entscheidung der Führung Kambodschas, das Online Glücksspiel zu verbieten, wird sich merkbar auf den Haushalt des südostasiatischen Landes auswirken. Dies erklärte Finanzminister Aun Pornmoniroth bei einem Treffen zur Budgetplanung für das Jahr 2020. Um die Ausfälle auszugleichen, plane sein Ministerium, in anderen Sektoren neue Möglichkeiten für ausländische Investoren zu schaffen.

 

50 Millionen US-Dollar Steuereinnahmen

 

Bei einem Treffen mit Vertretern der kambodschanischen Jugendpartei und des obersten Beirats des Landes zog der Finanzminister Kambodschas gestern ein positives Fazit:

 

Allein 2019 habe das Glücksspiel dem Staat rund 50 Millionen US-Dollar an Steuereinnahmen eingebracht. Damit schließe man an das Vorjahr an, in dem ähnliche Gewinne erzielt worden seien.

 

Trotz der aktuellen Zahlen müsse sich das Land aber auf einen Rückgang gefasst machen, warnte der Minister mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen auf dem kambodschanischen Glücksspielmarkt.

Seit dem vergangenen August ist eine Direktive des kambodschanischen Premierministers Hun Sen in Kraft, die künftig jegliches Angebot von Online Glücksspiel von kambodschanischem Boden aus unterbinden soll.

 

Mit sofortiger Wirkung hatte die Regierung erklärt, keine weiteren Lizenzen für Online Casinos zu vergeben. Aktive Konzessionen hätten bei Ablauf keine Chance auf Verlängerung.

 

Der Prozess soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein.

Druck aus China

 

Finanzminister von Kambodscha Aun Pornmoniroth

Finanzminister Aun Pornmoniroth setzt auf chinesische Investoren (Quelle:Tum Malis, public domain)

Mit dem Verbot der Online Casinos hatte Kambodscha auf wachsenden Druck seitens der chinesischen Politik reagiert. Das Reich der Mitte äußert seit einigen Monaten verstärkt Kritik an den Online Glücksspielsektoren seiner direkten und indirekten Nachbarn.

 

Offshore Online Casinos, so der Vorwurf, nähmen mit ihren Angeboten gezielt Bewohner des chinesischen Festlandes ins Visier. Dies jedoch müsse von den verantwortlichen Ländern strikt unterbunden werden.

 

Chinesen ist das Glücksspiel, abgesehen von der Teilnahme an staatlichen Lotterien, ausschließlich in der Sonderverwaltungszone Macau erlaubt. Zu einen soll diese Regelung dem Schutz der Bevölkerung vor Spielsucht und Kriminalität dienen, zum anderen den Abfluss chinesischer Gelder ins Ausland verhindern.

 

Während sich ebenfalls in die Kritik geratene Länder wie die Philippinen schwertun, den Wünschen des großen Bruders Folge zu leisten, zeigte sich die Regierung Kambodschas kooperativ und leitete das Verbot für Online Glücksspiel in die Wege.

 

Man wolle, so offizielle Stellungnahmen, mit dem Aus für Online Casinos die Sicherheit sowie öffentliche und soziale Ordnung im Land stärken.

 

Neuausrichtung mit chinesischer Hilfe

 

Dass diese Entscheidung auch zulasten der eigenen Wirtschaft geht, ist nicht erst seit den aktuellen Äußerungen des kambodschanischen Finanzministers bekannt. Bereits zuvor war deutlich geworden, dass das Verbot eine massive Abwanderung von meist chinesisch-stämmigen Online Betreibern nach sich zieht. Experten zufolge habe diese bereits unter anderem im Glücksspielhotspot Sihanoukville zu einem deutlichen Verfall der Immobilienpreise geführt.

 

Nichtsdestotrotz blickt Finanzminister Pornmoniroth positiv in die Zukunft und zeigt sich motiviert, den Herausforderungen entgegenzutreten. Sein Ministerium erarbeite derzeit Pläne, um ausländischen Investoren weitere Geschäftsfelder in Kambodscha zu eröffnen. Insbesondere China solle hierbei eine maßgebliche Rolle spielen:

Das Ministerium benötigt chinesische Investitionen, außer für das Online Glücksspiel. Das Ministerium wird ein neues System ausarbeiten. Dies ist der Masterplan und wird die Provinz Preah Sihanouk zu einem wirtschaftlichen Zentrum machen, um gewissenhafte chinesische Investitionen anzuziehen.

Wir wollen mehr Investoren, die bereit sind, in andere Bereiche wie Entwicklung und Wirtschaft zu investieren. Wir möchten nicht, dass sie in Online Glücksspiele investieren.

Wie weitreichend die Einschnitte durch den Verlust der Steuerabgaben der Online Betreiber sein werden, ist bislang nicht bekannt. Es dürfte jedoch davon ausgegangen werden, dass China derzeit mit einem gewissen Wohlwollen auf die Entwicklungen des Glücksspielmarktes in Kambodscha blickt.

 

Dies wiederum wäre die beste Voraussetzung für die Pläne der Regierung, die heimische Wirtschaft neu auszurichten und auf ein breiteres Fundament zu stellen.