Samstag, 03. Dezember 2022

„Besondere Wege“: Krypto-Auktion von Fynn Kliemann wirft weitere Fragen auf

Fynn Kliemann Der Unternehmer und Influencer Fynn Kliemann im Jahr 2016 (Quelle: flickr.com/TINCON, Lizenz CC BY-NC-SA 2.0)

Mit dem Handel und dem damit einhergehenden Wetten auf den Wert geschützter digitaler Werke lässt sich viel Geld generieren. Für Investoren ähnelt der Kauf von NFT oft einem Glücksspiel. Produzenten von NFT können sich nicht selten schnell über hohe Gewinne freuen.

Dies dürfte auch dem Content Creator und Unternehmer Fynn Kliemann (34) klar gewesen sein, als er im Frühjahr vergangenen Jahres bei einer Krypto-Auktion produzierte kurze Musikstücke als NFT  anbot.

Ethereum Coin vor Tastatur

Die Auktion basierte auf Blockchain-Technologie (Quelle:
pixabay.com/Salesblog_at)

Laut in dieser Woche veröffentlichten Recherchen des RBB soll es Zweifel am rechtmäßigen Ablauf der Versteigerung geben. Bereits vor Wochen hatte auch schon YouTuber simpleki die Kliemann‘sche Auktion unter die Lupe genommen und dabei ernsthafte Fragen zum Weg der eingenommenen Krypto-Zahlungen aufgeworfen.

Weitere Fragen zu Unternehmertum von Fynn Kliemann

Anfang der Woche veröffentlichte der wegen des Verdachts des Maskenbetrugs in die Kritik geratene Influencer und Unternehmer Fynn Kliemann ein Statement auf Instagram. In diesem befand er, dass doch jetzt „gut ist“ mit der Empörung um seine Person.

Nur wenige Stunden später veröffentlichte das RBB-Magazin Kontraste Ergebnisse einer Recherche zu einer Versteigerung von Kliemann im März 2021. Bei der Online-Auktion hatte er 99 sogenannte JingleBes angeboten. Die kurzen Musikstücke waren als NFT auf der Blockchain der Kryptowährung Ethereum (ETH) kreiert worden.

Sowohl Kryptowährungen als auch NFT aus dem kreativen Bereich erfreuen sich auch im Glücksspielumfeld wachsender Beliebtheit. So setzen immer öfter auch Online-Casinos auf die Vorzüge der Blockchain-Technologie.

Derweil lauern auch Gefahren hinter den neuen Möglichkeiten. So haben sich unterschiedliche NFT in der Vergangenheit wiederholt als Luftschlösser entpuppt und ihren Investoren hohe Verluste beschert.

Der exzessive Handel mit Krypto-Währungen zeigt Experten zufolge deutliche Parallelen zur Glücksspiel-Sucht. Grund hierfür sind die meist äußerst volatilen Produkte, die beim Trader eine ähnliche Risikobereitschaft wie das klassische Glücksspiel voraussetzen.

Letztlich, so die Kontraste-Reporter, seien die digitalen Werke am 7. März 2021 für insgesamt umgerechnet rund 215.000 EUR an die Meistbietenden gegangen. Problematisch dabei: Statt wie in den Auktions-Bedingungen ursprünglich festgelegt um 20 Uhr, endete die Versteigerung erst um 21 Uhr.

Bei mindestens 84 der Token sollen Gebote den Zuschlag erhalten haben, die nach 20 Uhr das zu diesem Zeitpunkt höchste Gebot übertroffen hätten. So seien umgerechnet rund 68.000 EUR an Kryptowährung mehr erzielt worden, als es bei Auktionsende um 20 Uhr der Fall gewesen sei.

YouTuber folgt der Spur des Geldes

Unabhängig von der Höhe der Krypto-Eingänge hat sich der YouTuber simpleki bereits vor gut einem Monat öffentlich mit einem anderen Aspekt der Krypto-Auktion von Fynn Kliemann beschäftigt. Dabei stellte er in einem gut zehnminütigen Video die Frage: Wo ist das Geld der NFT Kollektion?

Hierzu verfolgte simpleki die Transaktionen, die nach dem Verkauf der NFT aus einem Fynn Kliemann zugeschriebenen Ethereum-Wallet getätigt worden zu sein scheinen.

Laut dem YouTuber sei eher ungewöhnlich, auf wie viele weitere Wallets die Krypto-Einnahmen direkt aufgeteilt worden seien. Von diesen seien sie teils ebenfalls weitergeleitet worden. Auffällig sei auch, dass viele der Transaktionen praktisch zeitgleich erfolgt seien.

Der Grund hinter den teils über mehrere Zwischenstationen laufenden Transaktionen sei aus den via Blockchain nachvollziehbaren Daten nicht ablesbar. Im besten Falle sei der Weg, den die Einnahmen aus Kliemanns NFT-Auktion gegangen seien, als „besonders“ zu bezeichnen, so simpleki in einem in dieser Woche erschienen Folgevideo:

Warum diese Einnahmen diesen besonderen Weg gewählt haben, kann man nur spekulieren. Dass aber diese Einnahmen diesen Weg gegangen sind, konnte ich ganz klar auf der Blockchain nachverfolgen. Die Transparenz der Blockchain macht es eben möglich, solche Geldströme öffentlich nachzuverfolgen.

Die Fahrwasser des einst als alternativen und ein bisschen verpeilten Heimwerkers zur Berühmtheit avancierten Unternehmers Kliemann bleiben unruhig. Wie in der letzten Woche bekanntgeworden war, hat sich die Staatsanwaltschaft Stade eingeschaltet und prüft die Maskenbetrugs-Vorwürfe gegen den 34-Jährigen.

Zeitgleich waren Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Berlin gegen den Influencer Ron Bielecki wegen illegalen Glücksspiels bekannt geworden.

Laut RBB-Bericht halten Rechtsexperten zudem zivilrechtliche Schritte gegen den Fynn Kliemann wegen des verschobenen Auktionsendes für erfolgversprechend. Ob die ungewöhnlichen Wege der Einnahmen der NFT-Auktion ebenfalls weiteres öffentliches Interesse wecken werden, bleibt wohl ebenso abzuwarten wie die Antwort darauf, wann tatsächlich „gut ist“.