, 26.11.2019

Am vergangenen Freitag bekannte sich Pokerspieler Dennis Blieden (30) vor einem kalifornischen Gericht schuldig, als Finanzverantwortlicher einer Influencer-Agentur rund 22 Millionen US-Dollar unterschlagen zu haben. Die Gelder sollen unter anderem in Buy-Ins bei Pokerturnieren geflossen sein. Nun drohen ihm bis zu 22 Jahre Haft.

 

Finanzbetrug und Identitätsdiebstahl

 

Dennis Blieden bei der WPT L.A. Poker Classic

Dennis Blieden belegte den ersten Platz bei der WPT L.A. Poker Classic Season 2017-2018 (Quelle:flickr.com, licensed under CC BY-ND 2.0)

Im Jahr 2018 setzte sich der US-Amerikaner Dennis Blieden bei der  World Poker Tour (WPT) L.A. Poker Classic überraschend gegen ein Feld von 492 Kontrahenten durch. Er sicherte sich den mit einer Million USD dotierten 1. Platz des prestigeträchtigen Turniers.

 

Wie das US-Justizministerium am vergangenen Freitag per Pressemitteilung bekanntgab (Seite auf Englisch), dürfte seine Glückssträhne jedoch nun beendet sein:

 

Im Zuge eines Vergleichs habe sich der 30-Jährige in jeweils einem Fall des schweren Finanzbetrugs und des Identitätsdiebstahls schuldig bekannt. Insgesamt soll Blieden seinen ehemaligen Arbeitgeber, die Influencer-Marketing-Agentur StyleHaul, binnen vier Jahren um rund 22 Millionen USD betrogen haben.

StyleHaul wurde 2011 gegründet und war seit 2014 Teil der RTL-Gruppe. Das Unternehmen, das unter der Bezeichnung „Fashion-Netzwerk“ firmierte, betreute insbesondere in den USA reichweitenstarke Influencer und brachte sie mit Werbekunden wie dem Kosmetikkonzern Maybelline zusammen. Nach Bekanntwerden des Veruntreuungsskandals um Dennis Blieden trat der damalige Chef der RTL-Gruppe Bert Haberts zurück. Die folgenden Umstrukturierungen im Online-Bereich bedeuteten das Ende für StyleHaul.

An den Ermittlungen, die zur Festnahme Bliedens am 10. Juli 2019 in Las Vegas führten, war auch das FBI beteiligt.

 

Millionenzahlungen an Pokerkollegen

 

Von Oktober 2015 bis zu seinem Ausscheiden im März 2019 war Blieden Vizevorsitzender der Marketing- und Finanzabteilung der Influencer-Agentur StyleHaul. In dieser Funktion hatte er vollen Zugang zu den Konten des zu dieser Zeit in Hollywood ansässigen Unternehmens.

 

Spieltische bei der World Poker Tour

Blieden soll die unterschlagenen Gelder auch beim Poker investiert haben (Quelle:World Poker Tour, licensed under CC BY-SA 3.0)

Laut Pressemitteilung sei es den Ermittlern gelungen nachzuvollziehen, dass der 30-Jährige mit den Unternehmensgeldern unter anderem Zahlungen in Höhe von 1,2 Millionen USD an andere Pokerspieler finanziert habe.

 

Mit weiteren 1.134.956 USD habe er Kreditkartenrückstände getilgt. Beträchtliche Teile der unterschlagenen Gesamtsumme sollen zudem ins Pokerspiel geflossen seien.

 

So habe Blieden allein im Februar 2019 an zwei Turnieren teilgenommen, deren Buy-in bei 52.000 respektive 103.000 USD gelegen hätten.

 

Um die illegalen Abbuchungen zu verschleiern, habe Blieden unter anderem Mietkosten für eine fiktive Immobilie der Firma in Mexiko ins Feld geführt. Allein die Zahlungen für die Wohnung werden auf mindestens 230.000 USD beziffert. Weiterhin habe Blieden Überweisungen an Kunden und Spesenabrechnungen gefälscht.

 

Interne Revision bringt Stein ins Rollen

 

StyleHaul soll Anfang dieses Jahres auf die kriminellen Praktiken von Dennis Blieden aufmerksam geworden sein. Eine Revision auf Initiative einer neuen Finanzdirektorin habe ergeben, dass es diverse Unregelmäßigkeiten in der Abteilung Bliedens gegeben habe.

 

Den Firmenverantwortlichen gegenüber habe Blieden im März 2019 gestanden, rund 15 Millionen USD unterschlagen zu haben:

Es hat klein angefangen, im Tausenderbereich. Es hat mit monatlichen Überweisungen begonnen und wurde dann manchmal wöchentlich.

Zu den Gründen befragt erklärte Blieden damals, aufgrund seines problematischen Spielverhaltens in eine finanzielle Schieflage geraten zu sein.

 

Im Zuge dieser Anhörung habe er angegeben, dass von den unterschlagenen Geldern kaum etwas übrig sei. Er verfüge lediglich noch über ein Auto, rund 50.000 USD und kleinere Beträge in Kryptowährungen.

 

Millionenbeträge auf geheimen Kryptokonten

 

Bliedens Angaben zu seiner finanziellen Situation und der Gesamtschadenssumme, so die Anklage, hätten sich jedoch schnell als falsch herausgestellt:

 

Auch nach der StyleHaul-Anhörung soll Blieden bei unterschiedlichen Pokerturnieren hohe Einsätze getätigt haben. Vor seiner Festnahme, dies ergaben Ermittlungen des FBI, sei Blieden zudem in diversen Hotel-Casinos Gast gewesen. Insgesamt soll er während dieser Zeit über drei Millionen USD an Spielautomaten verzockt haben. Auf versteckten Kryptowährungskonten fanden die staatlichen Ermittler weitere 8.473.734 USD.

 

Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft von Kalifornien Dennis Blieden elf Anklagepunkte zur Last gelegt. Damit hätten ihm bei Verurteilung bis zu 200 Jahren Gefängnis gedroht. Durch das im Zuge eines Vergleichs abgegebene aktuelle Geständnis reduziert sich die maximale Haft für den 30-Jährigen auf 22 Jahre. Die Verkündung des Strafmaßes soll am 20. März 2020 erfolgen.