, 05.09.2019

In einer zweistündigen Anhörung stellten sich Vertreter der Buchmacher Bet365, William Hill, Sky Bet und Paddy Power Betfair gestern den Fragen britischer Parlamentsabgeordneter. In einer emotional aufgeladenen Atmosphäre gaben die anwesenden Manager in London Fehler der Industrie im Umgang mit der Spielsucht zu und gelobten Besserung.

 

Parlamentarier „grillen“ Buchmacher

 

Am Mittwoch lud die Gambling Related Harm All Party Parliamentary Group (GRHAPPG) die Vorstände der großen Buchmacher zum Gespräch in London. Die überparteiliche Initiative des Parlaments setzt sich seit Jahren massiv für den Spielerschutz in Großbritannien ein.

Die GRHAPPG setzt sich aus zehn Parlamentsmitgliedern zusammen. Vorsitzende ist die Labour Abgeordnete Carolyn Harris (58) aus Wales. Die GRHAPPG sieht sich selbst als Forum zur Diskussion und Erforschung schädlicher Auswirkungen des Glücksspiels auf die Gesellschaft. Ihre Arbeit war maßgeblich mitverantwortlich für die im Mai erfolgte Einführung eines gesenkten Einsatzlimits in Höhe von 2 GBP an britischen Wettautomaten, den sogenannten FOBT.

Kurz vor dem Treffen war es zu Unstimmigkeiten gekommen, weil einige Vorstandsvorsitzende der Wettanbieter sich hatten entschuldigen lassen. Statt ihrer entsandten die Unternehmen Stellvertreter.

 

GVC Holdings, Betreiber von Branchenführer Ladbrokes Coral, verzichtete unter Berufung auf terminliche Überschneidungen ganz auf die Teilnahme. Hierfür erntete das Unternehmen harsche Kritik.

 

Branche für Suizide verantwortlich?

 

Auch für die anwesenden Manager der Buchmacher Bet365, William Hill, Sky Bet und Paddy Power Betfair dürfte sich die Anhörung als schwierig gestaltet haben. So konfrontierte die Vorsitzende der GRHAPPG, die Labour-Abgeordnete Carolyn Harris, die Industrievertreter unumwunden mit den dramatischen Folgen, die das Glücksspiel nach sich ziehen kann.

 

Den Tränen nahe verwies sie auf Suizide, die in direkter Verbindung zur Spielsucht begangen würden. Im Raum befänden sich unter anderem Menschen, die Angehörige auf diesem Wege verloren hätten, so Harris. So sehr sie sich bemühe, der Branche mit Respekt entgegenzutreten, falle ihr dies zeitweise schwer.

 

In der direkten Ansprache forderte sie die Buchmacher auf, Verantwortung zu übernehmen:

Stimmen Sie zu, dass die Branche Schaden angerichtet hat? Hier im Raum befinden sich Personen, die durch diese Industrie großen Schaden erlitten haben. Viele haben geliebte Menschen verloren, einige haben ihr Zuhause und ihren Lebensunterhalt verloren, alle haben ihre Würde verloren.

Möchte sich jemand von Ihnen für die Rolle entschuldigen, die Ihr Unternehmen dabei gespielt hat, diesen Menschen Schaden zuzufügen?

Schätzungen gehen davon aus, dass rund 340.000 Briten unter einer pathologischen Spielsucht leiden. Die Abhängigkeit soll für bis zu zwei Suiziden pro Werktag mitverantwortlich sein.

 

Manager zeigen sich einsichtig

 

William Hill Filiale

Auch Vertreter von Buchmacher Wlliam Hill stellten sich der Anhörung (Quelle:flickr.com/Alan Stanton, licensed under CC BY-SA 2.0)

Der Appell blieb nicht ungehört. So erklärte Dan Taylor, CEO des Europazweiges von Paddy Power und Betfair Betreiber Flutter, die Industrie habe schwere Fehler gemacht und persönlichen Schaden angerichtet.

 

Ian Proctor, CEO von Buchmacher Sky Bet, fügte hinzu, dass Verbesserungen dringend nötig seien und man dies in der Vergangenheit nicht ausreichend beachtet habe.

 

Bet365-Chef John Coates erklärte, den Ausführungen seiner Kollegen vollständig zuzustimmen und gab an, dass rund einer von 13 Kunden seines Unternehmens im vergangenen Jahr Zeichen einer Spielsucht gezeigt habe. Flutter-Vertreter Taylor sprach von monatlich rund 70.000 Nutzern der Angebote seines Unternehmens, die entsprechende Verhaltensweisen aufwiesen.

 

Buchmacher William Hill erklärte, bereits jetzt jährlich rund 30 Prozent seiner sogenannten VIP-Kundenkonten zu sperren, weil die Inhaber ein problematisches Spielverhalten zeigten.

 

Mahnung angekommen?

 

Im Anschluss an die Anhörung zeigten sich Beobachter einverstanden mit dem Auftritt der Buchmacher. So erklärten die Gründer der Spielerschutzorganisation Gambling with Lives (Seite auf Englisch), Liz und Charles Ritchie, sie seien erleichtert, dass die Verantwortlichen um Entschuldigung für den Schaden, den ihre Produkte in Familien anrichteten, gebeten hatten. Der Sohn des Ehepaares hatte sich im Zuge seiner Spielsucht das Leben genommen.

 

Britische Medien beschrieben die Atmosphäre während der Anhörung als gedrückt und sehr emotional. Ob die anwesenden Industrievertreter diese auf ihre Vorstandsetagen transportieren werden, wird die Zeit zeigen.

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