, 28.10.2018

Nach der im Sommer in den USA in Kraft getretenen Legalisierung von Sportwetten bringen sich die großen Glücksspiel-Konzerne in Stellung: Immer mehr Unternehmen schließen millionenschwere Sponsoring-Verträge mit den Clubs der verschiedenen Ligen im US-Sport ab.

 

Obwohl die Legalisierung noch kein halbes Jahr alt ist, hat bei den Glücksspiel-Anbietern bereits ein wahrer Run auf die Clubs eingesetzt. Denn obwohl die Auswahl angesichts der vielen Vereine in den populären Football-, Baseball-, Basketball- oder Eishockeyligen groß erscheint, ist das Angebot insgesamt limitiert. Kein Wunder, dass die Unternehmen deshalb bestrebt sind, möglichst schnell langfristige Verträge mit den einzelnen Teams abzuschließen.

 

William Hill unterstützt US-Eishockey-Team

Das Wettbüro von William Hill hat in dieser Woche mitgeteilt, dass es das NHL-Team der New Jersey Devils sponsern wird. Das Engagement wird es dem Buchmacher künftig erlauben, mit einer eigenen “William Hill Sports Lounge” in der Arena des Clubs Präsenz zu zeigen.

Sportwetten in den USA
Bis zu diesem Sommer konnten Zocker aus vielen Teilen der USA nur über höchstens halblegale Umweg online Sportwetten abgeben. Lediglich in Nevada, dem Heimatstaat des Spielerparadieses Las Vegas sowie in Oregon, Montana und Delaware waren die Wetten erlaubt. In den übrigen Bundesstaaten war das Wettgeschäft mit Sportergebnissen hingegen für über 25 Jahre verboten. Das hat sich im Mai 2018 nach einer Entscheidung des US Supreme Courts geändert. Seitdem dürfen die einzelnen Bundesstaaten der USA individuell entscheiden, inwieweit sie Sportwetten zulassen.

In der Lounge werden an den Spieltagen der NHL die Matches auf über 20 Bildschirmen präsentiert und bei den mehr als 175 zusätzlichen Events in der Halle andere Live-Sportveranstaltungen übertragen. Der Clou der Lounge ist, dass Gäste dort neben den Spielen die jeweils aktuellsten Wettquoten von William Hill angezeigt bekommen.

 

Wer angesichts der Quoten Interesse an einer eigenen Wette hat, erhält vom Personal Unterstützung beim Download der Smartphone-App von William Hill, denn die Einrichtung von Tippschaltern ist untersagt. Es ist der erste Deal dieser Art in der NHL, welche sich darum bemüht, das Angebot von Sportwetten in den Arenen ihrer Teams zu limitieren.

 

William Hills Sponsoring wird komplettiert durch die Präsenz auf Werbebannern, bei Fanfesten sowie im Clubeigenen Online- und Radioprogramm.

 

Baltimore Ravens gehen Partnerschaft mit dem Horseshoe Casino ein

Das Football-Team der Baltimore Ravens hat mit dem Horseshoe Casino einen Sponsoring-Partner aus seiner Stadt gefunden. Wie der Club bekanntgab, wird das dort ansässige Glücksspiel-Resort den Verein ab sofort für mehrere Jahre unterstützen.

 

Logo der Baltimore Ravens

Logo der Baltimore Ravens (Bild: Wikipedia)

Das Casino, das zu dem Glücksspiel-Konzern Caesars Entertainment gehört, erhofft sich von dem Sponsoring eine wachsende Bekanntheit über die Region hinaus. Die Kooperation soll auch dazu dienen, die Gegend, in der sich beide Partner befinden, touristisch aufzuwerten.

 

Die geografische Nähe zu dem Casino hat nach Auskunft der Ravens bereits in der Vergangenheit dazu geführt, dass die Fans das Etablissement gerne vor und nach den Heimspielen der Mannschaft im benachbarten M&T Bank Stadion aufsuchen.

 

Deshalb ist geplant, in dem Casino eine große Bar unter dem Logo der Ravens zu eröffnen. Im Gegenzug erhält Horseshoe die Gelegenheit, sich bei den Spielen des Vereins auf den Werbeflächen im Stadion zu präsentieren.

 

Immer mehr Sponsoren treten auf den Plan

Weitere Kooperationen wurden zudem bereits zwischen der Basketballliga NBA und dem Casinobetreiber MGM International sowie dem Winstar World Casino und den Dallas Cowboys aus der Footballliga NFL geschlossen.

 

Bei den Deals wurde die Höhe der Sponsoring-Gelder nicht bekanntgegeben. Angesichts der sonst üblichen Summen kann man jedoch davon ausgehen, dass sie sich jeweils im mehrstelligen Millionenbereich bewegen.

 

Das Sponsoring-Engagement ist für die Clubs nur ein Teil des milliardenschweren Geldsegens, der ihnen nach der Entscheidung des US-Gerichts winkt. Demnach dürfen die Vereine durch den Verkauf von zusätzlichen Medienrechten oder die Beteiligung an den Wetteinnahmen auf zusätzliche jährliche Einnahmen in Milliardenhöhe spekulieren.

 

Auch in Deutschland sponsert das Glücksspiel viele Clubs

Das Sport-Sponsoring mag in den USA eine neue Erlösquelle für die Vereine sein, in Europa und insbesondere auch Deutschland ist dies seit Jahren gang und gäbe. Ob im Fußball, Handball oder Eishockey, mittlerweile bauen viele Teams auf die lukrativen Einnahmen, die sie mit Sportwetten und anderen Glücksspiel-Anbietern generieren.

 

Dies ist umso bemerkenswerter, da sich hierzulande gerade der Online-Glücksspielmarkt in einer rechtlichen Grauzone bewegt. Die Sponsoren sind folglich stets nur wenige Schritte von der Illegalität ihres Geschäftsmodells entfernt, sollte der Gesetzgeber eine Verschärfung der rechtlichen Grundlagen einführen.

Bastian Schweinsteiger gibt dem Glücksspiel ein Gesicht
Dass die Szene nicht nur auf ganze Clubs setzt, zeigt sich in diesen Tagen eindrucksvoll an dem ehemaligen Fußballnationalspieler und Weltmeister Bastian Schweinsteiger. Dieser tritt in einer großangelegten Werbekampagne für die Deutsche Automatenwirtschaft als Testimonial auf. Unter dem Motto “Wir spielen fair” setzt er sich dabei für eine Gleichberechtigung von physischen Spielautomaten und Wettangeboten mit ihren Onlinependants ein.

Kritiker monieren an der Kampagne, dass sie die großen finanziellen und sozialen Probleme, die Spielhallen bei spielsüchtigen Menschen erzeugen, vollständig außer Acht lassen würde. Auch komme der Aspekt des Schutzes von Jugendlichen vor dem Glücksspiel zu kurz.

Für die Konzerne aus der Branche wäre die Verschärfung von Glücksspielgesetzen ein schwerer Schlag, aber auch die gesponserten Clubs wären von entsprechenden Beschränkungen unmittelbar betroffen. Deshalb hoffen nicht nur die Verantwortlichen in den Vorstandsetagen von Gauselmann, Novomatic und Co., dass die bisherige Regelung noch möglichst lange fortbesteht.

 

Vor ähnlichen Problemen stehen die Unternehmen und Clubs in den USA nach der weitreichenden Legalisierung fürs Erste nicht. Im Gegenteil: Hier hat der Boom gerade erst begonnen.

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