, 16.11.2019

Die britische Bankengruppe Halifax bietet ihren Kunden ab sofort an, ihre Bankkarten selbst für das Glücksspiel zu sperren. Damit schließt sich Halifax weiteren britischen Banken wie der HSBC an, deren Kunden Glücksspiel-Transaktionen blockieren können.

 

Entsperren nur nach zweitägiger Wartezeit möglich

 

Kunden der Halifax Bank steht in ihrer mobilen Halifax-App ab sofort die Funktion „Einfrieren von Glücksspielkarten“ zur Verfügung. Wird die Funktion aktiviert, sind alle Transaktionen im Zusammenhang mit Glücksspielen für die Debit- oder Kreditkarten gesperrt.

 

Möchten Kunden diese Funktion wieder deaktivieren, müssen sie mindestens 48 Stunden warten, bis sie ihre Karte wieder für Glücksspiel-Transaktionen nutzen können. Diese „Auftauzeit“ solle verhindern, dass Spieler ihre Entscheidungen in Eile träfen und sie sollten ausreichend Zeit erhalten, um darüber nachzudenken, ob sie die Glücksspiel-Transaktionen tatsächlich durchführen möchten.

 

Elyn Cornfield, Geschäftsführerin des Bereichs Konsumfinanzierung, sagte:

„Wir wissen, dass Menschen, die einen höheren Anteil ihres Einkommens verspielen, mit größerer Wahrscheinlichkeit einem finanziellen Druck ausgesetzt sind – daher haben wir das Freeze-Tool eingeführt, um ihnen zu helfen, dies zu bewältigen. Wichtig ist, dass wir mit der Einführung einer Auftauzeit helfen, jene zu schützen, die andernfalls impulsiv zum Glücksspiel zurückkehren könnten.“

Die Möglichkeit, die Bankkarten für das Glücksspiel zu blockieren sei nur eine der Maßnahmen, die Halifax für den Spielerschutz eingeführt habe. Des Weiteren biete die Bank Schulungen für Mitarbeiter an, die im Kundenservice tätig seien und arbeite zusammen mit der Warwick University an einer Analyse der vom Glücksspiel verursachten Schäden. Die Ergebnisse der Studie sollen an die Gambling Commission und andere externe Organisationen weitergeleitet werden, sobald sie vorliegen.

 

Maßnahmen weiterer britischer Banken

 

HSBC, HSBC Bank, HSBC UK

Die HSBC Bank hatte bereits Mitte der Woche verkündet, dass Spieler ihre Konten und Karten für Glücksspiel-Transaktionen sperren können. (Bild: Flickr/Insider Monkey)

Die Halifax Bank schließt sich mit diesen Maßnahmen einer Reihe von britischen Banken an, die ihren Kunden ebenfalls die Möglichkeit bieten, Glücksspiel-Transaktionen zu blockieren.

 

So hatte die HSBC Bank Mitte der Woche angekündigt, sie werde ihren Kunden ab sofort diesen Service bieten.

Laut HSBC hätten im Jahr 2018 etwa 500.000 Kunden jeden Monat Wetten platziert und hierbei durchschnittlich 52,50 Pfund Sterling ausgegeben. Im vergangenen Jahr seien mehr als 12.000 Anrufe zum Thema Glücksspiel eingegangen.

 

Wie die Expertin für Glücksspielverhalten, Dr. Heather Wardle beschreibt, sei der Finanzsektor ein Schlüsselelement der Glücksspielbranche und es sei richtig, dass Banken und Finanzinstitute den Spielerschutz ernst nähmen.

Finanzinstitute wie Barclays, Starling, Monzo, Lloyds Bank, die Bank of Scotland und MBNA bieten ihren Kunden ebenfalls die Möglichkeit an, ihre Konten und Karten für das Glücksspiel zu sperren. Die HSBC Bank gilt, die die britische Tageszeitung The Guardian [Seite auf Englisch] ausführt, jedoch als bisher größte Bank, die sich für diese Maßnahme entschieden hat.

 

Der Zahlungsdienstleister PayPal hatte schon im Februar zugesagt, Glücksspieltransaktionen schärfer zu kontrollieren. Der Zusage waren Medienberichte vorausgegangen, nach denen es Spielsüchtigen möglich gewesen sein soll, über den Zahlungsdienst bis zu 150.000 Pfund Sterling pro Tag für Glücksspiele auszugeben.

Als weitere britische Bank kündigte NatWest Anfang des Monats neue Maßnahmen zum Spielerschutz an. Die Bank will in Zusammenarbeit mit der Wohltätigkeitsorganisation GamCare in ihren Filialen ungenutzte Räume für die Beratung von Problemspielern anbieten.

 

Dieser Service solle nicht nur Bankkunden zur Verfügung stehen, sondern frei zugänglich sein. Zuvor würden die Mitarbeiter im Kundenservice geschult werden und es werde ein neues Gremium gebildet. Dieses setze sich aus Experten aus dem Bereich der Banken, der Schuldnerberatung, der Glücksspielbehandlung und der Glücksspielbranche zusammen und schaffe neue Tools und standardisierte Unterstützungsangebote für all jene, die finanzielle Schäden im Zusammenhang mit dem Glücksspiel erleiden würden.

 

Angesichts des zunehmenden Engagements der britischen Banken bleibt abzuwarten, ob weitere Finanzinstitute in Europa nachziehen und die Glücksspielsperre als Standard-Funktion ins Online-Banking und in die Banking-Apps integrieren werden.

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