, 04.10.2017

Eine Person benutzt ein Smartphone

Immer mehr Menschen spielen über ihr Smartphone in Online Casinos. (Bildquelle)

Einer Studie der britischen National Problem Gambling Clinic (NPGC) zufolge, ist die Zahl der Personen mit einer Abhängigkeit von mobilem Glücksspiel seit 2012 signifikant gestiegen. Rund 39 % Zuwachs an Patienten mit durch das Smartphone verursachtem problematischem Spielverhalten verzeichnete die Klinik in einen Zeitraum von fünf Jahren. Waren im Untersuchungszeitraum 2012/2013 noch 24 % von mobiler Glücksspielsucht betroffen, so erreichte dieser Wert für die Jahre 2016/2017 schon 63 %. Neben dem klassischen Desktop-Computer haben sich Tablet und Smartphone zu den wichtigsten Medien für digitale Aktivitäten entwickelt. Aber nicht nur die Betroffenenzahlen beim sogenannten Mobile Gambling sind gestiegen, auch die Gesamtzahl der eingewiesenen Personen hat sich um 146 Menschen erhöht. Diese Entwicklung ist trotz anhaltender Bemühungen der Politik, Spielsucht einzudämmen, zu beobachten.

 

Casino Apps bergen großes Suchtrisiko

In den Jahren 2012/2012 wurden insgesamt 632 Fälle von Spielsucht in der Klinik behandelt. 2016/2017 betrug diese Zahl bereits 778, was einem Anstieg von 146 Personen entspricht. 63 % der Patienten leiden an Problemen in Zusammenhang mit mobilem Glücksspiel, 59 % haben mit FOBTs zu kämpfen, weitere 59 % sind abhängig von Sportwetten über Buchmacher und 6 % spielen auffällig viel Bingo. Für den Arzt und Psychologe Dr. Neil Smith von der NPGC war der Trend zum Smartphone jedoch absehbar:

„Der Gebrauch von Smartphones als Glücksspielplattform […] ist keine Überraschung angesichts ihrer Allgegenwärtigkeit in unserer Gesellschaft.“

Große Gefahrenquelle sind laut der Studie Casino Apps. Diese Casino Software ermöglicht das ortsunabhängige Spiel per Mobilgerät und wird von Anbietern mitunter besonders gefördert. Seitdem Google diesen August überraschend Glücksspiel-Apps in seinem Play Store zugelassen hat, haben Spieler zudem noch einfacher Zugriff auf die Apps von Online Casinos.

 

Anbietergebundener Check statt freiwilliger Selbstkontrolle

Tony Franklin erholt sich aktuell von seiner Suchterkrankung und macht sich für das Thema Spielsuchtprävention stark. Er fordert von der Regierung, sicherzustellen, dass Kunden ihre Wetteinsätze auch finanzieren können. Die Erfahrung habe gezeigt, dass anstatt des bisherigen Systems der freiwilligen Selbstkontrolle eine verpflichtende Überwachung durch den Anbieter eingeführt werden müsse, die sicherstelle, dass sich niemand mehr verschulde. Aus seiner Vergangenheit erzählt er:

„Sobald man ein Konto hat, kann man über Apps auf seinem Smartphone oder Tablet spielen. Überall. Da gibt es kein Entkommen mehr. Einmal saß ich in einem Meeting und habe 1.000 Pfund auf eine einzige Zahl beim Roulette gesetzt.“

Softwarehersteller in Großbritannien arbeiten bereits an einer Anwendung, die Casino Apps bei nachweislich suchterkrankten Menschen sperren soll. Aufgrund der mangelhaften Kooperation einiger Anbieter sei dies eine der wenigen effektiven Möglichkeiten, selbst die Initiative zu ergreifen und so sicherzustellen, dass die Verfügbarkeit von Angeboten eingeschränkt wird. Die Remote Gambling Association des Vereinigten Königreichs setzt sich ebenfalls für verantwortungsvolles Spiel ein und auch das Ministerium für Digitales, Kultur, Medien und Sport kündigte bereits eine umfassende Untersuchung des Glücksspielsektors an. Schon diesen Oktober will das Parlament über eine Herabsetzung der Einsatzgrenzen bei den umstrittenen FOBTs beraten.

 

Smartphone schon im Kindesalter

Auch in Deutschland gehen Fachleute davon aus, dass der Markt für mobiles Spiel mit fortschreitender Digitalisierung wächst. Eine Studie des Handelsblatt Research Institutes prognostiziert die zunehmende Popularität von Online Casinos, allerdings ohne dabei explizit auf die dazugehörigen Apps einzugehen. Im Drogen- und Suchtbericht der Bundesregierung vom Juli 2017 wird zwar ebenfalls nicht im Detail auf das Thema Mobile Gambling eingegangen, doch zumindest eine Studie der FH Köln vorgestellt, die zeigt, dass bereits 75 % der Kleinkinder in Deutschland im Alter von 2 bis 4 Jahren bis zu 30 Minuten pro Tag mit Smartphones verbringen. Kinder, die bereits in jungen Jahren viel Zeit mit Spielen am Smartphone oder digitalen Medien verbringen, wiesen zudem eine höhere Anfälligkeit für Hyperaktivität und Sprachentwicklungsstörungen auf.

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