, 18.11.2013

Atlantic City setzt auf legales Online-Glücksspiel

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Seit Mitte der 2000er Jahre hat die Rentabilität der Casinos in Atlantic City stark nachgelassen. Die Casinos in der 40.000-Einwohner-Stadt im US-Bundesstaat New Jersey setzten 2012 nur ca. drei Milliarden US-Dollar um. Der Umsatz halbierte sich innerhalb der letzten Dekade fast. Nicht nur die allgemeine Wirtschaftslage macht den Casinos zu schaffen, sondern auch die Konkurrenz aus angrenzenden Bundesstaaten wie Pennsylvania.

Die Casinos von Atlantic City setzen nun ihre Hoffnung auf die Legalisierung des Online-Glücksspiels. Dies mag auf den ersten Blick seltsam erscheinen, denn Spieler, die sich auf dem Computer oder Handy einloggen können, müssten ja nicht mehr die möglicherweise lange und unbequeme Autofahrt nach Atlantic City auf sich nehmen. Verfolgt man diesen Gedankengang weiter, so erscheint es logisch, dass die Casinos vor Ort unter zusätzlichen Online-Wettangeboten leiden werden. Und in letzter Konsequenz dann natürlich auch umliegende Geschäfte und Restaurants.

Einige prominente Vertreter der Branche haben sich erwartungsgemäß gegen die Legalisierung des Online-Glücksspiels ausgesprochen. Einer der Gegner ist Sheldon Adelson, Milliardär und CEO des größten Casino- und Unterhaltungsunternehmens der Welt. Im Juni bezog er sowohl in einem TV-Interview als auch in einer Gastkolumne des Forbes-Magazins gegen die zunehmende Legalisierung des Online-Glücksspiels Stellung. Er behauptete allerdings, dass seine Casinos von eventuellen finanziellen Konsequenzen nicht betroffen wären und dass er das Online-Glücksspiel allein deshalb verdamme, weil es unmoralisch sei.

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Wenn das Spielen im Casino jederzeit auch zuhause und unterwegs möglich wäre, würde es z. B. schwächere Bevölkerungsgruppen, die es sich nicht leisten könnten, zum Spielen verleiten. Auch gäbe es keine effektiven Kontrollen, wodurch Minderjährige ungehindert Zugriff hätten. Auslöser für die Meinungsäußerungen von Adelson scheinen die Entwicklungen der vergangenen Monate gewesen zu sein.

Sowohl in Nevada und Delaware als auch in New Jersey wurden Gesetze verabschiedet, bzw. auf den Weg gebracht, die Online-Glücksspiel innerhalb bestimmter Rahmenbedingungen erlauben. Der nächste Staat, der voraussichtlich eine entsprechende Gesetzgebung verabschieden wird, ist Pennsylvania, wo im April eine entsprechende Maßnahme auf den Weg gebracht wurde.

Trotz der von Adelson angemeldeten Bedenken sehen die Casinos von Atlantic City die Legalisierung des Online-Glücksspiels als Chance. Viele von ihnen haben bereits angefangen, mit Online-Anbietern über Partnerschaften zu verhandeln. Der Gesetzgeber gibt Atlantic City eine Hilfestellung, denn nur existierende Casinos können eine Lizenz für Online-Glücksspiel beantragen. Spieler müssen sich zudem einmal vor Ort ausweisen und anmelden.

Bis zum 29. Juli können noch Anträge eingereicht werden. Zwei Kooperationen zwischen Casinobetreibern in Atlantic City und Online-Glücksspielspezialisten wurden bereits bekanntgegeben. Caesars Entertainment, das vier Casinos in Atlantic City betreibt, wird mit 888 zusammenarbeiten, einer Holding, die in Gibraltar sitzt. Boyd Gaming, welches das Borgata betreibt, wird mit Bwin.party kooperieren.

Es sind zwei Aspekte, die New Jersey für Investoren besonders attraktiv machen. Aufgrund der Nähe von New York City und Pennsylvania erweitert sich der Einzugsbereich von den ungefähr 9 Millionen Einwohnern von New Jersey auf insgesamt 19 Millionen. Potenzielle Spieler müssten nur wenige Meilen fahren, um sich physisch in New Jersey zu befinden und könnten dann online spielen. Im Gegensatz dazu hat z. B. Nevada, der Vorreiter unter den Bundesstaaten, nur knapp drei Millionen Einwohner und hat außerdem nur Online-Poker legalisiert. New Jersey plant hingegen, alle Arten von Casinospielen zuzulassen.

Und so setzen die Casinos von Atlantic City darauf, dass ein Online-Angebot dabei helfen wird, neue Kunden anzulocken. Geplant sind z. B. Treueprogramme, bei denen Spieler Punkte sammeln und diese dann gegen Mahlzeiten und Getränke im Casino eintauschen können. Der Übergang vom Casino zum Internetangebot muss nahtlos und wohldurchdacht sein.

Wie jedoch die Insolvenz der amerikanischen Buchhandelskette Borders gezeigt hat, ist die zunehmende Verfügbarkeit von Online-Geschäftsmodellen ein kritischer Punkt, wenn es darum geht, den Fortbestand traditionell lokaler Angebote zu sichern. Der Gesetzgeber hat vorgesehen, dass die Online-Angebote bereits ab Herbst 2013 zur Verfügung stehen sollen. Und so wird das nächste Jahr zeigen, wie die Zukunft der Casinos von Atlantic City aussehen wird.

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