, October 30, 2015

Pferderennen

Damit in Zukunf in Großbritannien weiter auf Pferderennen gewettet werden kann, sollen sich Buchmacher mit ihren Umsätzen an der Erhaltung des Sports beteiligen. (Bildquelle: Wikimedia.org)

Seit jeher haben die Briten eine besondere Leidenschaft für Sportwetten. Heutzutage kann in Großbritannien auf alles gewettet werden: Das Wetter an Weihnachten, der Name des nächsten Kindes von Prinz William und Kate oder wann der erste Außerirdische auf der Erde landet. Die ältesten Sportwetten wurden aber auf Pferderennen abgegeben. Schon immer werden ein Großteil der Veranstaltungskosten und Preise im Pferderennsport durch die Wettleidenschaft der Besucher an den Rennbahnen und durch die Wetter bei den Buchmachern getragen. Damit das auch so bleibt, gingen nun in Großbritannien Pferderenn-Betreiber in die Offensive.

Letzte Woche veröffentlichte die „Arena Racing Company“ (ARC), die 15 Pferderennbahnen in Großbritannien betreibt, ein Statement. In diesem Statement bekräftigte die ARC, dass man den Plan der British Horseracing Authority (BHA) unterstütze. Der Plan sieht vor, dass Sportwetten-Anbieter nur noch eine Sponsoring-Partnerschaft mit Pferderennen-Betreibern eingehen dürfen, wenn sie entweder einen Teil ihrer Pferdewetten-Einnahmen direkt an die Betreiber abtreten oder in den Zusatzabgaben-Fond für Pferderennen einzahlen.

„Wichtig für gemeinsame Zukunft von Pferderenn- und Wettbranche“

Zusammen mit der British Horseracing Authority kontrolliert die ARC die Hälfte der britsischen Pferderennbahnen, darunter auch die Traditionsreichen Bahnen in Cheltenham, Aintree, Epsom und Newmarket. Der BHA CEO Nick Rust freute sich über das gemeinsame Vorgehen. Dies sein ein wichtiger, kooperativer und zukunftssicherer Ansatz für die Beziehungen zwischen der Pferderenn- und der Wettbranche. Im März wollte die Regierung in London eigentlich ein Gesetz einführen, welches den Zusatzabgaben-Fond für Pferderennen ersetzen sollte. Doch das Gesetz zur Pflichtabgabe konnte noch nicht verabschiedet werden, da es gegen europäisches Recht verstößt.

Die bestehenden Partnerschaften zwischen Rennbetreibern oder Rennen und den Buchmachern sollen noch bis Ende dieses Jahres bestehen bleiben. Danach dürfen nur noch Sportwetten-Anbieter, welche die Rennen finanziell durch ihre Wett-Umsätze unterstützen autorisierte Wett-Partnerschaften abschließen. Durch bestimmte Vorteile wie Live-Rennbahn-Daten, Vorzugspreise für Online-Live-Streams und ein Mitspracherecht bei der Gestaltung der Rennpläne, sollen die Wett-Anbieter einer Partnerschaft gegenüber positiver gestimmt werden.

Führender Pferdewettanbieter SkyBet leistet keine Abgaben

Nach aktuellem Stand würden in Großbritannien nur drei Buchmacher die in dem Statement geforderten Bedingungen erfüllen: Bet365, 32Red und Betfair. Die beiden erstgenannten zahlen 10,75 Prozent ihrer Pferdewettenumsätze in den Zusatzabgaben-Fond ein. Betfair hatte im Jahr 2012 einen speziellen Abgaben-Deal mit der BHA unterzeichnet. Buchmacher wie Betfred, Coral, Ladbrokes und William Hill haben neben den Zahlungen in den Fond aus den Umsätzen ihrer Wettshops zusätzlich 4,5 Mio. Pfund freiwillig für ihre Online-Einnahmen beigesteuert. Durch weitere Zahlungen in dieser Größenordnung hätten die vier Buchmacher laut der BHA auch ein Anrecht als autorisierter Wett-Partner. Der Buchmacher mit den meisten Partnerschaften zu der Pferderenn-Branche, SkyBet, zahlt aktuell nichts in den Fond ein. Man habe sich laut einem Sprecher noch nicht entschieden, ob man autorisierter Partner werden möchte.

Pferdewetten in Deutschland

Ein Großteil der Pferdewetten wird in Deutschland bei den Rennen selbst abgegeben. Was Online-Buchmacher betrifft, gibt es mit RaceBets.com, IBA Entertainment Ltd. und dem Hamburger Renn-Club e.V. drei Anbieter, die eine behördliche Erlaubnis für die Veranstaltung von Pferdewetten im Internet besitzen. Bei Pferdewetten werden im Jahr 2015 fünf Prozent Wettsteuern erhoben. Vor dem neuen Glücksspielstaatsvertrag aus dem Jahr 2012 gab es für Pferdewetten noch eine Steuer von 16,66 Prozent. Für den Spieler sind Gewinne aus Pferdwetten steuerfrei, da sie als Glücksspielgewinne gelten.

Die Zahlen der Pferdesport-Wettbranche scheinen in Deutschland auf den ersten Blick rückläufig. Anfang der neunziger Jahre hatte der deutsche Pferderennsport, das heißt Traber und Galopper, noch einen Wettumsatz von 350 Millionen Euro erzielt. Im vergangenen Jahr lag dieser bei einem Niveau von zirka 50 Millionen Euro. Wie bei den anderen Sportwetten fließt ein großer Teil der Gelder an Internet-Anbieter mit Sitz im europäischen Ausland. So soll der Gesamt-Umsatz inklusive aller nicht-lizensierten Buchmacher bei jährlich 600 Millionen Euro liegen. 90 Prozent der Umsätze sollen dabei aber an der Steuer vorbeigeschleust werden. Auch diese fehlenden Mittel schaden der Branche. Experten fordern hier auch eine zentralisierte Glücksspielkommission, die Lizenzen vergibt und nicht erlaubte Anbieter durch eine Art schwarze Liste sperren lässt. Anbieter, die sich nicht an die Regeln halten, könnten dann mit schweren Strafen belegt werden. Die Zukunft wird zeigen, ob in Deutschland die Wett-Gelder stärker in den Pferderennsport fließen werden.