, June 21, 2017

ESL One Manila

eSports und Games haben es in die Koalitionsverträge von NRW und Schleswig-Holstein geschafft. (Bild: en.esl-one.com)

 

Die neuen Regierungen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein haben dieser Tage ihre Koalitionsverträge vorgestellt. Beide Vereinbarungen berücksichtigen die Themen Games respektive eSports. So legt die schwarz-gelbe Koalition in NRW ihren Fokus auf die Förderung der Games-Branche, während das Jamaika-Bündnis in Schleswig-Holstein die gesellschaftliche Integration von eSports anstrebt.

 

Mit der politischen Annäherung an Games und eSports setzen Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein ein wichtiges Zeichen. Sie sind die ersten Bundesländer, die sich offiziell mit diesen Themen beschäftigen und ihre Förderung in ihre Regierungsziele aufgenommen haben.

 

Auf diese Weise soll die Digitalisierung in der Bundesrepublik vorangetrieben und die Standorte NRW und Schleswig-Holstein als moderne Vorzeigeregionen etabliert werden. Die Neuerungen fallen in die Amtszeit der beiden designierten CDU-Ministerpräsidenten Daniel Günther (Schleswig-Holstein) und Armin Laschet (NRW).

 

Medienland Nordrhein-Westfalen

Deutschlands bevölkerungsstärkstes Bundesland ist mit Großstädten wie Köln oder Düsseldorf seit jeher ein wichtiger Medien- und Digitalstandort. Mit Verweis auf führende Veranstaltungen und Messen in Nordrhein-Westfalen wie etwa die Gamescom (Unterhaltungselektronik & Video- und Computerspiele), die Angacom (Breitband, Kabel & Satellit) oder die dmexco (digitales Marketing & Werbung), unterstreichen CDU und FDP das Potenzial des Medienstandortes NRW.

 

Mit der ESL One Cologne findet außerdem jedes Jahr eins der wichtigsten und größten Events für CS: GO Spieler auf der ganzen Welt in Köln statt. Auch einschlägige Unternehmen wie Ubisoft (Düsseldorf) oder Electronic Arts (Köln) haben ihre Deutschland-Niederlassungen in NRW.

 

Games-Branche von großer kultureller und wirtschaftlicher Bedeutung

Im Koalitionsvertrag von CDU und FDP räumen die beiden Parteien den digitalen Medien eine besondere Bedeutung ein und machen den Ausbau und die Förderung medialer und digitaler Phänomene wie etwa der Games-Branche zu ihren erklärten Zielen.

 

So soll der kulturellen und wirtschaftlichen Bedeutung der Games-Entwicklung Rechnung getragen werden. Man wolle NRW in den nächsten Jahren zu einem „Medien-Digital-Land“ machen und „die Games-Entwicklung nach Kräften fördern“:

„Nordrhein-Westfalen ist ein Medienland, dessen Profil wir wieder deutlich schärfen und zu dem eines Medien-Digital-Landes weiterentwickeln wollen. Dafür werden wir die Rahmenbedingungen für die Medienbranche verbessern und insbesondere vor dem Hintergrund der Digitalisierung zukunftsfähig gestalten. Dabei binden wir […] die wachsende und kreative Software-und Games-Szene mit ein.“

So sieht der Koalitionsvertrag auch die Einrichtung eines sogenannten „Exzellenz-Startup-Centers“ für die Games-Branche vor und will so Geschäfts- und Forschungsaktivitäten in diesem Bereich unterstützen:

„Wir werden in einem Exzellenz-Startup-Center einen Schwerpunkt „Unterhaltungs-Software/Games“ als Gründungs-und Wachstumsnetzwerk zwischen Startups, Unternehmen, (Weiter-)Bildungseinrichtungen, Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Verbänden einrichten.“

Ein weiterer Punkt ist auch der Ausbau der Film-und Medienstiftung NRW und eine Erhöhung der finanziellen Fördermittel. In diesem Zusammenhang ist explizit auch die Games-Branche als Förderungsempfänger genannt:

„Wir werden die Mittel für die Film-und Medienförderung einschließlich von Web-Inhalten und Games erhöhen.“

Der Förderungsfokus liegt zum einen auf dem kulturellen und identitätsstiftenden Aspekt der Branche und zum anderen auf ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit.

 

Live-Streaming in NRW unter Schwarz-Gelb lizenzfrei

Ein weiterer wichtiger Punkt im Koalitionsvertrag findet sich in Bezug auf Streaming-Dienste wie etwa den Videospielesender Twitch. Im Klartext wollen CDU und FDP die Lizenzpflicht für Streaming-Portale abschaffen:

„Die Regeln für Streaming-Dienste passen wir an das digitale und konvergente Zeitalter an (keine Lizenzpflicht).“

Zum Thema eSports findet sich im Koalitionsvertrag für Nordrhein-Westfalen keine Passage. Schleswig-Holstein lässt im Gegenzug die Behandlung von Streaming-Anbietern außen vor.

 

Schleswig-Holstein treibt Digitalisierung und Games-Ausbau voran

Ähnlich wie NRW will auch Schleswig-Holstein die Digitalisierung vorantreiben und das Bundesland als Standort für erstklassige digitale Infrastruktur etablieren. Zu den Maßnahmen in diesem Bereich zählen beispielsweise der Breitband-Ausbau sowie die Einrichtung von öffentlichen und kostenlosen WLAN-Hotspots. Im Koalitionsvertrag von CDU, FPD und Grünen liest sich das Ganze auf den Punkt gebracht so:

„Wir wollen Schleswig-Holstein zu einer digitalen Vorzeigeregion machen.“

Während man in NRW allerdings das Hauptaugenmerk auf die Games-Branche legt, ist Schleswig-Holstein schon einen Schritt weiter. In Deutschlands nördlichstem Bundesland haben es sowohl Games als auch eSports in den Koalitionsvertrag geschafft. Die Ausführungen zu Games fallen dabei jedoch wesentlich kürzer und unpräziser aus als in NRW:

„Firmen der Games-Industrie und Softwareentwicklungsschmieden […] stehen für die wirtschaftliche Dynamik einer modernen Branche, die vor allem auf Wissen und Innovation basiert. Für diese Unternehmen soll in Schleswig-Holstein ein ideales Umfeld entstehen und ausgebaut werden.“

eSports als Alltagsbestandteil in Schleswig-Holstein

Im Gegensatz zu diesem eher oberflächlich gehaltenen Vorsatz wird der Koalitionsvertrag in Sachen eSports präziser. So wolle man eSports unabhängig davon, ob das Spielen nun offiziell als Sport gelte oder nicht, als festen Bestandteil der Gesellschaft etablieren. Dem Engagement im Bereich eSports gebühre die gleiche Anerkennung wie allen anderen praktizierten Sportarten:

„Der sogenannte eSport ist für Millionen überwiegend junger Menschen Hobby und Freizeitbeschäftigung, bei der es um Geschicklichkeit, Konzentration, Mannschaftsgeist, Fairness und erlernte Fähigkeiten geht. Uns geht es hierbei nicht um eine Definitionsfrage. Wir wollen dieses Engagement positiv aufnehmen, um so eine effektive Jugendarbeit, eine Anerkennung der ehrenamtlichen Arbeit und eine feste gesellschaftliche Integration des eSports in das Gemeinwesen zu gewährleisten.“

Angesichts der großen und kontinuierlich wachsenden Bedeutung von eSports für viele Jugendliche in Deutschland, wolle man in Kiel auch mehr Veranstaltungen aus diesem Bereich ins Land holen:

„Wir wollen prüfen, ob weitere sportliche Events in Schleswig-Holstein etabliert werden können. Dazu gehören für uns auch moderne Veranstaltungsformate, wie zum Beispiel eSport-Events.“

Mit diesen beiden äußerst erfreulichen Koalitionsverträgen nehmen Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein eine wichtige Vorreiterrolle in Deutschland ein und könnten zu Vorbildern für ähnliche Zielsetzungen in anderen Bundesländern werden.