, 08.03.2016

Hoyzer als Schiedsrichter

Die Hoyzer-Affäre vom 21. August 2004 markiert ein einschneidendes Erlebnis in Deutschland zum Thema Spielmanipulation. (Bildquelle: https://www.hsv.de/fileadmin/redaktion/Saison/Saison_2010_11/DFB-Pokal/m_Hoyzer.jpg)

Seit dem Aufkommen der zahlreichen Online-Sportwettenanbieter und dem Fall „Hoyzer“ aus dem Jahr 2004 wird in Deutschland das Thema Spielmanipulation vor allem in der Fußball-Szene heiß diskutiert. Kurioserweise ist in Deutschland Spielmanipulation immer noch kein Straftatbestand. Spieler, Funktionäre oder Verantwortliche, die Geld von Wettbetrügern angenommen haben, konnten bisher nicht verurteilt werden. Nun gibt es, wie der SPIEGEL berichtet, einen neuen Gesetzentwurf der Bundesregierung. Laut diesem Gesetz können Straftäter nun für bis zu fünf Jahre ins Gefängnis wandern.

Die Regierung legte zum 1. März den Gesetzentwurf zur “Strafbarkeit von Sportwettbetrug und der Manipulation von berufssportlichen Wettbewerben” vor. Der Gesetzentwurf umfasst 23 Seiten. Das Bundesjustizministerium erklärt darin, dass zum Schutz der “Integrität des Sports” und der “Unverfälschtheit und Authentizität sportlicher Wettbewerbe” eine Änderung des Strafgesetzbuches unumgänglich sei. Bisher sei die strafrechtliche Verfolgung von Matchfixern nur unzureichend möglich gewesen. Auch die Sanktionsmöglichkeiten der Verbände seien unzureichend.

“Korruptive Absprachen werden häufig gezielt verschleiert und lassen sich durch die Sportverbände und die ihnen zu Gebote stehenden Aufklärungsmöglichkeiten nicht im erforderlichen Umfang feststellen”.

Wettmanipulationen seien keine Einzelfälle mehr, sondern ein sich ausbreitendes Phänomen.

5 Jahre Freiheitsstrafe für Wettbetrüger und Spielmanipulateure

Das Gesetz sieht zwei neue Straftatbestände vor: Die Manipulation von berufssportlichen Wettbewerben sowie den Sportwettbetrug. Mit dem neuen Wettbetrugsgesetz sollen verurteilten Wettbetrügern und Spielmanipulateuren Freiheitsstrafen von bis zu fünf Jahren drohen. Bestraft werden können alle, die Geld oder anderweitige Vorteile für Manipulationen annehmen. Egal ob Sportler oder Trainer, egal ob Berufs- oder Amateursportler, egal ob in der Champions League oder in der Kreisliga. Auch hat sich die Bundesregierung dazu verpflichtet, eine Nationale Plattform einzurichten, auf der Sport, Wettanbieter und Behörden Informationen austauschen und gemeinsam gegen Spielmanipulation vorgehen können.

Der Deutschen Sportwettenverband (DSWV) kämpft seit seiner Gründung im September 2014 ebenfalls gegen Spielmanipulationen. Doch der DSWV ist nicht der Meinung, dass Spielmanipulationen durch Live-und Ereigniswetten besonders begünstigt werden. Mathias Dahms, Präsident des Deutschen Sportwettenverbands (DSWV) kommentierte:

„Da die Buchmacher neben dem Sport die Geschädigten von Match Fixing sind, wollen wir den Kampf gegen Spielmanipulation gemeinsam mit dem Sport und den Behörden vorantreiben. Sinnvolle Maßnahmen müssen aber dort ansetzen, wo tatsächliche Gefahren bestehen. Mit unpassenden Beschränkungen der Live-und Ereigniswetten werden lediglich staatlich lizenzierte Angebote abgewürgt, während der Schwarzmarkt boomt.“

Europäische Wettanbieter betreiben umfassendes Risikomanagement

Somit hält der DSWV einen regulierten Sportwettenmarkt als Grundvoraussetzung für einen wirksamen Kampf gegen Manipulationen:

„Im Gegensatz zu den intransparenten asiatischen Wettmärkten, auf denen gigantische Summen verschoben werden, begrenzen europäisch regulierte Wettanbieter die Einzahlungen und betreiben ein umfassendes Risikomanagement. Bei unregelmäßigen Marktbewegungen und Quotenverläufen prüfen wir, ob eine Manipulation vorliegen könnte. Sollte sich der Verdacht erhärten, melden wir dies an die zuständigen Verbände und Behörden.“

Der Gesetzentwurf soll in der kommenden Woche zur juristischen Prüfung an weitere Ministerien geschickt werden, ehe er dem Bundeskabinett vorgelegt werden soll. Die Ministerpräsidenten der Bundesländer beschäftigen sich am 17. März mit der Neuregelung des Glücksspielstaatsvertrags, nachdem der Europäische Gerichtshof am 4. Februar zum wiederholten Mal erklärt hat, dass zentrale Bestandteile der deutschen Sportwettenregulierung europarechtswidrig sind.

Symposium „Kampf gegen Spielmanipulation“

Für einen besseren Schutz vor Spielmanipulation, hat der DSWV vor wenigen Monaten das Symposium „Kampf gegen Spielmanipulation“ veranstaltet, auf dem Experten aus Sport, Politik und Wissenschaft diskutiert haben, wie die Integrität des Sports effektiv geschützt werden kann. Hier zwei Videos, welche Einblicke in das Symposium geben:

Teil 1: [vimeo id=”157272723″]

Teil 2: [vimeo id=”157280224″]

Am 21. August 2004 hatte der Schiedsrichter Robert Hoyzer in der ersten Runde des DFB-Pokals die Partie des damaligen Regionalligisten Paderborn gegen den Erstligisten Hamburger SV geleitet. Nach zwei äußerst strittigen Elfmetern und einem kuriosen Platzverweis gewann Paderborn das Spiel mit 4:2. Ende Januar 2005 legte Hoyzer ein Geständnis ab. Er habe neben dem DFB-Pokal auch Spiele in Liga 2 und 3 manipuliert. Der damals 25-Jährige wurde zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten verurteilt. Hoyzer stand während dem DFB-Pokal-Spiel in Diensten des kroatischen Wett-Paten Ante Sapina.