, 22.09.2015

Robert Hoyzer

Schiedsrichter Robert Hoyzer pfiff 2004 im DFB-Pokal klar gegen den HSV (Bildquelle: http://www.hsv.de)

In Deutschland wird das Thema “Spielmanipulationen” vor allem in der Fußball-Szene immer noch heiß diskutiert. Über 10 Jahre nach dem Fall „Hoyzer“ arbeiten Vertreter aus Sport, Politik und Wirtschaft kontinuierlich daran, die Gefahren von manipulierten Spielen so gut es geht zu verringern. Die Experten vom Deutschen Sportwettenverband (DSWV) sehen einen regulierten Sportwettenmarkt als Grundvoraussetzung für einen wirksamen Kampf gegen Manipulationen an.

2004: Der Fall Hoyzer verändert Fußball-Deutschland

In Deutschland sind Spielmanipulationen wohl für immer mit dem Namen des Schiedsrichters Robert Hoyzer verbunden. Am 21. August 2004 leitete Hoyzer in der ersten Runde des DFB-Pokals die Partie des damaligen Regionalligisten Paderborn gegen den Erstligisten Hamburger SV. Schon nach 30 Minuten führten die Hamburger mit 2:0. In der 35. Minute fiel der Spieler Thijs Waterink von Paderborn im Strafraum und Hoyzer zeigte sofort auf den Elfmeterpunkt. Der Hamburger Mpenza beschwerte sich über den Pfiff derart heftig, dass er vom Platz gestellt wurde.

Nach zwei regulären Toren führten dann auf einmal die Paderborner mit 3:2. Zum Ende des Spiels gab es einen weiteren äußerst zweifelhaften Elfmeter für die Paderborner. Auch der wurde verwandelt und das Spiel war mit 4:2 für den Regionalligisten entschieden. Ende Januar 2005 legte Hoyzer ein Geständnis ab. Er habe neben dem DFB-Pokal auch Spiele in Liga 2 und 3 manipuliert. Der damals 25-Jährige wurde zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und fünf Monaten verurteilt. Hoyzer stand während dem DFB-Pokal-Spiel in Diensten des kroatischen Wett-Paten Ante Sapina.

Spielmanipulationen immer noch kein Straftatbestand

Der Fall Hoyzer war bisher der größte Wett-Skandal im deutschen Profi-Fußball. Doch die Gefahr ist längst nicht gebannt. Zu wenig hat sich seitdem geändert, um neue Manipulationen zu verhindern. Im Zentrum der Kritik stehen die Regierungen und die Gesetzgebung. Der Glücksspielvertrag aus dem Jahr 2012 ist immer noch nicht aktualisiert. Auf dem vom Deutschen Sportwettenverband (DSWV) organisierten Symposium „Kampf gegen Spielmanipulation“ diskutierten Mitte September 2015 Vertreter aus Sport, Politik und Wirtschaft über das Thema. Der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium des Innern, Ole Schröder, kündigte auf der Tagung an, weitergehende strafrechtliche Regelungen im Kampf gegen Spielmanipulation zu schaffen. Bis heute wurde in Deutschland das Gesetz noch nicht dementsprechend geändert, dass Spielmanipulationen als Straftatbestand gelten. Schröder forderte:

„Nur ein Strafrecht, das die Manipulatoren auf dem Spielfeld als Täter erfasst, kann Spielmanipulationen im Sport effizient bekämpfen.“ Doch eine Einschränkung bestimmter Wettangebote bringe laut DSWV-Präsident Mathias Dahms nichts: „Der Sportwettenmarkt ist international. Wenn wir bestimmte Wetten nicht anbieten, können wir sie auch nicht überwachen.“

Aktueller Glücksspielstaatsvertrag ist unzureichend

Problem ist der jetzige Glücksspielstaatsvertrag. Alle Teilnehmer des Symposiums sehen ihn als unzureichend an. Die Justiziarin Christina Gassner von der Deutschen Fußball Liga sagte:

„Obwohl der Glücksspieländerungsstaatsvertrag seit über drei Jahren in Kraft ist, sind die Länder anscheinend nicht in der Lage, den Glücksspielmarkt klar und kohärent zu organisieren. Jeder kann Sportwetten anbieten, aber keiner kontrolliert es. Der Ball liegt jetzt bei den Ländern.“

Die Art des Lizenzierungsverfahrens kritisiert Heinz-Georg Sundermann, Geschäftsführer von Lotto Hessen:

„Die zahlenmäßige Beschränkung der Sportwettenkonzessionen war falsch. Notwendig ist ein qualitatives Verfahren, welches allen Teilnehmern, die die qualitativen Vorgaben der Regulierungsbehörden erfüllen, die Marktteilnahme ermöglicht.“

Das Konzessionsmodell bei Sportwetten nach dem jüngsten Glücksspielstaatsvertrag sei gescheitert und müsse ersetzt werden. Auch das hessische Innenministerium, welches mit der Lizenzvergabe und der Regulierung der Sportwetten beauftragt wurde, sieht inzwischen das Scheitern ein. Der hessische Innenminister Peter Beuth hatte in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ zuvor angekündigt, sich für eine Änderung des Glücksspielstaatsvertrages einzusetzen.

DSWV: Zusammenschluss führender Sportwetten-Anbieter

Der Deutsche Sportwettenverband (DSWV) wurde im September 2014 gegründet. In dem Zusammenschluss führender deutscher und europäischer Sportwetten-Anbieter finden sich Anbieter wie Betfair, mybet, Bet365, Admiral Sportwetten, Tipico oder Ladbrokes. Der Verband setzt sich für eine moderne und wettbewerbsorientierte Regulierung von Sportwetten in Deutschland ein. Im Mittelpunkt der Kritik des DSWV steht der Lizenzvergabeprozess in Deutschland. Seit mehreren Jahren gibt es keine Fortschritte bei der Regulierung des deutschen Sportwetten-Marktes. Durch die Beschränkung auf 20 bundesweite Lizenzen und die Klage der nicht berücksichtigten Wett-Anbieter liegt das Vergabe-Verfahren schon seit vielen Monaten auf Eis.