, November 7, 2017

Dominik Nitsche im Interview

Dominik Nitsche hat sein 4. Bracelet der WSOP gewonnen. (Bildquelle)

Der deutsche Pokerprofi Dominik Nitsche ist seit vorgestern stolzer Gewinner eines weiteren Bracelets der World Series of Poker. Im Rahmen der WSOP Europe gewann der 27-Jährige das High Roller for One Drop im King’s Casino in Rozvadov. Vom 3. bis zum 5. November fand dort mit dem Event Nr. 10 das Highlight der Turnierserie statt. Bei 132 Entries setzte sich Dominik Nitsche am Finaltag durch und wurde mit einem unglaublichen Preisgeld von knapp 3,5 Millionen Euro belohnt. Es ist der höchste Turniergewinn seiner Karriere. Auch der zweite Platz ist von einem Deutschen belegt. Andreas Eiler musste sich Dominik Nitsche zwar im Heads-Up geschlagen geben, nimmt aber trotzdem ein stolzes Preisgeld von über 2 Millionen Euro mit nach Hause. Ebenfalls mit am Tisch war Boris Becker. Der Ex-Tennisprofi schaffte es jedoch nicht bis auf die Geldränge.

 

Europa-Ausgabe erfolgreicher als Original in den USA

Innenraum des King's Casino in Rozvadov

Das King’s Casino in Rozvadov (Bildquelle)

Mit einem Buy-in von 111.111 Euro gehört das High Roller for One Drop zu den teuersten Pokerturnieren des Jahres 2017. Gespielt wurde No-Limit Hold’em. Mit insgesamt 132 Entries war das Event sogar besser besucht als sein amerikanisches Pendant bei der WSOP in Las Vegas. Bei den 132 Entries handelte es sich um 88 Teilnehmer, wovon sich 44 wieder einkauften. Auf diese Weise kam es Preispool von sagenhaften 13 Millionen Euro zustande. Neben Dominik Nitsche, Andreas Eiler und Boris Becker waren alle Stars der Szene im tschechischen Rozvadov am Start. So war mit dem Kanadier Daniel Negreanu und dem US-Amerikaner Erik Seidel die Elite des internationalen Pokersports nach Tschechien gereist und auch Deutschlands bester Turnierspieler Fedor Holz hatte sich angemeldet.

 

Deutsche Bilanz mit vier Top-Platzierungen überragend

Als strahlender Sieger des Turniers ging Dominik Nitsche vom Tisch und sicherte sich so einen Gewinn von 3.487.463 Euro. Mit dem Triumph im King’s erhöht der 27-Jährige seine Turnierbilanz auf mehr als 11 Millionen US-Dollar. Im Heads-up besiegte er seinen Landsmann Andreas Eiler. Auf den dritten Platz schaffe es der Weißrusse Mikita Badziakouski. Auch die Plätze fünf und sechs sind mit Steffen Sontheimer und Christoph Vogelsang in deutscher Hand. Auf seinen Sieg angesprochen, gab sich Dominik Nitsche bescheiden und selbstbewusst zugleich:

„Es geht mir nicht um die Bracelets, sondern darum, wie gut ich gespielt habe. Ich bin stolz auf mein Spiel und nicht auf meinen Sieg. In letzter Zeit habe ich viel Zeit in Heads-Up Cash Games investiert, sodass ich mich die ganze Zeit über wohl gefühlt habe. Ich habe mich gefühlt als wäre ich der stärkste Spieler. Ich habe perfekt gespielt, es gab nichts, das ich ändern wollen würde.”

Der gebürtige Mindener hat bereits drei weitere Bracelets im Schrank. Zu seinen größten Erfolgen gehören sein Sieg von 2014 beim $ 1.000 No Limit Hold’em Turnier der 45. WSOP in Las Vegas. Zwei Jahre zuvor hatte er das gleiche Turnier bereits schon einmal für sich entschieden und bei der WSOP 2012 geglänzt. Hinzu kommen erste Plätze und viele weitere Top-Platzierungen bei diversen anderen großen Events.

 

Boris Becker dementiert Insolvenzgerüchte

Seitdem Boris Becker seit 2016 Mitglied im Team partypoker ist, hat er als Markenbotschafter des Poker Rooms schon bei mehreren Turnieren Präsenz gezeigt und sich gut geschlagen. Dieses Mal hatte er gegen die geballte Starpower der internationalen Pokerspitze jedoch das Nachsehen. Immer wieder Thema ist auch seine vermeintliche Zahlungsunfähigkeit im Schuldenstreit mit einem ehemaligen Geschäftspartner. Angeblich geht es um eine Summe im zweistelligen Millionenbereich. Erst vorgestern erklärte der ehemalige Olympiasieger jedoch in einem Interview, dass die Gerüchte gehaltlos seien. Auch sein Anwalt hatte dies bereits mehrfach betont. Neben Boris Becker waren außerdem die folgenden Pokerstars beim High Roller for One Drop mit von der Partie:

  • Bertrand „ElkY“ Grospellier (Frankreich)
  • Gus Hansen (Dänemark)
  • Patrik Antonius (Finnland)
  • Martin Kabrhel (Tschechien)
  • Sam Trickett und Charlie Carrel (UK)
  • Moritz Dietrich und Thomas Mühlöcker (Österreich)
  • Die deutschen Pokerprofis Rainer Kempe, Jens Lakemeier, Manig Löser, Christopher Frank, Max Altergott, Dietrich Fast, Jan Schwippert, Philipp Gruissem, Koray Aldemir und Ole Schemion

Im Rahmen der One Drop Foundation wurde bei dem Event fast eine Million Euro für wohltätige Zwecke gesammelt. Der kanadische Milliardär und Eigentümer des weltbekannten Cirque du Soleil Guy Laliberté hatte die Stiftung und das Turnierformat ins Leben gerufen, um Menschen in Krisengebieten den Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen. Ein Teil des Buy-ins seiner Turniere fließt in die Stiftung.

 

Immer mehr Pokerprofis ziehen ins Ausland

Obwohl Dominik Nitsche gebürtig aus dem westfälischen Minden stammt, lebt er mittlerweile im schottischen Edinburgh. Ein Grund dafür dürfte die Tatsache sein, dass Großbritannien und andere Länder wie auch Österreich keine Steuern auf Pokergewinne erheben. In Deutschland sieht das anders aus. Zwar entschied der Bundesfinanzhof erst jetzt, dass Preisgelder aus Pokerturnieren keiner Umsatzsteuer unterliegen, wohl aber der Einkommenssteuer. Damit wurde das Urteil gegen den zweifachen Bracelet-Gewinner und TV-Experten Eddy Scharf bestätigt, der vor zwei Jahren dagegen geklagt hatte, Einkommenssteuernachzahlungen für seine Pokergewinne leisten zu müssen. Nicht nur Dominik Nitsche, sondern auch andere Stars der Szene wie Pius Heinz, Philipp Gruissem, Christoph Vogelsang und Fedor Holz leben im Ausland.