, 19.11.2017

Schild zum NuWu Cannabis Marketplace

Der erste Autoschalter für Cannabis hat in Las Vegas eröffnet. (Bildquelle)

In Las Vegas ist seit dem 1. Juli 2017 der Kauf und Verkauf von Marihuana erlaubt. Einheimische sowie Touristen können seitdem in lizenzierten Geschäften das Rauschmittel käuflich erwerben. Nötig dafür sind ein Mindestalter von 21 Jahren sowie ein gültiger Lichtbildausweis. Neben einer Verkaufsstelle auf dem berühmten Las Vegas Strip gibt es seit dem 10. November auch einen Cannabis Drive Thru wenige Meilen vom Stadtzentrum entfernt. Dabei handelt es sich um die erste Einrichtung ihrer Art. Sie ist für Deutsche am ehesten mit einem Fast Food Schalter vergleichbar, wie er bei diversen großen Ketten angeboten wird. Der „NuWu Cannabis Marketplace“ befindet sich auf Indianerland und wird von dem Paiute-Stamm betrieben. Erhältlich sind 15 verschiedene Produkte, von Blättern über Konzentrat bis hin zu Keksen.

 

Service für ältere und bewegungseingeschränkte Kunden

Der NuWu Cannabis Marketplace funktioniert wie jeder andere Autoschalter auch. Über eine einspurige Zufahrt können Kunden ihre Bestellung aufgeben und bekommen ihren Einkauf direkt ins Auto geliefert. Mit diesem Service wolle man vor allem älteren Kunden entgegenkommen, die nicht mehr gut zu Fuß seien, sagte Benny Tso. Tso ist Vorsitzender der Paiute-Indianer in Las Vegas und betont, dass Schnelligkeit und Bequemlichkeit oberste Priorität hätten beim Kauf. Man wolle jede Bestellung innerhalb einer Minute abwickeln. Seit Frühjahr dieses Jahres gibt es bereits einen ähnlichen Shop in Colorado, das Cannabis schon vor fünf Jahren legalisiert hat. Personen unter 21 Jahren sind auf dem Gelände nicht zugelassen, auch nicht auf dem Rücksitz eines Fahrzeugs.

Geöffnet ist jeden Tag von 9 Uhr morgens bis 2 Uhr nachts. Zur Auswahl stehen vorgerollte Joints, gefüllte Kartuschen, Öle, Harze und andere Konzentrate sowie Gummibärchen, Brownies und sogar überzogene, getrocknete Früchte.

Von der medizinischen Notwendigkeit zur Freizeitbeschäftigung

Der Nuwu Marketplace von Innen

Innenraum der Verkaufsstelle (Bildquelle)

Im November 2016 hatte sich die Mehrheit der Bürger Nevadas bei einer Volksabstimmung für die vollständige Legalisierung von Cannabis ausgesprochen. Vor dem offiziellen Verkaufsstart am 1. Juli war in dem Wüstenstaat lediglich der Kauf und Verkauf von medizinischem Marihuana als Schmerz- und Beruhigungsmittel erlaubt. Die Pflanze kann beispielsweise zur Behandlung von Schlaf- oder Angststörungen eingesetzt werden. In Deutschland sind Cannabis-Medikamente nur als vorproduzierte Fertigprodukte und mit Rezept erhältlich. Mit der neuen Totalfreigabe in den USA dürfen Kunden im Gegensatz dazu rauch- und essbare Marihuana-Produkte auch zum reinen Privatgebrauch erwerben. Dies ist auch unter dem Begriff „Recreational Marijuana“, zu Deutsch Freizeitgebrauch, bekannt.

 

Casinos besorgt um ihren Ruf

Die Casinos der Spielerstadt blicken dem Cannabisgeschäft mit gemischten Gefühlen entgegen. Zwar erhöht die Legalisierung die Attraktivität der Stadt für Touristen und Besucher, doch der Cannabisverkauf und Konsum gilt nach übergeordneten Bundesgesetzen immer noch als illegal. Die Gesetzgebung der einzelnen Bundesstaaten steht im Gegensatz dazu, wurde aber bisher toleriert, da die Bundesstaaten selbst für die Ahndung von drogenbedingten Straftaten zuständig sind. Hinzu kommt, dass der Konsum nur in Privaträumen, nicht aber in der Öffentlichkeit erlaubt ist. Bei Zuwiderhandlung drohen Geldstrafen bis hin zur Verhaftung. Trotz der allgegenwärtigen Euphorie fürchten die Casinos nun um ihren Ruf, sollten sie im Zusammenhang mit einer Droge erwähnt werden. Eine höhere Polizeipräsenz zur Überwachung der Einhaltung der Cannabis-Regeln könnte zudem zu einer Einschränkung des Spielbetriebs führen.

 

Pokerprofi Phil Ivey besitzt Cannabis-Lizenz

Cannabis-Shop in den USA

Cannabis-Shop in den USA (Bildquelle)

Der Markt wird durch die Vergabe von Lizenzen zum Verkauf streng reguliert und überwacht. Jeder Händler zahlt zudem Steuern an den Staat. Bisher sollen 37 Verkaufsstellen lizenziert worden sein. Einer der Lizenzinhaber ist auch der Pokerprofi Phil Ivey. Der 40-Jährige gehört zu den besten Pokerspielern der Welt und hat sich bereits 2014 eine der begehrten Verkaufslizenzen gesichert. Zuletzt machte er allerdings Schlagzeilen mit seinem Rechtsstreit gegen das Crockfords Casino in London. In einem wegweisenden Fall hat der UK Supreme Court jedoch gegen den Star entschieden. Ivey hatte auf Herausgabe eines millionenschweren Gewinns am Baccarattisch geklagt, den er durch sogenanntes „Edge Sorting“ erzielt hatte. Diese Technik des Kartenzählens wurde vom Gericht jedoch als Betrug eingestuft.

 

Cannabisgeschäft boomt

Marihuana ist mittlerweile in insgesamt acht der 50 US-Bundesstaaten erlaubt. Neben Nevada haben auch die Bundesstaaten Colorado, Oregon, Washington, Massachusetts, Florida und Alaska den privaten Cannabiskonsum offiziell erlaubt. Vorreiter ist Colorado, das bereits 2012 für das Rauschmittel votierte. Auch Kalifornien, einer der größten und bevölkerungsreichsten Bundesstaaten des Landes, hat sich letztes Jahr für die Freigabe von Cannabis entschieden. Da das Geschäft dort jedoch erst mit Beginn 2018 startet, rechnet man in Nevada mit zusätzlichen Käufern aus dem Nachbarstaat. Experten rechnen sogar mit einem Touristenanteil von 63 %, wobei es sich allerdings hauptsächlich um ausländische Besucher handeln dürfte. Der medizinische Gebrauch der Droge ist zudem in über 25 weiteren US-Bundesstaaten zugelassen. Schätzungen zufolge kann die Branche mit einem landesweiten Gesamtjahresumsatz von knapp 6 Milliarden Dollar rechnen, der sich bis 2021 sogar auf 30 Milliarden steigern könnte.

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