Eddy Scharf: „Das Finanzamt kann nicht jeden über den Tisch ziehen, nur, weil er Poker spielt“

, August 10, 2016

Eddy Scharf

Der deutsche Pokerprofi Eddy Scharf ist guter Dinge, dass er in seinem Rechtsstreit mit den Richtern auf einen gemeinsamen Nenner kommen werde. Ein Umdenken habe schon stattgefunden! (Bildquelle)

Der Fall „Eddy Scharf“ ist in die deutsche Poker-Geschichte eingegangen. Im Jahr 2009 hatte der deutsche Pokerprofi Eddy Scharf einen Steuerbescheid vom Finanzamt Köln/Mitte bekommen. Er sollte rückwirkend für die Jahre 2003 bis 2008 eine sechsstellige Steuersumme zwischen dreihundert und vierhunderttausend Euro auf seine Pokergewinne zahlen. Gegen diesen Bescheid ging Scharf vor Gericht. In erster Instanz wurde die Klage im Oktober 2012 abgewiesen. Im September 2015 wurde dann die Revision vor dem Bundesfinanzhof in München ebenfalls abgeschmettert. Doch Scharf gab nicht auf. Als nächstes legte er Anfang dieses Jahres Verfassungsklage vor dem Bundesverfassungsgericht ein. Der unabhängige YouTube-Pokerkanal „Plan P“ traf sich nun mit Eddy Scharf zum Interview. Der Pokerprofi berichtet über den aktuellen Stand seines Falles.

Eddy Scharf hatte 2006 eigentlich vom Finanzamt bestätigt bekommen, dass seine Gewinne als Glücksspiel nicht steuerbar seien. Doch einige Jahre später kamen beide Urteile gegen Scharf zu einem anderen Ergebnis: Gewinne aus der Teilnahme an Pokerturnieren können als Einkünfte aus Gewerbebetrieb der Einkommensteuer unterliegen. Turnierpoker sei nach einkommenssteuerrechtlichen Maßstäben kein reines Glücksspiel. Es sei eine Mischung aus Glücks- und Geschicklichkeitsspiel. Und wann Steuern bezahlt werden müssen oder nicht, müsse von Fall zu Fall entschieden werden. Scharf habe aufgrund seiner Fähigkeiten mit Gewinnerzielungsabsicht gespielt und seine Einnahmen seien so keine steuerfreien Glücksspieleinnahmen. Eddy Scharf musste also die Steuersumme nachzahlen.

Interview mit dem Poker YouTube-Kanal „Plan P“

Eddy Scharf gab dem Poker YouTube-Kanal „Plan P“ nun ein kurzes Update zu seinem Fall. Nach Eingang der Klage beim Verfassungsgericht hat Eddy Scharf bisher noch keine Antwort aus Karlsruhe erhalten. Dies liege wohl daran, dass aktuell andere Klagen noch Vorrang hätten. Das ist aber überhaupt kein Problem für Scharf, wie er im Interview erklärt:

„Ich freue mich auch über diese Verzögerung. Ich habe ein gewisses Umdenken bei den Richtern mitbekommen. Mein zuständiger Richter in Köln hat mich gebeten, dass ich nochmal alles zusammenstelle. Wir kommen da schon auf einen gemeinsamen Nenner. Zudem habe ich mitbekommen, dass das Finanzamt in Münster letzte Woche richtig einen vor den Bug bekommen hat. Hier ging es um einen hohen Trinkgeldbetrag eines Spielers bei einem Turnier. Etwas um die 10.000 Euro. Das Finanzamt hielt den Betrag für lächerlich. Doch die Richter hielten den Betrag für durchaus angebracht. Sie sagten, dass das Finanzamt nicht jeden über den Tisch ziehen könne, nur, weil er Poker spielt.“

Auch bei den Finanzämtern habe ein Umdenken begonnen

Scharf ist sich sicher, dass je länger die ganze Angelegenheit dauert, desto mehr die Beteiligten, also vor allem Gerichte und Finanzämter, mitbekommen würden, wie eine Karriere als Pokerspieler in Wirklichkeit ablaufe. Es laufe eben nicht so, wie es im TV oft dargestellt werde. Scharf musste für sein Finanzamt diverse Steuerjahre aufarbeiten. Doch er könne als Pokerspieler nicht für alle Ausgaben Belegen aufbringen. Einerseits seien die Zeiträume schon 13 Jahre her und andrerseits gibt es beispielsweise bei den Spielbanken der Westspiel Gruppe keine Belege. In dieser Hinsicht gebe es aber wohl in den Finanzämtern inzwischen immer mehr Verständnis für diesen Sachverhalt. Die Aufarbeitung habe ihn bisher 9.000 Euro für Steuerberatungs-Dienstleistungen gekostet.

Nun wartet Scharf auf Antwort des Bundesverfassungsgerichtes. Die Verfassungsbeschwerde ist ein außerordentlicher Rechtsbehelf, mit dem Personen die Verletzung ihrer Grundrechte oder grundrechtsgleichen Rechte geltend machen können. Die Verfassungsbeschwerde muss aber zunächst durch das Verfassungsgericht angenommen werden. Hier wird die eigentliche Zulässigkeit und Begründung geprüft sowie prognostiziert. An dieser Stelle scheitern bereits viele Beschwerden. Das Annahmeverfahren dient der Selektion der Beschwerden und soll ein Ventil gegen eine Überflutung des Bundesverfassungsgerichts sein.

„Poker muss von verschiedenen Gerichten einheitlich bewertet werden“

Ein Hauptgrund für die Verfassungsbeschwerde ist für Scharf die unterschiedliche Bewertung des Pokerspiels. Von zahlreichen Gerichten werde Poker als Glücksspiel bewertet und von den Finanzgerichten eben nicht. Laut Scharf müsse es von verschiedenen Gerichten einheitlich bewertet werden.

Hier das ganze Interview von Eddy Scharf mit „Plan P“ als YouTube Video: