eSports Bundesliga: Borussia Dortmund entscheidet sich gegen Einstieg

, November 29, 2016

eSports Bundesliga

BVB Vorstand Hans-Joachim Watzke spricht sich gegen einen eSports Bundesliga Einstieg seines Vereins aus (Bildquelle).

Borussia Dortmund will nicht in die eSports Bundesliga einsteigen. BVB Chef Hans-Joachim Watzke erteilte auf der Hauptversammlung des Bundesligisten eine deutliche Absage. Die Konkurrenten Schalke 04 und Vfl Wolfsburg sind bereits bei eSports aktiv, weitere Vereine wollen folgen.

Abfuhr an die eSports Bundesliga von BVB-Chef Watzke

Am 21. November 2016 trafen sich Aktionäre und Vorstand des Bundesliga Clubs Borussia Dortmund zur Hauptversammlung in Dortmund. Während sich Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke in seiner Rede kämpferisch gab, fand er klare Worte zum Thema eSports. Auf die Frage eines Aktionärs nach dem Einstieg in die eSports Bundesliga gab er seine Meinung unverhohlen kund:

„Das ist vielleicht modern. Ich finde das komplett scheiße. Es hat sich in der Vergangenheit bewährt, dass wir nicht alles das machen, was der FC Schalke 04 macht.“

Ohne Frage ein Seitenhieb auf den Konkurrenten in der Bundesliga: Wie auch der Vfl Wolfsburg hat Schalke 04 ein eigenes FIFA-Team verpflichtet. Der FC Ingolstadt 04, der Hamburger Sportverein und Borussia Mönchengladbach beschäftigen sich zumindest mit dem Thema und wollen in Kürze Entscheidungen fällen. Für den BVB ist aber nach Watzkes Machtwort klar, dass es einen eSports Bundesliga Einstieg nicht geben wird.

eSports passt nicht zu Borussia Dortmund

Der BVB räumt durchaus ein, dass eSports aus kommerzieller Sicht lukrativ ist und eine Möglichkeit, noch mehr Fans zu erreichen. Trotz der harten Absage gibt sich Hans-Joachim Watzke in seinen weiteren Erklärungen zum Thema etwas milder:

„Wir empfinden es für uns nicht als authentisch und ‚echt‘. Andere Klubs werden dies naturgemäß anders bewerten. Dies soll keine Bewertung des eSports sein, sondern vielmehr eine Einordnung dessen. Auch wenn wir Hollywood-Filme und Bücher als Bereicherung empfinden, würde der BVB keine Schauspieler- oder Autoren-Gruppen als eigenes Team verpflichten.“

Reaktion von Schalke 04

Beim Bundesliga Club Schalke 04 blieben Watzkes Äußerungen nicht unbemerkt. Die Schalke-Führung weiß, den eigenen Einstieg in die eSports Bundesliga zu verteidigen: Die Vereine seien Marken mit globaler Aufmerksamkeit. Ein Bundesliga Club müsse heutzutage mehr sein als eine Fußball spielende Gemeinschaft innerhalb Deutschlands. „Kann Stagnation Erfolg bedeuten?“ fragt Joshua Begehr, Teamleiter für eSports bei Schalke 04. 2009 war er Weltmeister beim FIFA Computerspiel und mehrfach Europameister.

„Die Bindung des Menschen an seinen Klub kann bei den heutigen Alternativen nicht allein durch das seltene Live-Erlebnis im Stadion gewährleistet werden. Der Verein muss im Leben des Fans präsent sein. Was hat da mehr Potenzial als das Digitale, das ohnehin schon einen so großen Anteil an unserem Leben hat?“

So rechtfertigt Begehr die eSports Aktivitäten von Schalke und prophezeit dem BVB gleichzeitig, einen Trend und eine Chance zu verschlafen. Hans-Joachim Watzke lenke den Verein in einen gewaltigen Irrtum.

Massenmarkt eSports

eSports und Wetten auf Ereignisse und Begegnungen bei Computerspielen entwickeln sich rasant und entfalten ein ungeheures Wachstum und Potential. Derzeit beeilen sich Regulierungsbehörden, mit Kontrollvorgaben nachzukommen (wir berichteten). eSports sind auch in Deutschland inzwischen ein Phänomen mit enormem Bekanntheitsgrad und steigender Präsenz in TV und Medien. Einschließlich Sponsoring, Werbung und Merchandising sorgt eSports für einen derzeitigen Umsatz von rund 50 Millionen Euro. Bis 2020 wird ein Anstieg auf 130 Millionen erwartet. Hierzulande gelten eSports Spiele bei den Sportverbänden jedoch nicht als Sportart.

Borussia Dortmund, Computerspiele und der Nachwuchs

eSports Bundesliga Marco Reus

FIFA 17 Markenbotschafter Marco Reus, Stürmer bei Borussia Dortmund (Bildquelle).

Interessant ist, dass der BVB intensiv den Nachwuchs fördert und bereits zum sechsten Mal Deutscher U19 Meister ist. Watzke kehrte bei der Hauptversammlung auch die U19 Erfolge des Vereins heraus und unterstrich, wie wichtig für den BVB die Nachwuchsförderung sei. Da überrascht es doch etwas, dass sich der Geschäftsführer den eSports Aktivitäten so verschließt. Sowohl Profi Gamer selbst als auch das eSports Publikum sind eine überwiegend junge Zielgruppe, welche die Vereine über die eSports Bundesliga ansprechen können.

Immerhin: Die Computerspiele sind Borussia Dortmund wenigstens beim Sponsoring nicht ganz fremd. Im August 2016 hat der Verein eine vierjährige Partnerschaft mit Konami abgeschlossen, dem Hersteller der Fußball Simulation Pro Evolution Soccer (PES). In der neuen Ausgabe PES 2017 finden sich BVB Original Spieler mitsamt Trikots und Hymne, ebenso das BVB Stadion Signal-Iduna-Park. Stürmer Marco Reus wirbt gleichzeitig als Titelmodell für konkurrierende Fußball Simulation FIFA 17 von EA Sports, die bereits im Handel erhältlich ist.