, July 11, 2017

Bundeskanzlerin Angela Merkel

Angela Merkel und ihre Partei setzen bei der Wahl genauso wie die SDP auf eSports. (Bildquelle)

Die deutsche Bundestagswahl am 24. September 2017 rückt immer näher und die großen Parteien haben ihre Wahlprogramme veröffentlicht. Sowohl CDU als auch SPD haben das Thema eSports in ihre Programme aufgenommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel nennt Computerspiele im Manifest ihrer Partei in einem Atemzug mit der Filmwirtschaft. Beide Branchen seien als wichtiges Wirtschafts- und Kulturgut einzustufen. Damit geht sie zwar weiter als die SPD und ihr Kanzlerkandidat Martin Schulz, die lediglich eine Überprüfung der Rahmenbedingungen in Aussicht stellen, bleibt jedoch hinter deren Listung von eSports unter „Sport“ zurück. Mit diesen Erklärungen sind die Bundestagsfraktionen nicht die ersten Akteure, die eSports in ein Wahl- oder Regierungsprogramm aufnehmen. Schon die neue NRW-Regierung aus CDU und FDP sowie die Koalition aus CDU, FDP und Grünen in Schleswig-Holstein haben nach ihren Wahlsiegen eSports offiziell in ihren Koalitionsverträgen berücksichtigt.

 

CDU will eSports stärken

Unter dem Punkt „Kultur und Medien“ finden sich im Wahlprogramm der Christdemokraten drei Zeilen zum Thema eSports. Auch wenn die Passage nur kurz ist, so erfährt die eSports-Branche doch mehr Anerkennung als noch in der Vergangenheit:

„Das Filmschaffen soll in Deutschland noch weiter gestärkt werden, denn Filme sind wertvoll  als  Wirtschaftsprodukt und als Kulturgut. Das gilt auch für Computerspiele. Die Entwicklung des E-Sports begleiten wir positiv und sorgen für geeignete Rahmenbedingungen.“

Damit wird der enormen Popularität von eSports in Deutschland Rechnung getragen. Offenbar hat mittlerweile auch die Politik die Wirtschaftskraft und den hohen Stellenwert von eSports für viele Jugendliche erkannt und hofft auf die Erschließung einer neuen Wählerschaft. Auch die stetig voranschreitende Ausbildung aufstrebender Talente und Bekanntheit von Profispielern- und Teams wird damit honoriert.

 

Angela Merkel eröffnet Gamescom in Köln

Vom 23.8.-26.8.2017 öffnet die Gamescom in Köln ihre Tore für die Besucher. Die europäische Leitmesse für Computer- und Videospiele ist die größte Veranstaltung ihrer Art weltweit und soll planmäßig von der Kanzlerin höchstpersönlich am 22. August eröffnet und bei einem Rundgang in Augenschein genommen werden. Der Veranstalter Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) ist höchsterfreut über diesen hohen Besuch, wie Geschäftsführer Felix Falk erzählt:

„Der Besuch von Frau Dr. Merkel unterstreicht die Bedeutung der Games-Branche für den Kultur-, Digital- und Wirtschaftsstandort Deutschland.“

Mit über 200.000 m² Ausstellungsfläche wird die Gamescom dieses Jahr noch größer als in den Vorjahren. 2016 hatte die Messe rund 345.000 Besucher aus 97 Ländern in die Domstadt gelockt. Insgesamt 877 Unternehmen aus 54 verschiedenen Ländern präsentierten dem Fach- und Laienpublikum ihre Produkte. ESL, eine der führenden eSports Plattformen weltweit, hat sein Hauptquartier übrigens auch in Köln. Mitte September startet dort mit der ESL One Cologne 2017 eines der größten CS: GO Turniere der Welt.

 

SPD schlägt ähnlichen Weg ein

Die Wahlprogramme von CDU und SPD unterscheiden sich nur unwesentlich voneinander, was die Behandlung von eSports angeht. Dennoch scheint die CDU eSports eine etwas höhere Bedeutung einzuräumen, wenn man sich die Formulierung der Sozialdemokraten ansieht:

„Wir erkennen die wachsende Bedeutung der e-Sports-Landschaft in Deutschland an. Wir werden prüfen, ob und wie wir die Rahmenbedingungen für e-Sports verbessern können.“

Die Zeilen finden sich unter der Rubrik „Sport“. Mit dieser Einordnung geht die SPD insofern weiter als die CDU, als dass eine offizielle Anerkennung von eSports als Sportart damit in greifbare Nähe rückt. Kleine Nuancen in der Formulierung lassen jedoch erkennen, dass die SPD etwas zögerlicher an das Thema insgesamt herangeht. Dennoch ist die Tatsache, dass beide großen Parteien Deutschlands den Punkt eSports in ihre Wahlprogramme aufgenommen haben und eSports damit offiziell anerkennen und in den öffentlichen Fokus rücken, eine höchsterfreuliche Entwicklung für die Branche. Damit legt die Politwelt eine kleine Kehrwende hin, denn in der Vergangenheit wurden Computerspiele mehr als Gefahr denn als Sport angesehen.

 

Vom Gefährder zum Kulturgut

Mit der Anerkennung als Kulturgut hat die eSports-Branche einen wichtigen Meilenstein erreicht. Die eSport-Lobbies, allen voran der Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware, verfolgen zwar die Anerkennung dieser Disziplin als offizielle Sportart in Deutschland, doch die jüngsten Entwicklungen sind ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Der BIU hat bereits Anfang des Jahres einen Forderungskatalog mit 10 Punkten aufgestellt, mit dessen Umsetzung die Politik die deutsche Games-Branche maßgeblich nach vorne bringen könnte. Sollte eSports tatsächlich bald als Sportart anerkannt werden, dann könnten die Teams und Vereine beispielsweise auch von Steuervorteilen profitieren. Doch so rosig sah es für die Branche nicht immer aus. Noch letztes Jahr stand Counter-Strike massiv als „Ballerspiel“ in der Kritik, als bekannt wurde, dass der Amokläufer des Olympia-Einkaufszentrums in München den Ego-Shooter in seiner Freizeit spielte.