Ex-Full Tilt CEO Ray Bitar bekommt 10 Jahre Arbeitsverbot in Irland

, Juli 22, 2016

Hochzeit Ray Bitar

Im Herbst 2015 heiratete Ray Bitar seine Freundin Jackie Lewis. Die Feier war mehr als nur pompös. Zudem sah Bitar so schlank und so gesund aus wie noch nie! (Bildquelle)

Der ehemalige CEO von Full Tilt Ray Bitar war einer der Drahtzieher beim großen Full Tilt Skandal. Am 15. April 2011 gingen das Federal Bureau of Investigation (FBI) und das Department of Justice (DoJ) gegen die drei größten US-Online Pokerräume vor. Elf Personen wurden dabei angeklagt, die Websites der betroffenen Anbieter gesperrt. Die Gelder der Spieler eingefroren. Dieser Tag ging als Black Friday in die Poker Geschichte ein. Wie nun bekannt wurde, hat Bitar schon im vergangenen Sommer ein vorläufiges Geschäftsverbot in Irland erhalten.

Ray Bitar soll die Spieler damals über die wahren Gründe, warum Full Tilt nach dem Black Friday nicht mehr auszahlen konnte, getäuscht haben. Bitar habe den Spielern mitgeteilt, der Auszahlung ständen rechtliche Unklarheiten entgegen. In Wirklichkeit hatte Full Tilt aber schlicht und einfach kein Geld mehr.

Auch nach dem Black Friday hatte Bitar Spieler zum Einzahlen ermutigt

Laut Anklage hatte Full Tilt den Spielern 390 Mio. Dollar geschuldet, dem hätten aber nur 60 Mio. Dollar Firmenvermögen gegenübergestanden. Das meiste Geld hätten die Full Tilt Poker Verantwortliche Ray Bitar, Chris Ferguson und Howard Lederer zuvor teils für private Zwecke entnommen. Insofern sei das ganze Unternehmen Full Tilt aus Sicht der geprellten Spieler nichts weiter als ein betrügerisches Schneeballsystem. Bitar soll die Spieler auch nach dem Black Friday mit dem Wissen, dass keine Auszahlungen mehr möglich waren, weiter zur Einzahlung bei Full Tilt ermutigt und dadurch noch mehr geschädigt haben.

Im Frühjahr 2013 wurde Ray Bitar im Rahmen der Black Friday Anklagen verurteilt. Eine Haftstrafe blieb dem ehemaligen Chef von Full Tilt Poker aber erspart. Er schloss einen Deal mit dem DOJ, zahlte 40 Millionen US-Dollar an Vermögenswerten und blieb auf freiem Fuß. Im Zuge des Deals wurden acht Konten von Ray Bitar gepfändet. Darunter Konten in Schottland, Irland, auf Malta und sogar in Deutschland. Des Weiteren musste sich Bitar von Immobilien in Kalifornien, Indiana und Bermuda verabschieden.

ODCE sperrt Ray Bitar für 10 Jahre

Nun wurde durch die Zeitung „The Times“ bekannt, dass Ray Bitar vergangenen Sommer vom „Office of the Director of Corporate Enforcement“ [ODCE] in Irland eine zehnjährige Sperre erhalten hat. Er darf somit bis zum 26. Juli 2025 in Irland keine Position in der Führungsebene eines Unternehmens mehr einnehmen. Normalerweise spricht die ODCE nur Sperren von maximal drei bis fünf Jahren aus. Grundlage für die Entscheidung war die Liquidation der Unternehmen Pocket Kings Ltd. und Rekop Limited. Die beiden Firmen waren der Kern von Full Tilt Poker und in Irland beheimatet. Zudem war Bitar verantwortlicher Direktor bei beiden Unternehmen.

Wie sehr Bitar diese Sperre betrifft, darf bezweifelt werden. Das ehemalige Full Tilt Teammitglied Allen Cuningham hatte im Oktober 2014 behauptet, dass Bitar sterbenskrank sowie auch pleite sei. Schon vor zwei Jahren musste der Ex-Full Tilt CEO wegen einem schweren Herzfehler nicht ins Gefängnis. Eigentlich brauchte Bitar eine Herztransplantation. Ob er die bis heute erhalten hat, ist unklar. Doch dann gingen im vergangenen Jahr Bilder um die Welt, wie Bitar seiner Freundin Jackie Lewis bei einer „Millionen Dollar Hochzeit“ das Ja-Wort gegeben hatte. Bei der Hochzeit sah er gar nicht wie ein herzkranker Mensch aus, sondern erfreute sich laut der Bilder bester Gesundheit.

Lederer entschuldigte sich – ging aber nicht auf Privatentnahmen ein

Im Mai dieses Jahres hatte sich der ehemalige Full Tilt Poker Direktor und Kompagnon von Bitar, Howard Lederer, bei der Poker Community und vor allem bei den ehemaligen Kunden für die Vorfälle entschuldigt. In einem Statement übernahm er die Verantwortung für die fehlenden Spielergelder. Er sei Mitschuld daran, dass die Gelder nicht gesichert werden konnten. Er sei seit 2008 aber nicht mehr in die täglichen Geschäfte eingebunden gewesen und habe so keine richtige Kontrolle mehr über den Pokerraum gehabt. Er habe versäumt dafür zu sorgen, dass Full Tilt Poker weiterhin vernünftig geführt wird. Auf die Privatentnahmen der Verantwortlichen von den Spielerkonten ging er allerdings leider nicht ein:

„Ich übernehme die volle Verantwortung für das Versagen von Full Tilt, die Gelder der Spieler nicht ausreichend geschützt zu haben. Es hätte nie zu diesem Ausfall kommen dürfen. Ich hätte für mehr Transparenz sorgen müssen bzw. andere damit beauftragen müssen, diese Transparenz herzustellen.“